Oberschleißheim Neue Siedlung am Mittenheimer Weiher

So könnte das neue Wohngebiet zwischen Ober- und Unterschleißheim einmal aussehen.

(Foto: Heim Kuntscher Architekten und Stadtplaner BDA / atelier le balto Landschaftsarchitekten.)

Der Katholische Männerfürsorgeverein München plant auf dem Gelände des ehemaligen Klosters ein Wohngebiet für 1500 Einwohner. Der Gemeinderat zeigt sich mehrheitlich skeptisch.

Von Klaus Bachhuber, Oberschleißheim

Zwischen Ober- und Unterschleißheim könnte ein völlig neuer Siedlungsschwerpunkt entstehen. Geplant ist ein Wohngebiet für rund 1500 Einwohner, mit einem hohen Anteil erschwinglichen Wohnraums, landschaftsorientiert großzügig verteilt auf rund 19 Hektar Fläche. Der Katholische Männerfürsorgeverein München möchte auf seinen Ländereien des ehemaligen Klosters Mittenheim bezahlbaren Wohnraum in "relevanter Größe" schaffen. "Das hätte die Chance, ein bayernweites Highlight in der Siedlungsentwicklung zu werden", sagte Aufsichtsrat Stephan Heinle. Der Gemeinderat hat sich äußerst reserviert gezeigt. Am Mittwoch, 31. Mai, sollen die Pläne in einem Bürgerdialog erörtert werden.

Aus den landwirtschaftlichen Flächen, die beim Kauf des Klostergebäudes durch den Verein 1953 quasi im Preis enthalten waren, wurden nun 19 Hektar abgesteckt zur "Quartiersentwicklung Mittenheim", wie das Projekt betitelt ist. Im Kern des Areals um den Mittenheimer Weiher sind im Strukturkonzept großzügige grüne Lungen vorgesehen, die alleine fast die Hälfte des potenziellen Quartiers ausmachen sollen. Wohnblöcke sollen an den Rändern entstehen, im Westen an der gedanklichen Verlängerung der Linie des Gewerbegebiets Bruckmannring bis zur Birkhahnstraße und im Osten entlang der Bahn, dazu nördlich des Klosters bis zur gedachten geradlinigen Verlängerung der Birkhahnstraße. Im vollendeten Ausbau wären dann etwa 51 000 Quadratmeter neue Siedlungsfläche entstanden, auf der in drei- bis fünfstöckigen Blöcken über 600 Wohnungen realisiert werden könnten.

Ein Grobkonzept des Vereins sieht vor, etwa 40 Prozent des neuen Wohnraums in Eigenregie sozial vergünstigt zu vermieten, etwa 20 Prozent solle für Einheimischenmodelle erschlossen, der Rest über Bauträger oder Gesellschaften frei vermarktet werden. Der Verein möchte allerdings Eigentümer des gesamten Areals bleiben und die Flächen in Erbpacht vergeben. Versprochen wird eine "hochwertige, integrierte Planung unter besonderer Berücksichtigung der Qualitäten und Anforderungen der Landschaft und Umwelt, Geschichte und Kultur, zeitgemäßer Wohnformen und attraktiver Mobilität".

Zum Start in das Projekt wurde ein Leitbild entwickelt, das sich an Richtpunkten wie "gemischte Quartiere" oder "nachhaltige Infrastruktur" orientiert. Ein zentraler Punkt ist der Dialog, in dem das Projekt entwickelt werden soll, so in einer ersten Vorstellungsrunde für die Nachbarn und andere Interessenten aus dem Ort am 31. Mai im Hans-Scherer-Haus, Beginn: 18.30 Uhr. Im Gemeinderat wurde zunächst große Skepsis gezeigt. Zu großes Volumen, zu hohe Dichte, zu abgelegen: Mit diesen drei Begleiterscheinungen des Projekts kommen in unterschiedlicher Gewichtung durchweg alle Fraktionen nicht rundum klar.

Gemeinderäte befürchten Druck auf die Infrastruktur

Das Quartier würde die Bevölkerungszahl Oberschleißheims um mehr als zehn Prozent anwachsen lassen, eine bisherige unstrukturierte Randlage würde zu einem neuen Siedlungsschwerpunkt. Peter Lebmair (CSU) erwartet für das Oberschleißheimer Ortsgefüge gar "eine neue Mitte Mittenheim", was nicht zu begrüßen sei. Hans Hirschfeld (FWG) wies darauf hin, dass die Gemeinde innerorts, entlang des Mooswegs, gerade zwei neue Wohngebiete erschließt, die ebenfalls beträchtlichen Zuwachs an Bevölkerung und damit Druck auf die Infrastruktur erwarten lassen. "Die gehen für uns vor", beschied er dem Verein. Dessen Fahrplan sieht vor, 2021 zu starten und dann binnen zehn Jahren das gesamte Quartier zu realisieren.

Tenor im Rat war eher, wenn überhaupt, zunächst mal nur eine Seite der Staatsstraße als Bauland entwickeln zu wollen. Das würde freilich alle Koeffizienten des Masterplans im Männerfürsorgeverein über den Haufen werfen, alle Annahmen müssten dann neu diskutiert und berechnet werden. Ausdrücklich für die Pläne in dem Umfang sprach sich einzig Peter Benthues (CSU) aus, die Bedenken wegen der isolierten Lage könne er nicht nachvollziehen. Nun soll erst der Nachbarschaftsdialog des Vereins durchgeführt werden, wo dann in Workshops und an Thementischen Anregungen zu dem Projekt eingebracht werden können.