Garching Wahlfach Rock

Bernd Siegrist und Tobias Reisinger (im Hintergrund) proben mit den Schülern für die nächsten Auftritte.

(Foto: Robert Haas)

In der Garchinger Mittelschule gibt es seit dem vergangenen Jahr eine Schulband

Von Gudrun Passarge, Garching

Wo gibt es das, dass Kinder sich auf einen Schultag freuen, ja regelrecht darauf hinfiebern? In der Garchinger Mittelschule ist der Montag so ein Tag, denn da trifft sich die Schulband "Garching School of Rock" zur Probe. Die 17 Schüler aus den Klassen fünf bis zehn proben derzeit für ein Konzert im nächsten März. Dann sollen sie das Abschiedsfest für eine Schulrätin begleiten. Das Lied steht schon fest: "Boulevard of Broken Dreams" von Green Day.

Momentan sind die Klänge im Musikraum noch ein wenig vom Boulevard entfernt. Während Musiklehrer Tobias Reisinger unten mit Schülern am Schlagzeug probt, zupft der Rest der Musik AG oben Gitarren-Akkorde und übt am Keyboard, kritisch begleitet von Bernd Siegrist. Reisinger, selbst Schlagzeuger, ist seit vergangenem Jahr Musiklehrer an der Mittelschule. Damit war es überhaupt erst möglich, eine Band zu gründen, was die Schule sehr aufwertet, wie Rektorin Tatjana Pringsheim findet. Sie spricht von einem guten Angebot für die Kinder, "sie erreichen ihr Ziel relativ schnell und merken, sie schaffen etwas". "Und sie lernen kostenlos ein Instrument, das ist eine coole Sache ", fügt Reisinger an. Dabei muss er meist zu Schuljahresbeginn bei null anfangen, "denn fast alle Kinder haben vorher noch kein Instrument in der Hand gehalten".

Doch der Erfolg stellt sich schnell ein. Im vergangenen Jahr probte die Band zum ersten Mal, zehn Leute hatten sich angemeldet. In diesem Jahr waren es gleich 17 und ein paar habe er schweren Herzens wegschicken müssen, erzählt Reisinger. Allerdings wären auch das schon zu viele Schüler für einen Lehrer, deswegen ist die Schule froh, dass sie Spenden bekommen hat. Zunächst hat die Stadt Garching die Instrumente angeschafft und dann spendet die Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg jedes Jahr eine Summe, die Pringsheim dafür verwendet, den Gitarrenlehrer Bernd Siegrist auf Honorarbasis zu bezahlen. "Mit den vielen Schülern wäre es sonst nicht machbar gewesen", sagt die Schulleiterin und die Schule selbst habe für solche Aktionen kein Budget.

Den Schülern ist der Spaß anzumerken. Teilweise helfen auch ältere Schüler noch mit und nehmen die Jüngeren unter ihre Fittiche. Und auch mit den Instrumenten laufe es gut. Reisinger erklärt den Schülern zu Beginn, dass sie allen gehören und deswegen besonders pfleglich behandelt werden müssten. Reisinger selbst ist die Begeisterung ebenfalls anzumerken. Er sieht nur positive Auswirkungen auf die Kinder. Mittlerweile hat er ja schon einige Erfahrungen gesammelt, zum Beispiel beim ersten Auftritt der Band im Sommer. "Die Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen. Sie haben einen wichtigen Part und sind unentbehrlich", erzählt der Musiklehrer. Das bedeutet auch, sie müssen zum Auftritt kommen, selbst wenn sie eine Woche vorher wegen Lampenfieber alles hinschmeißen wollen.

Reisinger hat gelernt, damit gelassen umzugehen, wie das überhaupt sein Credo für den Bandalltag ist. Schließlich läuft es meist doch so, wie er es sich vorgestellt hat. Er freut sich über Rückmeldungen der Eltern, die von Wunschzetteln berichten, auf denen eine Gitarre oder ein Keyboard ganz oben stehen. "Wir versuchen, die Begeisterung in den Kindern zu wecken", erzählt er. Nur bei passionierten Schlagzeugern sei das schwierig. "In einem Mehrfamilienhaus ohne Kellerraum ist der Wunsch nach einem Schlagzeug einfach nicht zu verwirklichen."