Kooperation MVG und Google Trambahnsuchmaschine

München ist die erste deutsche Stadt, in der man Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch per Google planen kann. Aktuelle Störungen kann der Dienst bislang aber nicht darstellen.

Von Marco Völklein

Umsteigen am Sendlinger Tor: Für die Testroute von der Reger- in die Zenettistraße plant Google eine Fahrt mit Straßenbahn und U-Bahn ein, die letzten paar hundert Meter geht's zu Fuß.

(Foto: Screenshot)

Als erstes kommunales Verkehrsunternehmen in Deutschland arbeitet die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit dem Auskunfts- und Navigationssystem des Internet-Suchmaschinenanbieters Google zusammen. MVV-Nutzer können seit Donnerstag bei Google zum Beispiel den Namen eines Cafés im Glockenbachviertel eingeben - anschließend zeigt das Angebot "Google Traffic", wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Beispiel von Englschalking oder Pasing aus dort hingelangen kann. "Wichtig war uns auch, dass man bei Google einen direkten Vergleich mit dem Auto hat", sagt MVG-Chef Herbert König. "Wir sind uns sicher, dass wir in vielen dieser Vergleiche gut abschneiden und den ein oder anderen Aha-Effekt auslösen werden."

Bislang arbeitete Google bei seinem neuen Traffic-Angebot ausschließlich mit der Deutschen Bahn zusammen, von der der Internetriese die für die Berechnung der Routenführung notwendigen Fahrplandaten erhielt. Regionale Nahverkehrsverbünde sowie kommunale Verkehrsunternehmen hielten sich indes zurück.

Das hatte zur Folge, dass ein Besucher aus Stuttgart, der zum Beispiel nach Trudering wollte, zwar den Weg aufgezeigt bekam, den er vom Stuttgarter Hauptbahnhof per Zug und S-Bahn zum Truderinger S-Bahnhof zurücklegen musste; die Weiterfahrt mit einem MVG-Bus beispielsweise nach Waldtrudering wurde aber nicht angezeigt. Das ändert sich nun. Neben den Münchner Verkehrsbetrieben macht seit Donnerstag auch noch der städtischen Verkehrsanbieter aus Münster bei Google mit.

Andere Nahverkehrsanbieter zögern aber derzeit noch, weil ihnen die Umwandlung ihrer Fahrplandaten in den von Google geforderten Standard oft zu aufwendig erscheint. Bei der MVG zum Beispiel tüftelten zwei Mitarbeiter ein halbes Jahr lang an dieser Aufgabe. Zwischen beiden Unternehmen fließt dafür übrigens kein Geld.

Bislang allerdings endet das Google-Nahverkehrsrouting an der Stadtgrenze; für die Angebote darüber hinaus, etwa die Regionalbusse im Umland, ist der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) zuständig. Der kündigte am Donnerstag auf Nachfrage an, in den nächsten Monaten seine Fahrplandaten ebenfalls für Google aufbereiten und an den Konzern weiterleiten zu wollen. Dann dürfte die Seite auch die Routen sämtlicher MVV-Regionalbusse sowie die für die Bayerische Oberlandbahn (BOB) und die "Alex"-Züge ausspucken.

Bislang allerdings zeigt die Google-Seite nur die langfristig geplanten MVG-Daten an. Alle zwei Monate, so König, schieben seine Leute die Daten zu den Google-Rechnern rüber. Das heißt: Von langer Hand geplante Sperrungen oder Ersatzfahrten mit Bussen, etwa wegen Baustellen, zeigt Google Traffic zwar an; kurzfristig anberaumte Baumaßnahmen oder gar tagesaktuelle Störungen wie der großflächige Stromausfall vor etwa einer Woche sind noch nicht darstellbar - obwohl die Daten dafür in den beiden Leitzentralen vorliegen, über die die MVG den Betrieb an der Oberfläche sowie im Münchner Untergrund steuert. "Wir arbeiten daran", sagt König. Im Laufe des nächsten Jahres soll es so weit sein. Bis dahin können die Fahrgäste auf das "MVG Live"-Angebot zurückgreifen, entweder im Internet oder per Smartphone. Dort fließen die Echtzeit-Daten aus den beiden MVG-Leitstellen ein.