Kommentar Stadtrat lässt sich vorführen

Wer einem Unternehmen erlaubt, selbst über seine Erweiterung zu bestimmen, muss sich nicht über die Folgen wundern

Von Peter Bierl

Die Firma Schleifring hat auf ihrem Grundstück flächendeckend abgeholzt und damit den Stadtrat richtig vorgeführt. Wer eine Regelung verabschiedet, die sinngemäß lautet, die Bäume dürfen nach Bedarf umgehauen werden, hat nichts anderes verdient. Aus ihrer Sicht hat die Firma alles richtig gemacht. Ein Wald, ein Biotop, ein Grüngürtel können schon mal im Weg stehen, wenn das Geschäft mit Bauteilen für Windräder oder Panzer boomt. Und sicher ist es billiger, eine Fläche komplett zu roden, statt in Abschnitten.

Alles das hätte der Stadtrat wissen können und entsprechend agieren müssen, statt sich zum Ja-Sager degradieren zu lassen. Bereits 2007 hat die Mehrheit einer Erweiterung von Schleifring zugestimmt, damals um etwa 11 000 Quadratmeter, jetzt um zwei Flächen mit insgesamt 14 000 Quadratmetern. Ausgleichsflächen kann man sowieso vergessen, denn für Naturzerstörung und Versiegelung gibt es keinen Ausgleich, allenfalls einen Ablasshandel oder Alibiaktionen wie die Teilnahme eines Schleifring-Teams beim Stadtradeln.

Der Kahlschlag wird weitergehen, demnächst auch nebenan auf dem Fliegerhorst-Gelände, wo ein schöner Wald verwertet werden will. Mit Verweis auf Arbeitsplätze, Gewerbesteuer oder Wohnungen für die Armen durften die Holzhacker noch immer in Aktion treten. So ist das, wenn jede Kommune mit allen anderen im Standortwettbewerb steht, weil es keine Regionalplanung gibt, die auf eine ausgewogene Entwicklung zielt, so dass einige Gegenden des Landes verfallen, während in anderen Wohnungsnot und Verkehrschaos ausbrechen. Dann gilt es, viele Unternehmen anzulocken und zu halten. Dann kann man sich keine "Grünflächen-Romantik" leisten, wie der vormalige Zweite Bürgermeister Hans Schilling (CSU), selber der Baubranche eng verbunden, es einmal nannte. Schön wäre, dem Publikum bliebe die Umweltheuchelei erspart: Aus dem Klimabündnis sollte die Stadt wieder austreten.