Verkehr Kritik am dreigleisigen Ausbau

Protest am Bahnhof: Die Initiative "S-4-Ausbau jetzt" mahnt erneut den Ausbau der Strecke auf vier und nicht nur drei Gleise an.

(Foto: Günther Reger)

Die S-4-Initiative bekommt bei ihrer Kundgebung erstmals Unterstützung aus einer Kommune jenseits des S-Bahngebiets. Die Botschaft: Das Problem betrifft den ganzen Regionalverkehr

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Die Unzulänglichkeit eines dreigleisigen Ausbaus der S 4 stand im Mittelpunkt der Kundgebung der Initiative "S 4-Ausbau jetzt" am Samstag. "Wir brauchen einen richtigen Ausbau und keinen Pfusch", erklärte Andreas Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn. Die Zweite Bürgermeisterin von Kaufering, Gabi Triebel (Grüne), kritisierte, dass der Regionalverkehr ausgebremst werde, solange die S-Bahn-Linie nicht ausgebaut werde.

Die Bürgerinitiative kämpft seit Jahren für den viergleisigen Ausbau zwischen Pasing und Buchenau. Ein inhaltlicher Schwerpunkt ist die Kritik an der Entscheidung des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU), nur ein drittes Gleis bis Eichenau verlegen zu lassen. Die Initiative hat seinen Plan auf einem Transparent grafisch umgesetzt, das in den kommenden Wochen an verschiedenen S-Bahnhöfen aufgehängt werden soll. Es zeigt, dass der komplette Fern-, Regional- und Güterverkehr auf einem Gleis in beiden Fahrtrichtungen abgewickelt werden soll. Sollte irgendwann ein viertes Gleis ergänzt werden, müsste man alle drei vorhandenen Gleise wieder wegreißen. Die königlich-bayerische Eisenbahn habe weitsichtiger geplant und stets zwei neue Gleise verlegt oder wenigstens Platz für weitere Schienen gelassen, monierte Barth.

Der Auftritt von Triebel war eine Premiere. Erstmals nahm ein Politiker aus einer Kommune teil, die jenseits der S-Bahnstrecke liegt. Die Zweite Bürgermeisterin von Kaufering machte deutlich, dass der Engpass auf der S 4 kein lokales Problem ist, sondern den gesamten Regionalverkehr behindert. Auch wenn die Strecke Geltendorf-Lindau nach jahrzehntelangen Verzögerungen Ende 2020 endlich elektrifiziert sein sollte, können die neuen Kapazitäten nicht ausgeschöpft werden, weil sich die Züge sonst zwischen Geltendorf und Pasing stauen würden. Der Bahnexperte Ralf Wiedenmann hat den bayerischen Takt-Zielfahrplan 2030 untersucht und festgestellt, dass sich die Fahrzeiten zwischen Buchloe und Pasing nur um zwei Minuten verkürzen werden.

Der Gröbenzeller Kommunalpolitiker und Landtagsabgeordnete Martin Runge (Grüne) ging scharf mit der CSU ins Gericht. Das ständige Gerede von neuen Plänen und Vorbereitungen sei bloß Placebo. Vor vielen Jahren habe man bereits Pläne für einen viergleisigen Ausbau für teures Geld erarbeiten lassen. Runge rief den Brucker OB dazu auf, "mehr Dampf" zu machen. In dieser Woche sind die Bürgermeister der Anlieger-Kommunen im Innenministerium eingeladen.

Vertreter der Initiative hoffen auch auf Unterstützung von den neugewählten Bundestagsangeordneten. Alle fünf Mandatsträger aus dem Wahlkreis Dachau-Fürstenfeldbruck hätten im Wahlkampf erklärt, sich für den viergleisigen Ausbau einzusetzen, erinnerte Barth. Darunter war auch Katrin Staffler (CSU), die sich damit gegen die Position Herrmanns stellte. Die Germeringer Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer (Grüne) ist optimistisch, dass die angestrebte Jamaika-Koalition etwas bewegen wird. Auf die Frage der SZ, ob dann die Verkehrswende käme, erklärte Walter-Rosenheimer: "Natürlich, wenn wir das Verkehrsministerium kriegen." Ihr Parteifreund Runge ist eher skeptisch. "Am Ende schieben sich Bundes- und Landesregierung wieder den Schwarzen Peter zu", sagte er. In seinem Redebeitrag hatte Runge erklärt, selbst wenn die Bundesregierung den Fördertopf verdreifache, nutze dies nichts, wenn Milliarden in den Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels in München gesteckt werden.

Runge setzt deshalb auf Druck von unten: "Wir müssen mehr werden." Zu der Kundgebung am Samstagvormittag vor dem Brucker Bahnhof hatten sich knapp 30 Teilnehmer versammelt, überwiegend Vertreter von Umweltverbänden, Brucker Verkehrsforum, Grünen, SPD und UBV. Der Verkehrsreferent des Brucker Stadtrates, Mirko Pötzsch (SPD), überbrachte ein Grußwort von OB Erich Raff (CSU).