Theaterstück Nächtliche Gurgellaute in der Klinik

Der Garchinger Theaterverein "Zeitkind" führt im April und Mai eine Adaption von Sebastian Fitzeks Psychothriller "Der Seelenbrecher" im Römerhof auf. Nach einer Komödie und einem politischen Stück nimmt sich das Ensemble damit ein neues Genre vor, das dem Zuschauer mitunter "die Nackenhaare aufstellt"

Von Franziska Gerlach, Garching

In den vergangenen Stunden hat es ununterbrochen geschneit in dieser Nacht des Grauens, das Schloss der Tür ist mit einer Eisenkette verschlossen - keiner kann mehr hinaus, es kann aber auch keiner hinein. "Zum Glück", wie Regisseur Werner Högel bei der Probe in der Aula der Mittelschule Garching gerade gesagt hat. Zugegeben, ein wenig erinnert die Szene aus dem neusten Stück der Garchinger Sprechtheatergruppe des Theater- und Musikvereins "Zeitkind" doch an Stanley Kubricks "Shining" mit dem großartigen Jack Nicholson in der Rolle eines dem Wahnsinn verfallenden Schriftstellers.

Den Horrorklassiker von 1980 auf die Bühne zu bringen, wäre vielleicht doch etwas zu gewagt und ambitioniert für Garching. Stattdessen haben sich die Ensemblemitglieder für eine Adaption von "Der Seelenbrecher", ein Psychothriller des deutschen Bestsellerautors Sebastian Fitzek, entschieden, am 28. April wird das Stück im Römerhof seine Premiere erleben. Ein Psychopath, den die Presse als "Seelenbrecher" bezeichnet, geht um. Drei junge Frauen sind ihm bereits in die Fänge geraten - kurz vor Weihnachten schlägt er ausgerechnet in einer psychiatrischen Klinik zu. Patienten, Ärzte und der Hausmeister stellen entsetzt fest, dass der "Seelenbrecher" offenbar unerkannt eingeliefert wurde. Er befindet sich mitten unter ihnen. Nur wer der Seelenbrecher ist, das weiß natürlich keiner so genau. Theoretisch könnte es jeder sein, das Misstrauen wächst also. Die Angst auch.

Aufregung in der Klinik: ein Psychopath weilt unter den Patienten.

(Foto: Catherina Hess)

Nach einer Komödie und dem politischen Stück "Das Exempel", welches das Ensemble im vergangenen Jahr einstudiert hat, wollte man heuer einen Thriller zeigen. "Damit wir jedes Genre mal ausprobieren", sagt Rolf Schönwald, der neue Vorsitzende von Zeitkind. Und freilich möchten er und die anderen Ensemblemitglieder nicht verraten, wer der Böse ist. Nur: Es könnte theoretisch jeder im Raum sein. Högel, der sich die Regiearbeit in diesem Jahr mit Stephanie Brack teilt, will den Zuschauer verwirren, er soll mitfiebern, gepackt werden in seinem detektivischen Ehrgeiz. "Fährten legen - das ist das Entscheidende!", sagt Högel.

Momente, in denen der Zuschauer zusammenzuckt vor Schreck auf seinem Stuhl? Gibt es wohl einige. Etwa, wenn Ärzte und Patienten panisch durch die nächtliche Klinik irren, getrieben von unheimlichen Gurgellauten aus dem Lautsprecher, deren Urheber sie nicht verorten können. Und dann die Dialoge, sagt Simone Dirksen, die neue stellvertretende Vereinsvorsitzende: "Die stellen einem zum Teil schon die Nackenhaare auf."

Auch wenn die Schauspieler noch nicht so genau verraten wollen, was den Zuschauer de facto erwarten wird: Aufregend könnte es auf jeden Fall werden. Anders als bei "Das Exempel", in dem etliche längere Monologe vorkamen, müssen die Schauspieler in dem neuen Stück verstärkt interagieren. "Jede Rolle bringt einen Verdachtsmoment rein", sagt Karin Gordon. Und diesen Verdachtsmoment auszugestalten, das finde sie sehr reizvoll. Bei der Probe soll Rolf Schönwald, der den prolligen Rettungssanitäter Tom Schadeck spielt, deshalb die Spannung noch etwas länger aufrecht erhalten. "Dran bleiben!", ruft Högel ihm zu. "Du spielst die Szene super an, aber dann löst du zu früh auf." Also alles noch einmal von vorne.

Das Regie-Duo Werner Högel und Stephanie Brack genießt die Probe trotz düsterer Thematik.

(Foto: Catherina Hess)

Schönwald stellt sich wieder in Position, drückt das Kreuz durch, holt Luft. Dann legt er los, lässt den Rettungssanitäter seine Geschichte erzählen. Es ist die Geschichte seines autoritären Vaters, der ihn als Sohn nicht achtete und die Mutter misshandelte. "Dusch, dusch, dusch!", habe es gemacht, als der Vater den Kopf der Mutter auf den Tisch gedonnert habe. Diesmal sitzt die Szene, anerkennendes Nicken von den Schauspielkollegen, auch die Regisseure Brack und Högel sind zufrieden. Schönwalds Spiel hat jetzt die nötige Tiefe, es entspricht nun dem Wesen eines Mannes, mit dem es das Leben offenbar nicht immer gut gemeint hat. Neben dem Part des Rettungssanitäters, für den sich Schönwald an diesem Tag schon mal ein Brandwunden-Tattoo auf den Unterarm hat kleben lassen, gibt es zum Beispiel noch die Rolle von Frau Dr. Dorn (Simone Dirksen) oder jene des Hausmeisters, der von Torsten Spörl gespielt wird. Letzterer hat nicht nur "die komplexeste Rolle", wie Regisseurin Brack verrät, weil der Hausmeister ja mürrisch und ängstlich zugleich sei. Spörl ist außerdem für das Bühnenbild zuständig. Viel Aufwand wollen die Ensemblemitglieder aber auch in diesem Jahr nicht betreiben. Requisiten kosten Geld, einerseits. Bei Zeitkind hält man aber ohnehin nicht viel von einer überladenen Kulisse. Weniger ist mehr, lautet das lieb gewonnene Prinzip. Aus einem einfachen Grund: "Ein reduziertes Bühnenbild focussiert auf das Schauspiel", sagt Regisseur Högel. "Und lenkt nicht ab."

Premiere ist am Freitag, 28. April, 20 Uhr, weitere Aufführungen am 29. und 30. April sowie am 5. , 6. und 7. Mai jeweils 20 Uhr im Theater im Römerhof, Riemerfeldring 2. Karten zu 15, ermäßigt zwölf Euro über das Rathaus Garching (089 / 320 89-138).