Kneipen Gap und Import-Export Vom Abriss bedroht

Münchens einzige "Hafenkneipe": das Gap im Bahnhofsviertel.

(Foto: Stephan Rumpf)

Sie waren als Provisorien geplant, sind aber inzwischen nur noch schwer wegzudenken: Das Gap und das Import-Export müssen bald ihre Standorte in der Goethestraße aufgeben. Doch aufgeben wollen die Betreiber ihre Projekte noch nicht.

Von Sabrina Ebitsch

Traurig ist es schon, aber Tränen will hier keiner vergießen. Zu einem Viertel, das gerade deshalb so charmant ist, weil es so spröde ist, passt Pragmatismus nun einmal besser als Larmoyanz oder Sentimentalität. Mit den Hausbesitzern sei von Anfang an abgemacht gewesen, dass es sich "um ein temporäres Projekt handelt", sagt also Tuncay Acar, einer der Betreiber des Import-Export in der Goethestraße. Dass der befristete Mietvertrag über einen Zeitraum von fast drei Jahren immer wieder verlängert worden sei, habe man fast "seltsam" gefunden, aber man habe aus Freude an dem Projekt und der Besucher wegen weitergemacht.

Auch für Norbert Abels, den Wirt des benachbarten Gap, kommt es wenig überraschend, dass sein Lokal wohl bald schließen muss. Er sagt dennoch: "Ich hänge an diesem Ort." Ein bisschen Wehmut ist ja auch angemessen wenn die schönste hässliche Ecke dieses Viertels zu bröckeln, ein traditionsreiches Provisorium zu verschwinden droht. Zumal das Gap laut seinen Schöpfern eine "Hafenkneipe" ist, wohl Münchens einzige - und was passte besser zusammen als Hafen und Wehmut?

Seit Jahren droht den Häusern der Goethestraße 30 bis 34 der Abriss. Jetzt scheint es so weit zu sein. Die Investoren, die die drei Grundstücke vor einigen Jahren von den Alteigentümern übernommen haben, planen ein neues Geschäftshaus mit Büros, Supermarkt, weiteren Läden, Gastronomie und Tiefgarage. 8000 Quadratmeter auf fünf Geschossen. Immerhin wird es nicht das 37. Hotel in Bahnhofsnähe werden, wie es eine Zeitlang im Raum stand.

Maroder Anachronismus

Die Gebäude 30 und 32, ursprünglich Wohnhäuser mit Geschäften im Erdgeschoss, wo derzeit nur noch das Import-Export als Kneipe/Bühne/Club untergebracht ist, sind marode und sollen abgerissen werden. Dasselbe gilt für den Flachbau aus Nachkriegsschutt auf dem Grundstück Goethestraße 34, der die Lücke in der Häuserzeile nur notdürftig füllt, aber dem darin untergebrachten Gap seinen Namen gibt - und auf dem teuren innerstädtischen Boden längst ein Anachronismus ist.

Der Hafenkneipe Gap, die eigentlich in Hamburg, wenigstens aber in Berlin stehen müsste, war in den gut 15 Jahren ihres Bestehens das Ende stets mit eingeschrieben. Noch offen ist, was aus dem Rückgebäude auf dem Grundstück wird. Dort hatten jahrelang Künstler ihre Ateliers, einige Vereine und Firmen ihre Büros. Das Gebäude gilt wegen seiner Stahlbeton-Skelettbauweise als Industriedenkmal und soll den Investoren zufolge erhalten werden.

Proteste gegen die Luxussanierung

Projektentwickler ist die Redag Real Estate Development AG, die im Auftrag der Kanzlei Braun/Leberfinger/Ludwig/Weidinger Pläne für das Areal erarbeitet hat. Der Eigentümerwechsel war bereits vor drei Jahren, wegen der Marktlage wollte man abwarten. Personell und wirtschaftlich verflochten sind Redag und Kanzlei mit weiteren Immobilienfirmen und auch der Sternenstaub Fund GmbH, die in Zusammenhang mit einem Neubauprojekt in der Türkenstraße 52-54 vor einigen Jahren für Negativ-Schlagzeilen gesorgt hatte. Eine Luxussanierung und der drohende Abriss eines ursprünglich denkmalgeschützten Hauses hatten damals Proteste unter den Anwohnern ausgelöst.

Redag-Vorstand Bert Hippmann betont, dass der Denkmalschutz in der Goethestraße 34 erhalten werden solle, dass beim Ostflügel aber wegen struktureller Schäden noch nicht klar sei, ob das möglich sei. Hier stehe auch der Denkmalschutz zur Disposition. Der Westflügel des "schönen Gebäudes" soll auf jeden Fall bleiben. Mehr will Hippmann, solange der Bauantrag nicht durch ist, dazu nicht sagen. Er sagt aber, dass man als Mitglied im Verein Südliches Bahnhofsviertel bemüht sei, dass der Neubau "eine sehr ordentliche Sache" wird.