Mammendorf Rekordlänge

Gut 6000 Zuschauer säumen die Straßen beim diesjährigen Faschingsumzug in Mammendorf.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Mammendorf erlebt 32 Motivwagen und Fußgruppen

Von Manfred Amann, Mammendorf

Hat sich auf der jüngsten Bürgerversammlung in Mammendorf doch glatt einer beschwert, dass der Gehsteig vor seinem Haus nicht mehr geräumt werde. "Z´blöd zum Räumen, z`faul zum Kehr`n, brauchst de´ nur bei da Gmoa beschwer´n", meinte dazu die Freiwillige Feuerwehr beim traditionellen Faschingsumzug. Mit knapp 20 Motivwägen und etwa einem Dutzend Fußgruppen erreichte der Zug eine neue Rekordlänge. Geschätzt mehr als 6000 Zuschauer hatten sich, schon lange bevor Bürgermeister Josef Heckl und Kulturreferent Anton Fasching von der Jim-Knopf-Lokomotive aus das Startzeichen gaben, entlang der Bundesstraße postiert. Sie erfuhren so, dass die Floriansjünger als "Heckl´s Räum- und Spritzdeckendienst" lieber nicht so oft ausrücken möchten und sich eine "Räum-App" wünschen.

Hexen vom Mammendorfer Burschenverein waren mit einem Hexenhaus unterwegs, in dem sie einen Zauber-Sud brauten, der Heckl dazu bringen sollte, das anschließende Faschingstreiben nicht schon um 22 Uhr zu beenden. Eine Spitze auf die Ortspolitik ließ auch der Heimat- und Trachtenverein "D`Moasawinkler" los. "Ist der Trachtler noch so fein, hat er doch kein eigenes Heim" war auf einem fünfsitzigen, zweirädrigen "Mobil-Heim" zu lesen, um dem Wunsch nach eigenen Räumlichkeiten Ausdruck zu verleihen. Es gab auch Lob für die Gemeindepolitiker. Die Basketballerinnen des SV Mammendorf freuten sich über Einführung von 30er-Zonen und von Geschwindigkeitsmessungen und eine private Gruppe von Transvestiten darüber, sich in Mammendorf ausgelassen bewegen zu können. Mit besonderem Applaus belohnt wurde die Fußgruppe mit überregionaler Besetzung des "tuss", des traditionell urbayerischen Schnaps- und Schnupf-Clubs, der sich über das "Doppelpapsttum" lustig machte und Papst Franziskus im Papamobil und Benedikt im Rollstuhl begleitete. Eine Gruppe beklagte das Metzgersterben, das auch den Veganern geschuldet sei, eine andere fand "das "Herumgeeiere" bei den Jamaika- und den GroKo-Verhandlungen "blöd" und warf "Seehofer und Konsorten" vor, dabei nur an die Sicherung ihrer Posten zu denken.

Großwagen aus Mammendorf, wie der vom katholischen Burschenverein, auf dem mit einem riesigen Gefängnis die jüngst gelungenen Fluchten in Berlin als "Unvermögen von Polizei und Politik" ins Lächerliche gezogen wurde, waren nur wenige zu sehen. "Es ist halt immer ein Riesenaufwand", meinte dazu ein Teilnehmer. Die meisten Motivwagen kamen aus den Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft. Der Burschenverein Hattenhofen führte das Reichstagsgebäude als "Saustall" mit, Landsberieder Burschen veräppelten die Air-Berlin-Pleite, die Moorenweiser gingen auf Kneissl-Jagd, die Steinbacher verurteilten als Kühe das Verbot von Glockengeläut und die Jesenwanger feierten auf einer Tigerente.

"Die Wagen werde immer höher, man müsste eine Höhenbegrenzung einführen", befand ein Zuschauer, "und immer lauter", ergänzte dazu seine Frau. Zu den höchsten zählte das U-Boot "U-96", mit dem "Etti´s Bayernstüberl" aus Hattenhofen nach der untergegangenen Jamaika-Koalition suchte.