Fürstenfeldbruck Forderung nach Videoüberwachung

Auf dem Geschwister-Scholl-Platz demonstrieren Mitglieder der Soko Tierschutz. Auf die Tierrechtsorganisation geht die Aufdeckung des Brucker Schlachthofskandals zurück.

(Foto: Günther Reger)

Soko Tierschutz demonstriert auf dem Geschwister-Scholl-Platz gegen die Vorfälle im Brucker Schlachthof Die Gruppe will eine lückenlose Aufklärung, harte Strafen und den Einsatz von Kameras

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Nach dem Hickhack mit Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) konnte die Soko Tierschutz nun am Freitagnachmittag ihre Kundgebung gegen den Brucker Schlachthof auf dem Geschwister-Scholl-Platz abhalten. Das Interesse der Passanten war durchaus vorhanden, allerdings kamen trotz der Marktstände zunächst nur wenige Menschen auf den Platz. Die meisten äußerten sich empört über die Verstöße gegen den Tierschutz, die die Gruppe enthüllt hat. Das Vertrauen in die örtlichen Metzger ist bei vielen dennoch ungebrochen, wie die Kundschaft an zwei Marktständen zeigte.

Als die Tierrechtler um 14 Uhr ihren Infostand aufbauen, ist wenig los auf dem weiten Platz im Brucker Westen, obwohl dort Markttag ist. Erst im Lauf der Zeit kommen mehr Menschen, um zu bummeln und einzukaufen. Die Soko Tierschutz hat wieder einen Flachbildschirm aufgebaut und zeigt die Videoaufnahmen, auf denen Metzger Tiere mit Elektroschockern antreiben, einem Rind den Schwanz verdrehen oder mit der Gittertüre schlagen. Vor allem Jugendliche sitzen gebannt vor dem Schirm und schauen sich das an. "Es ist einfach nur schlimm", sagt ein 12-jähriges Mädchen. "Tiere haben doch auch Rechte", sagt ihre Freundin.

Ein Germeringer ist extra hergeradelt, um an der Kundgebung teilzunehmen. Er ist ziemlich enttäuscht: "Ich habe bisher gedacht, das ist ein kleiner Schlachthof, wo es artgerecht zugeht, und jetzt so was unter dem Logo regional und bio." Besonders empört ihn, dass der amtliche Tierarzt anscheinend nichts mitgekriegt haben soll und er ärgert sich über Kommentare von Landrat Thomas Karmasin (CSU). Dessen Bemerkung, die Tiere könnten ja nicht zu Tode gestreichelt werden, findet er zynisch. "Er sollte lieber denen aufs Dach steigen, die das angerichtet haben", verlangt der Bürger.

Ein anderer findet die Vorfälle zwar schlimm, lehnt aber die Haltung der Soko Tierschutz ab, die als Tierrechtler und Veganern eine Wiedereröffnung des Schlachthofs ablehnen. Einige Passanten kritisieren, dass die Gruppe einen kleinen Betrieb ins Visier nimmt, auf großen Schlachthöfen sei es doch viel schlimmer.

Dagegen hält die Soko Tierschutz das, was in Bruck vorgefallen ist für "typisch für alle bayerischen Schlachthöfe", wie eine Sprecherin erklärt. Die Größe des Betriebes und die Ausrichtung spielten keine Rolle. Im Brucker Schlachthof lag der Bioanteil bei 60 Prozent, beliefert wurden Unser Land, Bioland, Naturland und die Hofpfisterei. Zwei Aktivisten der Gruppe halten ein Transparent, auf dem es ziemlich drastisch heißt: "So arbeitet der Metzger Ihres Vertrauens: Elektroschocks, Todeskampf und brutale Gewalt."

Demnächst wird die Gruppe Unterschriften für eine Petition an das Landratsamt zu sammeln, in der eine lückenlose Aufklärung der Brucker Vorfälle und eine harte Bestrafung der Verantwortlichen samt Tierhaltungsverbot verlangt wird. Außerdem fordert die Soko Tierschutz darin für die Zukunft eine öffentlich einsehbare Videoüberwachung der Schlachtvorgänge. Auf dem Markt kann man Käse, Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch von zwei regionalen Metzgern kaufen, darunter vom Innungsmeister Engelbert Jais.

Beide Stände sind gut besucht, die Kunden haben trotz der Affäre um den Brucker Schlachthof keine Bedenken. "Ich kaufe immer hier ein, weil ich weiß, dass der Metzger seine Tiere gut behandelt und selber schlachtet", sagt eine Frau. Obendrein kaufe sie nicht viel, weil sie nur ganz wenig Fleisch esse.