Fürstenfeldbruck Unzufriedene Investoren

Die Gestaltung des Viehmarktplatzes in Bruck ist seit Jahren ein heißes Eisen. Erst haben die Bürger die Pläne des ehemaligen Bürgermeisters abgelehnt, dann wurde ein Architekturwettbewerb veranstaltet.

(Foto: Günther Reger)

Die Debatte um die Neugestaltung des Brucker Viehmarktplatzes geht weiter: Oberbürgermeister Erich Raff berichtet von einem Gespräch mit möglichen Geldgebern. Sie wollen nur investieren, wenn es größere Ladenflächen gibt

Von Peter Bierl

Potenzielle Investoren sind von den Entwürfen für die Neugestaltung des Brucker Viehmarktplatzes nicht begeistert. Sie wollen mehr Verkaufsflächen, entweder durch ein Obergeschoss oder eine größere Grundfläche, berichtete OB Erich Raff (CSU) am Montag im Planungsausschuss. Er sei bereits an die Architekten herangetreten, die ihre Pläne nun umarbeiten müssten. Auch die Frage, ob das Gelände nur in Erbpacht vergeben werden dürfe, möchte der OB "noch mal zur Diskussion stellen".

Die Gestaltung des Viehmarktplatzes in Bruck ist seit Jahren ein heißes Eisen. Der damalige OB Sepp Kellerer (CSU) wollte den nördlichen Teil an einen Investor verkaufen, der ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus für Magneten des Einzelhandels aus der Elektro- und Textilsparte nebst Tiefgarage bauen sollte. Das erschien vielen überdimensioniert, weshalb im März 2012 mehr als 6 200 Brucker in einem Bürgerentscheid gegen das Projekt votierten. Damit hatten sich BBV und Grüne durchgesetzt, die für eine Markthallen-Lösung geworben hatten. In der Folge befasste sich ein Bürger-Arbeitskreis mit der Planung, der sich vor allem auch dagegen wandte, das Filetgrundstück zu verkaufen. Bei einem Architektenwettbewerb kürte die Jury den Entwurf der Berliner Architekten Sabrina Schreiber und Henrik Frölich zum Sieger. Sie schlagen eine große und offene Halle in der Mitte des Platzes vor, die in der Debatte als Marktscheune firmiert. Die Bürger favorisierten ein anderes Modell.

Bei einer Versammlung mit etwa 200 Teilnehmern im Rahmen der Bürgerbeteiligung fand der Vorschlag des Büros Haack und Höpfner eine Mehrheit. Sie hatten ein Gebilde mit begehbarem und begrüntem Dach entworfen. Dieser sogenannte Loop plus einem Turm würde einen großen Teil des nördlichen Viehmarktplatzes einnehmen und fast U-förmig einen Innenraum einschließen. Der Loop ohne Turm wird auf Kosten in Höhe 3,8 Millionen Euro geschätzt, die Marktscheune wäre mit etwa 1,3 Millionen Euro deutlich günstiger. Seit Herbst 2017 liegt eine Studie der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) vor, wonach beide Entwürfe unrentabel sein sollen, außer man würde die Verkaufsflächen jeweils um etwa 300 auf 800 Quadratmeter ausdehnen.

OB Raff berichtete am Montag, dass die potenziellen Investoren ähnliche Vorstellungen hätten. Er habe darüber bereits mit den Architekturbüros gesprochen. Schreiber und Fröhlich seien zwar nicht begeistert, könnten sich aber vorstellen, die Fläche im Obergeschoss ihrer Marktscheune unterzubringen. Haack und Höpfner haben laut Raff zuerst abgelehnt, inzwischen jedoch um eine Gespräch nachgesucht. Als sinnvoll bezeichnete Christian Stangl (Grüne) Raffs Vorschlag, die Entwürfe weiterzuentwickeln. Allerdings müsste auf das Lederer-Haus Rücksicht genommen werden. Schreiber und Frölich hatten die südöstliche Ecke ihrer Marktscheune bereits zurückgenommen, um die Wirkung der alte Villa auf der gegenüberliegenden Seite nicht zu schmälern. Alexa Zierl (parteifrei) warb dafür, den Loop weiterzuentwickeln. Man könnte den Plan abspecken und die Dachgestaltung vereinfachen, um Kosten zu sparen. Größere Verkaufsflächen ließen sich auf Kosten der Marktstände im Erdgeschoss schaffen.

Grundsätzlich solle man jedoch am Loop festhalten, weil die Freitreppe und das begehbare Obergeschoss eine Besonderheit und Attraktion darstellten, sagte Zierl. Bloß irgendjemand muss es bezahlen, wandte Raff ein. Ulrich Schmetz (SPD) plädierte dafür, zu berücksichtigen, dass sich auch im ehemaligen Kaufhaus X Veränderungen abzeichnen, in dem ein großes Fitnessstudio residiert.