Neubiberg Musik als Brückenbauer

Beim Benefizkonzert in der Neubiberger Grundschule erbringen die Mitglieder der Unterbiberger Hofmusik und ihre internationalen Mitspieler den Beweis, dass man nicht dieselbe Sprache sprechen muss, um sich zu verstehen. Die Aktion bringt 27 500 Euro an Spenden ein

Von Antonia Hofmann, Neubiberg

"Wenn Sie wegen uns hier sind, freut uns das. Aber eigentlich geht es heute nicht um uns." Franz Josef Himpsl spricht am Freitagabend vor Hunderten Gästen in der Aula der Neubiberger Grundschule. Gemeinsam mit dem Helferkreis Asyl und dem Kulturamt der Gemeinde hat der Kopf der Unterbiberger Hofmusik eine Benefizgala für Flüchtlinge und mit ihnen geplant. Deutsche und türkische Volksmusik, syrische Lieder und afrikanische Trommelrhythmen hört das Publikum an diesem Abend, jeder Einzelne dürfte die Schule mit einem Lächeln im Gesicht verlassen.

Die Stühle sind bis auf den letzten Platz belegt, das Konzert unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Günter Heyland war bereits eine Woche zuvor ausverkauft. Es bildet die Auftaktveranstaltung der Reihe "Migration, Asyl und Integration". Nicht nur viele Politiker wie Claudia Stamm, Landtagsabgeordnete der Grünen, oder Ingrid Lenz-Aktas, Fraktionssprecherin der Kreis-SPD, sitzen an diesem Abend im Publikum. Auch zahlreiche Flüchtlinge sind aus der nahegelegenen Traglufthalle in die Schule gekommen. In Neubiberg ist man stolz.

Himpsl versteht es, verschiedene musikalische Einflüsse zu vereinen. Wer die Unterbiberger Hofmusik kennt, weiß: Wer, wenn nicht die fünfköpfige Familie wäre der Herausforderung eines solchen Abends besser gewachsen gewesen. Seit Jahren kombiniert das Ensemble - in der Stammbesetzung bestehend aus Himpsl, seiner Frau Irene und den drei Söhnen Xaver, Ludwig und Franz - Volksmusik aus aller Welt, zuletzt entstand die deutsch-türkische CD "Bavaturka Vol. II". Mit ihrer Musik würden die Unterbiberger, so nennt es Heyland, "Brücken schlagen".

"Wieder hat mir ein junger Rosenstock mein Herz gestohlen", beginnt das türkische Lied.

(Foto: Claus Schunk)

So ist es wenig verwunderlich, dass die Himpsls das Publikum gemeinsam mit Posaunist Mathias Götz und Tubist Konrad Sepp an diesem Abend auf eine Reise durch die verschiedenen Musikkulturen schicken. In ihren Liedern mischen die Hofmusiker gemütliche bajuwarische mit fernen orientalischen Klängen und verbinden traditionelle und jazzige Melodien: Volksmusik im kulturellen Wandel.

Der Mix der Kulturen scheint nicht nur dem deutschen Publikum zu gefallen. Diese Musik habe viele schöne Farben, klinge sehr interessant, sagt Abd al-Rahman Khalil in der Pause. Der junge Syrer macht selbst Musik, er könne von den Vorspielenden lernen. Wenig später sitzt auch er mit zwei weiteren Syrern auf der Bühne und spielt auf seiner Saz, einem traditionellen arabischen Zupfinstrument.

Auch die Band Lost in Bavaria, Jazzmusiker Wolfgang Lackerschmid, Schauspieler und Musiker Thomas Darchinger oder das türkische Duo Öykü Şensöz und Şeref Dalyanoğlu spielen und singen an diesem Abend gemeinsam mit den Hofmusikern; sie alle verzichten auf ihr Honorar. Seit dem Spendenaufruf im Dezember gingen Schecks zahlreicher lokaler Unternehmen, Privatpersonen, des Gymnasiums und der Realschule ein. Zusammen mit den Eintrittsgeldern sind insgesamt 27 500 Euro zusammengekommen. Das Geld soll vor allem in bilinguale Medien und Schwimmkurse investiert werden.

Nachdem die Flüchtlinge hier angekommen sind, gehe es nun um Integration, sagt Norbert Büker vom Helferkreis. Man müsse aufeinander zugehen, "Musik verbindet und schafft Nähe". Den Menschen in Neubiberg merkt man das an diesem Abend an, es herrscht ausgelassene Stimmung. Himpsl führt souverän und humorvoll durch den Abend, er bringt dem Publikum ein paar Brocken Arabisch bei und setzt die ahnungslosen Zuschauer mit Hilfe von Schildern, auf die er auf Türkisch den Text eines 250 Jahre alten Liedes notiert hat, kurzerhand als Ersatz für einen Chor ein. Mehr musikalisches Multikulti geht nicht.

Mit Liedstrophen in türkischer Sprache fordert Initiator Franz Josef Himpsl (rote Weste) das Publikum in Neubiberg zum mitsingen auf.

(Foto: Claus Schunk)

Fast. Denn so richtig begeistern lassen sich die Zuschauer am Ende vor allem von den Trommlern aus Kirchseeon. Die Gruppe aus malischen und senegalesischen Flüchtlingen heizt dem Publikum minutenlang mit ihren eingängigen Rhythmen ein, es wird energisch geklatscht, mit den Smartphones gefilmt, selbst die sonst eher unaufgeregten Deutschen wippen im Takt. Auch Bürgermeister Heyland kann zum Schluss nicht an sich halten, seine Dankesrede rappend überreicht er den Organisatoren Blumensträuße. Der Versuch zählt in diesem Moment.

Himpsl ist nach dem gut vierstündigen Konzert zufrieden. Das Wichtigste sei, so sagt er, voneinander zu lernen und sich mit Respekt zu begegnen. Durch die Musik finde er mit fremden Menschen eine gemeinsame Basis - und das auch, "wenn wir kein Wort miteinander sprechen können". Was bleibt, ist die "Musik als Sprache" - ein guter Beginn.