Initiative gegen Kommerz Neues altes Gesicht für den Olympiapark

Der Olympiapark muss Geld verdienen - das war das Credo der vergangenen Jahre. Nun vollzieht die Stadt einen Kurswechsel. Künftig soll das ideelle Erbe des Geländes im Vordergrund stehen.

Von Claudia Henzler

Die Stadt München strebt einen Kurswechsel im Umgang mit dem Olympiapark an. Nach Jahren, in denen die Suche nach immer neuen kommerziellen Nutzungsmöglichkeiten des weltberühmten Geländes im Vordergrund stand, will man sich verstärkt um das ideelle Erbe von 1972 kümmern. Auswirkungen könnte das beispielsweise auf die Art und Zahl der Veranstaltungen auf dem Gelände haben. Ein Jahr vor dem 40. Geburtstag des Olympiaparks lässt die Stadt derzeit ein Leitbild für den Umgang mit dem Gelände erarbeiten.

Der Einschnitt ist deutlich, denn die städtische Olympiapark GmbH hatte in den vergangenen Jahrzehnten stets betont, dass sie mit dem Gelände in erster Linie Geld verdienen müsse. Für die Olympiapark GmbH war es ein erklärtes Ziel, dass der Park kein Museum sein dürfe. Denn das wurde gleichgesetzt mit der Angst, das weitläufige Gelände könnte brach liegen.

Das Olympiagelände ist weit mehr als eine Ansammlung von Sportstätten, mehr als das spektakuläre Zeltdach - es ist eine visualisierte Idee: Deutschland gelang es im August 1972, der Welt zu zeigen, dass es die dunklen Jahre der Nazi-Zeit hinter sich gelassen hatte. Erreicht wurde das durch eine Gesamtästhetik, zu der alles zählt, von Otl Aichers Farbkonzept über die spielerisch-leicht wirkende Architektur Günter Behnischs, bis hin zu den für jedermann zugänglichen Rasenflächen und den Verzicht auf Verbotsschilder. Und hinter allem lag der Grundgedanke der Demokratie, der sichtbar gemacht werden sollte.

Das neue "Leitbild für ein visuelles Gesamterscheinungsbild" will die Stadt unabhängig davon umsetzen, ob sie erneut Gastgeber olympischer Spiele sein wird. Sollte München im Winter 2018 Austragungsort werden, muss das Leitbild allerdings auch noch mit den geplanten Neubaumaßnahmen und der Erweiterung des Parks in Einklang gebracht werden.

Im Arbeitsauftrag für das Leitbild hat Stadtbaurätin Elisabeth Merk die Problematik deutlich benannt: "Das für die Wahrnehmung und überörtliche Bedeutung des Olympiaparks maßgebliche visuelle Erscheinungsbild, das für die Olympischen Spiele 1972 konzipiert wurde, ist bei späteren Ergänzungen im Olympiapark nicht stringent fortgeführt oder ausreichend beachtet worden." Das habe "ein sich schleichend veränderndes Erscheinungsbild zur Folge". Zu befürchten sei ein fortschreitender Qualitätsverlust, so Merk. Deshalb sollte die Stadt beispielsweise auf dem zentralen Coubertinplatz nicht mehr jede Jahrmarktsveranstaltung zulassen .

Derzeit lässt die Stadtverwaltung erfassen, wie viel vom ursprünglichen Konzept noch übrig ist, an welchen Stellen Wildwuchs herrscht. Dabei soll auch untersucht werden, welche kleineren Bauwerke wie Kassenhäuschen, Verkaufsstände, welche Lampen, Bänke und Zäune im Park stehen.

Schon vor der Bestandsaufnahme wurde im Rathaus auf besonders kritische Punkte hingewiesen: der Platz unterhalb des Olympiaturms etwa, auf dem sich diverse Imbissbuden und ein Schilderwald angesammelt haben, und der - offenbar inspiriert vom "Walk of Fame" in Hollywood - die Handabdrücke von Künstlern zeigt, die im Olympiapark aufgetreten sind. Teil des Leitbilds könnte auch sein, die Bäume im Park stärker zu beschneiden, um Sichtbeziehungen wieder herzustellen.

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