Fürstenfeldbruck Kritische Worte zum Jubiläum

Lockere Gesprächsrunde (von links): Detlef Kurp, Landratsstellvertreterin Martina Drechsler, Ex-Stadträtin Maria Röhl und Erich Raff.

(Foto: Günther Reger)

Der Brucker Seniorenbeirat besteht seit 25 Jahren. Von der Stadtpolitik fühlt er sich jedoch bisweilen im Stich gelassen

Von Sabrina Küspert, Fürstenfeldbruck

Im Moment leben etwa 7000 Senioren in Fürstenfeldbruck. Um speziell für die Wünsche und Probleme der älteren Generation einzutreten, wurde vor 25 Jahren der Brucker Seniorenbeirat gegründet. Doch bei der Jubiläumsfeier im Saal der Stadtsparkasse wurden vor den 60 Anwesenden nicht nur die bisher umgesetzten Projekte gelobt. Detlef Kurp, der Vorsitzende des Seniorenbeirats, kritisierte vor allem die Zusammenarbeit mit der Verwaltung.

"Leider sehen wir unsere Beiträge zu oft im schwarzen Loch des Verwaltungsapparats verschwinden", berichtete er in seiner Ansprache. Wie er später erklärte, waren beispielsweise die Meinungsverschiedenheiten bei dem geplanten Ampersteg zwischen Schöngeising und dem Kloster Fürstenfeld besonders groß. Um Spaziergängern eine Fußgängerbrücke über die Amper in Richtung Fürstenfeldbruck bieten zu können, hatte der Seniorenbeirat sogar eine Petition eingereicht. Diese wurde aber vom Umweltausschuss des Landtags abgelehnt. Das Projekt wurde also, wie so manche andere, nicht umgesetzt, weil laut Kurp "fadenscheinige Argumente" vorgebracht worden waren. Um Fürstenfeldbruck voranzubringen, müssten auch die Stadträte mitziehen.

Trotz all der Widrigkeiten ist es dem Seniorenbeirat auch ein großes Anliegen, sich für Vorhaben stark zu machen, die nicht nur Senioren, sondern allen Bürgern Vorteile bringen. Darum habe man sich besonders für den barrierefreien Umbau des S-Bahnhofs Buchenau eingesetzt, wie Kurp berichtete: "Wir haben den entscheidenden Anstoß gegeben. Von morgens um fünf bis abends um neun haben wir die Ein- und Auspendler gezählt." Erst danach habe man eine Vorstellung davon gehabt, wie viele Brucker wirklich betroffen sind. Dadurch wurde den Beteiligten die Dringlichkeit des Ausbaus klar.

Dass ein so engagierter Seniorenbeirat aber doch sehr geschätzt wird, machte bei der Jubiläumsfeier Oberbürgermeister Erich Raff als erster Redner klar. So hätte der Beirat in der Vergangenheit nicht nur Impulse für das Projekt "FFB barrierefrei" gegeben, sondern sich zum Beispiel auch für den Senioren-Computertreff im Brucker Bürgerpavillon sowie für ein Seniorenkino stark gemacht. Als "Schnittstelle zwischen den Brucker Senioren und der Stadt" trage der Beirat dazu bei, die Wünsche der älteren Bürger aufzugreifen und Lösungswege zu finden. Und das alles für ein Ziel: "Fürstenfeldbruck soll ein Ort sein, in dem man gerne alt wird", verdeutlichte Raff und dankte dem Seniorenbeirat dafür, dass er die Generation 60-plus im neuen dritten Lebensabschnitt unterstützt.

Doch dabei sei es nicht leicht, immer genügend Mitglieder zu finden, die sich engagieren und im Alter noch einmal Verantwortung übernehmen wollen. Nach den Worten von Kurp sei das Interesse am Seniorenbeirat und die Bereitschaft mitzumachen tatsächlich sehr gering. Im Moment bestehe der Beirat aus lediglich sieben Mitgliedern. Da sei es natürlich schwierig, wirklich präsent auftreten zu können.

Weil also ein mitgliederarmer Beirat einige Probleme mit sich bringt, machte Kurp eines in seiner Ansprache sehr deutlich. Ein aktiver Seniorenbeirat, dessen Vorschläge wirklich umgesetzt werden, wird auch in Zukunft für Fürstenfeldbruck sehr wichtig sein: "In 20 Jahren wird jeder dritte Einwohner des Landkreises über 60 Jahre alt sein. Das erfordert die Wahrnehmung und Einbindung der Wünsche der Senioren. Diese müssen gestärkt werden. Und zwar schon jetzt", forderte der Vorsitzende.