Kommentar Die Stadt hat dazugelernt

Das neue Gymnasium im Norden Münchens ist eine vorbildliche Einrichtung. Die Stadt hat bewiesen, dass sie die Schulbauoffensive meistern kann

Von Melanie Staudinger

Wenn das neue Gymnasium München-Nord im September eröffnet, wird es einen Verlierer geben: den Vorgänger, das Gymnasium Trudering, das nach nur drei Jahren den inoffiziellen Titel als Münchens modernste Schule abgeben muss. Die Stadt hat ihre eigene Vorzeigeschule übertroffen und ein noch moderneres Gymnasium gebaut. Der Stadtverwaltung ist es nicht nur gelungen, den Schulbau zu beschleunigen. Sie hat ihr eigenes pädagogisches Konzept, das Lernhaus-Konzept, in der richtigen Weise weiterentwickelt. Deshalb muss Trudering sich nicht allzu sehr grämen. Als Vorreiter wird die Schule im Gedächtnis bleiben.

Dort allerdings wurde das Lernhaus-Konzept noch nachträglich in die Pläne eingearbeitet und erwies sich als ein wenig zu starr. Vier Klassenzimmer pro Stockwerk lassen kaum Gestaltungsspielraum. In Milbertshofen hingegen erlaubt die Stadt der Schule mehr Freiheiten. Die einzelnen Einheiten sind flexibler. Es gibt sechs Klassenzimmer und zusätzliche Ausweichräume pro Stockwerk, die von der Größe her locker eine Klasse beherbergen können. Damit kann das neue Gymnasium mit etwas werben, womit andere Münchner Schulen sich sehr schwer tun werden: Es könnte vom Platz her sowohl ein achtjähriges wie auch ein neunjähriges Gymnasium anbieten, ohne dass es das Angebot einschränken müsste oder weniger Kinder aufnehmen könnte. Das ist ein Vorteil in der sich schnell wandelnden bayerischen Schullandschaft.

Das Bildungsreferat hat beim Bau dazugelernt. Das musste es auch, hat es doch seit Jahrzehnten keine neuen Gymnasien mehr in der Stadt gegeben. Inhaltliche Verbesserungen und eine kürzere Bauzeit sind löblich. Die Verwaltung hat es aber auch geschafft, dass das Gebäude trotz allem Luxus nicht unnötig teuer geworden ist. Damit hat die Stadt bewiesen, dass sie die bevorstehende Schulbauoffensive meistern kann, zumal das einheitliche Raumprogramm eine zusätzliche Erleichterung bei der Planung verspricht. Sie muss den Prozess aber weiter perfektionieren. Denn um allen Kindern ausreichend Platz in den Schulen zu bieten, sollen künftig jährlich nicht nur eine oder zwei neue Einrichtungen eröffnen, sondern weitaus mehr.