Fürstenfeldbruck Mit Liebe zu den Saiten

Sie spielen bekannte Walzer und Landler, auch viele eigene Stücke und unterhalten bei ihren Konzerten die Besucher mit echter Volksmusik. Der Zitherclub Frohsinn würde auch gerne neue Mitglieder begrüßen.

(Foto: privat/oh)

Der Zitherclub Frohsinn sucht neue Mitspieler

Von Sabrina Küspert, Fürstenfeldbruck

Wenn Petra Oswald die Zeit zurückdrehen könnte, sie würde es tun. Zurück zu den Vereinsausflügen von damals, als die Mitglieder des Brucker "Zitherclubs Frohsinn" einfach spontan in den Bus stiegen und in die Städte im Umkreis fuhren. "Wenn wir auf dem Weg nach Passau oder Burghausen Pause gemacht haben, dann haben ein paar von uns ihre Instrumente rausgeholt und in der nächsten Wirtschaft aufgespielt. Recht zünftig war das", erinnert sich die Erste Vorsitzende. Sie ist 55 Jahre alt und wie viele andere, noch ältere Mitgliedern, fühlt sie sich nicht mehr fit genug für diese Tagesreisen. "Jetzt machen wir eben alles im kleinen Stil, fahren mit Dampfern oder gehen auf Christkindlmärkte." Doch auch wenn der Zitherclub bloß noch ein kleiner Verein mit 15 aktiven Mitgliedern ist, schafft er es, bei Konzerten Säle zu füllen.

So sitzen beim Brucker Musikantentreffen "Hoagart", der vom Zitherclub organisiert wird, jährlich etwa 230 begeisterte Zuhörer gemütlich zusammen, trinken, essen und genießen die Musik. "Mit unseren Auftritten wollen wir natürlich erreichen, dass das Zitherspiel nicht vergessen wird", erklärt Oswald, die schon seit 40 Jahren Mitglied des Vereins ist. "Aber vor allem macht uns dabei einfach das gemeinsame Musizieren Spaß."

Darum erscheinen die Vereinsmitglieder montags auch fast immer vollzählig zur Probe. Bis vor Kurzem nahm auch noch regelmäßig das damals älteste Mitglied, ein über 90-Jähriger, daran teil. Auch wenn er nicht mehr gut hören konnte und seine Hände das Musizieren nicht mehr richtig mitmachten, sei der Montag doch "der schönste Tag der Woche" für ihn gewesen, wie Oswald erzählt. So sind auch für jeden anderen im Zitherclub die kleinen Treffen mittlerweile zum festen Bestandteil ihres Lebens geworden.

Dabei sind viele der insgesamt 58 aktiven und passiven Mitglieder schon in ihrer Jugend dem Verein beigetreten. Vor dreißig, vierzig Jahren waren traditionell-bayerische Instrumente wie Zither, Akkordeon und Hackbrett nämlich noch fester Bestandteil der Kultur im Landkreis. Kindern wurde von Opa oder Onkel beigebracht, wie man echte Volksmusik spielt.

Diese heimatliche Verbundenheit hat auch Michaela Bock geprägt. Bereits seit ihrem zehnten Lebensjahr spielt sie Zither und hat damit auch nie aufgehört. Aber als sie vor zwölf Jahren aus München in den Landkreis Fürstenfeldbruck zog, wusste sie zuerst nicht, wie sie weiter aktiv bleiben konnte: "Dann stieß ich auf den Zitherclub und wurde sofort von diesem liebenswerten Verein aufgenommen." Heute ist sie die Zweite Vorstandsvorsitzende und gibt in Fürstenfeldbruck Zitherunterricht.

Der Großteil der aktiven Mitglieder des Vereins hat genau wie Bock schon als Kind angefangen, dieses Saiteninstrument zu spielen. Da lerne es sich nämlich leichter als im Erwachsenenalter. "Die Zither ist ja ein sehr anspruchsvolles Instrument", stellt Bock klar. Im Grunde müsse man nämlich drei Dinge gleichzeitig machen: Am Griffbrett wie bei einer Gitarre drücken, am rechten Daumen die Saiten anschlagen und als Begleitung müsse man auch noch zupfen. "Das ist wirklich schwierig. Und trotzdem haben so manche, die als Kind Zither spielten, als Senioren den großen Wunsch, wieder damit anzufangen."

Nur leider, so bedauert Bock, würden sich heutzutage kaum noch junge Menschen für Volksmusik und die dazu passenden Instrumente interessieren. Darum steht der Zitherclub vor einem Problem, das irgendwann unweigerlich zum Ende dieses Traditionsverein führen könnte: Das Durchschnittsalter der Mitglieder wird immer älter. Zwar gab es im vergangenen Jahr zwei Neueintritte. Diese konnten den Verein aber auch nicht verjüngen. Es mangelt einfach an jungen Nachwuchstalenten. Dabei sollte man meinen, die Mitglieder könnten wenigstens ein paar ihrer Kinder und Enkel für Zither, Akkordeon oder Hackbrett begeistern. Oder sie zumindest zum Beitritt in den Zitherclub bewegen, um dort Gitarre oder Bass als Begleitung zu spielen. Doch auch das gelang in den letzten Jahren nicht, wie Oswald erzählt. "Die Zeit hat sich in der Hinsicht einfach geändert. Es ist schon schade, dass es nicht mehr so ist wie früher."

Früher heißt, in den Siebziger- und Achtzigerjahren. In der Zeit, als Oswald noch die Neue war und unter Rudi Böttcher spielte, der damals zahlreiche Kompositionen ausschließlich für den Brucker Zitherclub schrieb. Davon zehrt der Verein auch heute noch: Bei jedem Auftritt werden neben bekannten Walzern und Landlern immer ein paar der eigenen Stücke gespielt. Doch auch wenn sich einiges geändert hat, ist Oswald doch froh, noch Teil dieses Traditionsvereins zu sein: "Wir haben bereits so viele schöne Stunden zusammen erlebt. So gut wie wir uns kennen, sind wir eine kleine Familie geworden."