Junge Union Puchheim Ein Prosit der Taktlosigkeit

Mit diesem Bild reagiert die Puchheimer JU auf die Freigabe der Turnhallen im Landkreis.

(Foto: privat)

Wie die Junge Union sich über den Auszug der Flüchtlinge aus der Schulturnhalle freut.

Kommentar von Florian J. Haamann

Manch einem ist kaum etwas zu blöd, um die eigenen Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen oder wenigstens im Gespräch zu bleiben, weil er gerade keine spannenden Themen zu bieten hat. Meist sind solche Aktionen harmlos, manchmal sogar originell. Ab und an aber sind sie ein wenig daneben. Einen derartigen Ausrutscher hat sich nun die Puchheimer JU mit ihrer Reaktion auf die baldige Freigabe der dortigen Schulturnhalle geleistet.

Jene Halle - und das Dringen auf eine schnelle Rückgabe an Schulen und Sportvereine - stand in den vergangen Monaten ganz oben auf der Agenda der Puchheimer JU. Die Leidenschaft, mit der sich die Jung-Unionisten, angeführt von ihrer Vorsitzenden, der Stadträtin Ramona Weiß, für die vertriebenen Schüler einsetzten, war rührend. Gerade in Zeiten, in denen Adipositas mangels Bewegung immer wieder Thema sei, verkündete Weiß beispielsweise im Juli 2015, "soll und darf nicht sein", dass Kinder keinen Sportunterricht mehr bekämen.

Als hätten die Bayern ihr Königreich ein zweites Mal von Napoleon befreit

Nach der Ankündigung des Landrates, die Turnhallen nun bald frei zu geben, dauerte es nicht lange, bis sich auch die Puchheimer JU wieder zu Wort meldete. "Endlich die Erleichterung", atmet JU-Chefin und Stadträtin Ramona Weiß auf. "Die Turnhalle in Puchheim wird wieder für den Sportunterricht zur Verfügung stehen!", heißt es dort unter der Überschrift "JU Puchheim stößt auf Ende der Turnhallen-Belegung an".

Um das zu illustrieren, hängt sogar ein Foto an, auf dem sieben JUler fröhlich strahlend die Gläser erheben. Was, fragt man sich da, geht in den Köpfen von jungen Menschen vor, die sich darüber, dass wir das Flüchtlingsproblem von unseren Turnhallen in türkische Lager abgeschoben haben, freuen, als hätten die Bayern ihr Königreich ein zweites Mal von Napoleon befreit?

Und das so sehr, dass sie extra noch ein Bild anhängen, um ihre Freude auch optisch zu zeigen. Und dabei schämen sich die JUler nicht einmal dafür, dass sie in der Pressemitteilung so tun, als ob das Bild aktuell als Reaktion auf die Nachricht entstanden ist - obwohl eben jenes Foto bereits im Februar auf ihrer Facebookseite aufgetaucht ist. Genau dort findet sich übrigens noch ein weiteres Foto, das am Taktgefühl der Puchheimer JU zweifeln lässt: Lässig und freudestrahlend posiert dort eine Abordnung, die es sich auf einer Stele des Berliner Holocaust-Mahnmals gemütlich gemacht hat.

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