Hattenhofen Tests im KZ

Amperland befasst sich mit Heilpraktiker

Von Peter Bierl, Hattenhofen

Mit einer grausligen Karriere setzt sich ein Beitrag im aktuellen Heft der Zeitschrift "Amperland" auseinander. Florian G. Mildenberger hat die Geschichte des Heilpraktikers Karl Hann von Weyhern recherchiert, der an Menschenversuchen im Konzentrationslager Dachau beteiligt war und später in Olching als angesehener Bürger 1954 starb.

Unter der Regie von SS und Luftwaffe testeten Ärzte in Dachau die Unverträglichkeit von Meerwasser, von Kälte sowie die Wirksamkeit neuer Medikamente. Dabei wurden Menschen grausam gequält und ermordet. Weyhern probierte dort nach Angaben Mildenbergers von 1941 an ein Therapeutikum gegen Tuberkulose aus. Er stammte aus einer alten Adelsfamilie in der Oberpfalz, studierte Medizin und Pharmazie und ließ sich 1926 als Drogist in München nieder. Er bildete sich zum Naturheilkundigen mit Schwerpunkt Homöopathie weiter und engagierte sich im "Verein Deutscher Naturheilkunde". 1930 trat Weyhern der NSDAP bei und zählte vor Ort zu den Aktivisten. 1940 wurde er in die SS aufgenommen und zum Obersturmführer ernannt.

Weil er Heinrich Himmler zu seinen Patienten zählte, durfte er Infektionskrankheiten behandeln, was Heilpraktikern ansonsten untersagt war, schreibt Mildenberger. Von Februar 1941 an testete er in Dachau ein Präparat, das Patienten immun machen sollte. Nach einem Jahr habe er behauptet, 27 Kranke geheilt zu haben, was ihm von einem SS-Arzt aber nicht geglaubt wurde. Auf dessen Bericht hin endete die Karriere Weyherns in Dachau. Er kehrte nach München zurück und war wieder als Heilpraktiker tätig, bis seine Wohnung Anfang 1945 ausgebombt wurde und er mit seiner Familie nach Olching zog.

1948 wurde Weyhern als Mitläufer eingestuft und musste eine Geldbuße von 1000 Reichsmark bezahlen. Im Verfahren vertrat ihn der Anwalt Rudolf Hanauer, später Präsident des bayerischen Landtags. Weyhern legte 150 "Persilscheine" vor. 1950 eröffnete er in seinem Wohnhaus am Nöscherplatz in Olching eine Apotheke.

Einer der berühmtesten Tenöre des Rokoko war Johannes Walleshauser. Unter dem Künstlernamen Giovanni Valesi war er ein Star der italienischen Oper, bejubelt vom Publikum in Mailand, Genua, Turin und Neapel. Geboren wurde Walleshauser 1736 als viertes von dreizehn Kindern eines Bauern und Mesners in Hattenhofen. In einem Beitrag im neuen Amperland-Heft erinnert Ludwig Wolf an den Mann, den Mozart als einen Meister schätzte, "der sowohl das Singen als auch das Singenlernen versteht".

Eigentlich sollte Johannes Walleshauser Theologe werden. Der Pfarrherr von Günzlhofen schickte ihn nach München zu den Jesuiten. Doch der junge Hans war mehr an Musik interessiert, wegen einer ungerechten Bestrafung verließ er eigenmächtig das Gymnasium. Der Pfarrherr brachte ihn daraufhin in Freising beim Hofkapellmeister unter, der ihn zum Tenor ausbildete. 1754 ernannte ihn der Fürstbischof zum Hofsänger. Im folgenden Jahr trat Walleshauser mit Erfolg in Amsterdam, Lüttich und Brüssel auf. 1756 trat er als Kammersänger in die Dienste des Herzogs von Bayern. Der wiederum schickte ihn zur weiteren Ausbildung nach Italien.

In den folgenden Jahren pendelte Walleshauser zwischen Bayern und Italien. Anfang 1775 lernte er Mozart kennen und sang in der Uraufführung von dessen Oper "La finta giardiniera", sechs Jahre später trat er in "Idomeneo" auf. Nachdem Walleshauser 1798 als Tenor in den Ruhestand getreten war, widmete er sich voll dem Gesangsunterricht. Sein berühmtester Schüler war Carl Maria von Weber.

In weiteren Beiträgen beschäftigt sich der Chefredakteur des Amperlandes, Wilhelm Liebhart, mit Kaiser Ludwig dem Bayern und dessen Verhältnis zu den Klöstern. Der Historiker Paul Hoser widmet sich der Stadt und dem Bezirksamt von Freising während der ersten Jahre der NS-Herrschaft sowie der Rolle der SA in dieser Periode.

Amperland. Heimatkundliche Vierteljahresschrift für die Kreise Dachau, Freising und Fürstenfeldbruck, Heft 3, 2016, Fünf Euro. Die Hefte können im Buchhandel bestellt werden.