Serienvergewaltiger verurteilt "Der Trieb ist vorbei"

Bereits in den 90er Jahren hatte ein Gericht seine Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. Von dort floh Hans Peter M. - und vergewaltigte erneut eine alte Frau. Nun wurde er verurteilt.

Von A. Krug

Er kann nur Trippelschritte machen, mehr lassen die Fußfesseln nicht zu. Zwei Beamte in Zivil begleiten Hans Peter M., der zusätzlich auch noch Handschellen trägt, auf seinem Gang in den Sitzungssaal des Landgerichts. Die Vorsichtsmaßnahmen haben ihren Grund: Der 46-Jährige galt einmal als einer der meistgesuchten Gewaltverbrecher, weil er es immer wieder schaffte, aus der Psychiatrie auszubrechen, wo er wegen seiner perversen sexuellen Neigungen untergebracht wurde. Auf einer dieser Fluchten fiel er in einem Münchner Altenheim über eine 87-jährige Rentnerin her.

Richter Gilbert Wolf verurteilte Hans Peter M. wegen versuchter Vergewaltigung zu fünf Jahren Haft und ordnete erneut die Unterbringung in der Psychiatrie an.

(Foto: Foto: dpa)

Der Fall, um den es vor dem Landgericht geht, liegt bereits 15 Jahre zurück: Im Mai 1995 stieg Hans Peter M. über ein offenes Fenster im Erdgeschoss in das Seniorenheim ein und versuchte, die 87-jährige Berta R. zu vergewaltigen. Bevor er von seinem Opfer abließ, misshandelte er es mit Schlägen und flüchtete dann mit 100 Mark Bargeld.

Kein unbeschriebenes Blatt

Auf einer Coladose ließ er damals Fingerspuren zurück, die aber erst 2009 bei einer Aufarbeitung sogenannter Altfälle mittels neuester Kriminaltechnik zu einem Fahndungserfolg führten.

Hans Peter H. war für die Justiz schon damals kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 1989 war der gebürtige Stuttgarter wegen versuchter Vergewaltigung zu einer Haftstrafe und anschließender Unterbringung in der Psychiatrie verurteilt worden.

Kaum auf freiem Fuß, vergewaltigte er 1992 in Tübingen zunächst eine 84-jährige Frau, fiel dann über eine Seniorin in ihrem Rollstuhl her und versuchte schließlich, eine 64-jährige Rentnerin zu vergewaltigen. 1993 wurde er vom Landgericht Tübingen zu fünf Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Außerdem wurde er erneut untergebracht, diesmal im Zentrum für Psychiatrie Weißenau in Ravensburg.

Von dort floh er in den folgenden Jahren gleich drei Mal. "Ich bin einfach aus dem Fenster gestiegen", sagt er. Auf der ersten Flucht im Mai 1995 fuhr er mit dem Zug nach München und fiel dort über die Rentnerin Berta R. her.

Die nach Aussagen einer Pflegerin tiefgläubige Christin, die stundenlang am Tag betete, war danach "ein anderer Mensch" und traute sich nicht mehr aus dem Heim. "Sie saß danach nur noch allein in ihrem Zimmer", erzählt die Pflegerin. 1999 starb Berta R., ohne dass die Tat gesühnt war.

Gezielte Suche nach älteren Opfern

Hans Peter H. lebte zu diesem Zeitpunkt auf Jamaika, wohin er sich 1997 abgesetzt hatte. Jahre später erkannte ihn eine Urlauberin am Strand, er wurde ausgeliefert und kam zurück in die Psychiatrie.

Die wiederholten Fluchten in den 90er Jahren aus Weißenau seien "eine Schande für die dortige Psychiatrie", meint der forensische Gutachter Thomas Schwarz. Der Angeklagte habe über Jahrzehnte "gerontophile und gerontosadistische Neigungen" entwickelt, die gefährlich seien. "Er hat sich gezielt nach alten Frauen umgeschaut."

Hans Peter M. bereut seine Taten inzwischen. "Ich hab' mich oft gefragt, was hast du da deinen Opfern angetan." Der Überfall auf Berta R. 1995 war seine letzte (bekannte) Straftat. Seit 2006 lässt er sich freiwillig Hormonspritzen verabreichen, "chemische Kastration" nennt er das: "Der Trieb ist vorbei, ich hab' mich von meiner Sexualität verabschiedet."

Richter Gilbert Wolf verurteilt ihn wegen versuchter Vergewaltigung zu fünf Jahren Haft und ordnet - zum insgesamt dritten Mal - die Unterbringung in der Psychiatrie an. Eine Behandlung sei noch möglich, sagt Psychiater Schwarz.