Mitten in Fürstenfeldbruck Eingesperrt im Paradies

Der Spielwarenladen am Geschwister-Scholl-Platz, der für einen Sechsjährigen so verlockend war.

(Foto: Voxbrunner)

Seiner Freiheit beraubt zu sein, ist eigentlich schrecklich. Aber es gibt Orte, an denen sich sogar Kinder gerne mal für eine Nacht einschließen lassen würden

Von Stefan Salger

Weil die Sache mit Hänsel und Gretel bekanntlich für eine bereits volljährige Hauptakteurin böse ausgegangen ist, verzichten heutzutage Hexen ebenso wie Eltern prinzipiell auf das Einsperren von Kindern. Vereinzelt und versehentlich kommt so etwas in post-Grimm'schen Zeiten aber noch vor - wie aktuell in Bruck. Blicken wir zunächst aber zurück auf den April 2016 und auf einen Ort irgendwo in Deutschland. Im einschlägigen Online-Fachportal Netmoms berichtet eine Mutter von der Freiheitsberaubung ihres fünfjährigen Sohnes. Der war am Nachmittag völlig unbefangen und ohne spürbaren Zeitdruck auf die Toilette seines Kindergartens gegangen. Als die Mama nach ihm Ausschau hielt, war alles schon abgeschlossen - das Pipimachen, aber eben leider auch alle Türen. "Ich wollte ihn um 15 Uhr abholen, es war aber schon alles versperrt und keine der Erzieherinnen mehr da." Keine Sorge, die Sache endete gut und das Kind kam frei. Ein paar Monate später hatte ein 19 Monate altes Kind immerhin die Mama an der Seite, als es versehentlich in einem Möbelhaus im oberfränkischen Bindlach eingesperrt wurde. Als Trostpflaster wäre dort eine ungestörte Nachtruhe in bequemen Betten gesichert gewesen. Die Feuerwehr ebnete dann aber doch noch den Weg aus dem Möbelparadies hinaus in die profane Welt. Die 30-Jährige und ihr Kind sollen erleichtert reagiert haben.

Völlig offen ist freilich, ob ein sechsjähriger Bub aus Fürstenfeldbruck am Montagabend über seine Befreiung wirklich erleichtert war und seine vorübergehende Abschottung von der Außenwelt als gar so misslich empfand. Auch er war in einem Geschäft eingeschlossen worden - im Westen der Stadt. Offenbar kurz vor Ladenschluss um 19 Uhr war er, unbemerkt von seiner Mama, hereingelaufen. Das Personal bemerkte den wenig solventen Dreikäsehoch nicht, sperrte ab und machte sich auf den Heimweg. Und dann stand irgendwann die erschrockene Mutter draußen vor der Glastür und der Bub drückte drinnen die Nase an die Glasscheibe. Die Polizei wurde gerufen. Die Feuerwehr musste dann aber gar nicht mehr ausrücken. Denn anscheinend mit pantomimischer Hilfe gelang es, dem Bub den Weg zu weisen zur Betätigung der Schiebetür-Notentriegelung. Dem Knirps gelang es also noch vor dem Eintreffen der ebenfalls herbeigerufenen Ladeninhaberin, sich nach Hänsel-und-Gretel-Manier aus eigener Kraft zu befreien. Ob er wohlgemut oder doch eher missmutig herausspazierte, lässt sich dem Polizeibericht nicht entnehmen. Plausibel wäre Letzteres. Denn eine Nacht in jenem Geschäft am Geschwister-Scholl-Platz zu verbringen (bei freier Auswahl!), hätte wohl seine Reize gehabt - handelt es sich doch um den Reindl-Spielzeugladen.