Die Altstadt soll zu einer Tempo-30-Zone werden. Davon profitieren vor allem Radler, die dann Einbahnstraßen in beide Richtungen nutzen können.
Ein Raserparadies sind die verwinkelten Straßen rund um Frauenkirche und Hofbräuhaus schon heute nicht gerade - nun aber wollen die Behörden auch offiziell die Bremse einlegen. Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) schlägt vor, die gesamte Altstadt zur Tempo-30-Zone zu erklären. Ausnahmen sollen lediglich für die Maximilianstraße und ihre nördlichen Querstraßen, den Oberanger sowie das Tal gelten.
Volle Fahrt voraus: Radfahrer haben es bald einfacher in der Altstadt. (© Foto: Hess)
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Die Neuerung wäre vor allem für Radfahrer bedeutsam: Nur ein solches Tempolimit ermöglicht eine Öffnung der Einbahnstraßen für den Velo-Gegenverkehr. Dies soll in einem zweiten Schritt geschehen - und zwar überall, wo es rechtlich möglich ist.
Die neue 'Slow-Foot-Altstadt' geht auf einen Vorschlag der Grünen zurück, den das KVR geprüft hat und als ebenso sinnvoll wie juristisch einwandfrei einstuft. Die Entscheidung trifft allerdings der Stadtrat, der sich mit dem Thema bislang noch nicht befasst hat. Das KVR will die Neuerung parallel zu einer eigentlich längst überfälligen Maßnahme einführen - nämlich der Ausdehnung der Blauen Zone auf das Angerviertel.
Dieser Bereich war bislang wegen der (längst abgeschlossenen) Bauarbeiten rund um Schrannenhalle und St.-Jakobs-Platz von der ansonsten in der Altstadt flächendeckend gültigen Parkregelung ausgenommen. In der Blauen Zone wird bewusst auf die großstadttypische Armada von Halteverbotsschildern verzichtet. Stattdessen werden legale Parkplätze durch einen blauen Strich auf dem Asphalt gekennzeichnet.
Mit der geplanten Öffnung der Einbahnstraßen für 'Geisterradler' will das KVR die ebenso beliebte wie gefährliche Velo-Rennstrecke über Marienplatz, Diener- und Residenzstraße entlasten. Wenn mehrere attraktive Routen durch das Herz der Stadt zur Verfügung stehen, so die Hoffnung der Verkehrsplaner, nehmen es die Radler auch in Kauf, ein paar Meter schieben zu müssen.
Denn eines ist trotz der radlerfreundlichen Linie der Behörde klar: Die Querung der Fußgängerzone auf zwei Rädern bleibt auch weiterhin verboten.
Wann das Tal zur Blauen Zone mit Tempo30 wird, ist noch unklar. Denn der historische Straßenzug soll in den nächsten Jahren fußgänger- und radlerfreundlich umgebaut werden, Pläne liegen bereits vor. Dabei soll auch die überbreite Fahrbahn zurechtgestutzt werden. In seiner heutigen Gestalt, da sind sich KVR und Polizei einig, ist das Tal als Tempo-30-Zone ungeeignet.
Denn den rechtlichen Vorgaben zufolge darf die Regelung nur in kleinen Straßen ohne Ampeln, in denen rechts vor links gilt, eingeführt werden. Zudem muss der Zonen-Charakter klar erkennbar sein.
Diese Regelung ist es auch, die eine Tempo-50-Ausnahme für Maximilianstraße und Oberanger erforderlich macht. Dort sind zudem Trambahnen und Busse unterwegs, die man nur ungern ausbremsen will. Ob die weiß-blauen Züge der Linie19 im Bereich Pacellistraße und Promenadeplatz eine Ausnahme von der Tempo-30-Fessel erhalten, ist noch unklar. Die Trambahn durchquert bereits die nahe Fußgängerzone im Schritttempo.
Die Verkehrssituation in der Altstadt wird spätestens seit der 850-Jahr-Feier Münchens wieder intensiver diskutiert. Zwar fahren inzwischen nur noch halb so viele Autos durchs historische Zentrum wie Mitte der 1990er Jahre. Als aber zum Stadtjubiläum erstmals weite Teile komplett autofrei waren, kamen viele Bürger auf den Geschmack.
Bisher gibt es bei der Stadt jedoch keine Pläne für eine komplette Sperrung. Gerade bei größeren Einkäufen soll das Geschäftszentrum auch per Auto erreichbar bleiben.
(SZ vom 16.4.2010/sonn)
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Ich kann nicht verstehen, warum man sich nicht gleich für eine vollständig autofreie Lösung für die Altstadt entschieden hat. Dann könnte man auch endlich auf die hässlichen Parkäuser am Altheimer Eck und gegenüber der Herrenschule sowie auf die ebenso hässliche Parkgarage am Max-Joseph-Platz verzichten.
"In seiner heutigen Gestalt, da sind sich KVR und Polizei einig, ist das Tal als Tempo-30-Zone ungeeignet."
Versteh ich nicht. Im Tal sind soviel Fußgänger unterwegs, dass aus Sicherheitsgründen kein vernünftiger Autofahrer schneller als 30 fahren kann.
doch, ich komme schon gut aufs Fahrrad, allerdings nicht aufs Kinderrad, mit dem es in der Tat schwer ist, 30 zu erreichen, aber mit einem ordentlichen Rad doch eher nicht - so groß ist die Altstadt ja auch nicht, daß das ein konditionelles Problem ist, oder? Schon mal Fahrradkuriere bei der Arbeit gesehen?
Liebe SZ, wer in einer Strasse radelt, die für Radfahrer in beide Richtungen freigegeben ist, ist KEIN Geisterradler.
Geisterradler sind Radfahrer, die auf dem Radweg der falschen Straßenseite radeln. Das ist in hohem Maße gefährlich, verursucht viele hundert Unfälle pro Jahr in München und sehr oft auch Tote.
Bitte bringen Sie Radfahrer, die auf für sie zugelassenen Wegen radeln nicht mit Geisterradlern in Verbindung.
Radeln gegen die Einbahn wird immer gefährlich bleiben, also besser abschaffen. Tempo 30 bringt absolut nichts. Sinnvoll dagegen weitere Fahrverbote und Fussgängerzonen.
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