Olching Paralympics-Teilnehmerin spendiert Kilometer

Freude über Bronze in Rio: Denise Schindler aus Olching.

(Foto: Ricardo Moraes/Reuters)

Radrennfahrerin Denise Schindler aus Olching, Medaillengewinnerin in Rio, unterstützt das Stadtradeln

Von Manfred Amann, Olching

Die in Olching lebende Radrennfahrerin Denise Schindler beteiligt sich am Stadtradeln. Die 31-Jährige, die bei den Paraylmpics in Rio zwei Medaillen gewonnen hat, wird allerdings nicht zur Sternfahrt nach Bruck aufbrechen, denn sie ist auf Tour. Am Sonntagfrüh startet sie von Sonthofen aus zur Alpenüberquerung "Transalp". Ziel ist der Gardasee. Insgesamt 1800 Höhenmeter muss sie überwinden, am Ziel liegen dann etwa 900 Kilometer hinter ihr. "Natürlich wird das dem Stadtradeln gut geschrieben, und alles, was ich danach noch radle, auch", sagt sie. Und das dürften auch noch eine Menge Kilometer sein.

3,5 Stunden täglich trainiert Schindler "in einer moderaten Phase der Saison", in Vorbereitung auf Wettbewerbe noch viel mehr. Ihre Lieblingsstrecke im Landkreis führt von Olching über Maisach, Ebersried, Vogach, Hattenhofen, Adelshofen und Fürstenfeldbruck zurück: 59,4 Kilometer und 404 Höhenmeter in knapp zwei Stunden bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern. Denise Schindler strahlt pure Lebensfreude aus, ist gewohnt anzupacken und sich selbst zu fordern. Dabei meinte es das Schicksal in jungen Jahren nicht gerade gut mit ihr. Als kleines Kind mit zwei Jahren, es war ein Wintertag in Chemnitz, wo sie mit ihren Eltern lebte, rutschte sie aus und wurde von einer Straßenbahn erfasst. "Mit schrecklichen Folgen für mich und meine Eltern." Der rechte Unterschenkel musste amputiert werden, so dass sie von Kindheit an mit einer Prothese zurecht kommen muss. Auch ihr linkes Bein wurde in Mitleidenschaft gezogen und ist unter anderem durch Versteifungen im Fußgelenk in seiner Funktion beeinträchtigt.

Mit fünf Jahren, "noch vor der Wende", zog sie mit ihren Eltern in die Oberpfalz, machte Abitur und studierte danach Event- und Sportmanagement. 2016 übersiedelte sie nach Olching, nachdem sie vorher drei Jahre in Dachau gelebt hatte. Zum Radsport kam sie erst in der Studienzeit, als sie mit Freunden ein Fitnessstudio aufsuchte und Gefallen am "Spinning" fand. "Beim Fahrradtraining in der Gruppe zu dynamischer Musik hat es Klick gemacht. Ich wollte auf ein richtiges Rad und ab in die Wälder. Ich habe gemerkt, dass es mir Spaß macht und dass ich trotz meines Handicaps mit anderen durchaus mithalten kann", erinnert sie sich.

Denise Schindler zählt heute zu den Größen in ihrer Disziplin. Bei den paralympischen Spielen in Rio im vergangenen Jahr gewann sie sowohl die Silbermedaille im Zeitfahren als auch eine Bronzemedaille im Straßenrennen. Ihr Motto, um dran zu bleiben, lautet: "Never stop spinning". Radfahren sei ihr zum Lebensinhalt geworden, sagt sie: "Es ist gesund und gut für die Umwelt. Daher unterstütze ich das Stadtradeln ohne Wenn und Aber." Auf die Frage nach weiteren Hobbys antwortet Denise Schindler: "Ich geh' gern mit Freunden bummeln, mag Franz Kafka und auch moderne Musik. Aber das Training geht vor." Ihr großes Ziel ist nämlich, bei den Paralympics 2020 in Japan eine Goldmedaille zu gewinnen. Nebenher gibt sie Motivationskurse und forscht mit einer Firma nach der optimalen Beinprothese, die man mit einem 3 D-Drucker herstellen kann.