Fürstenfeldbruck Demokratisches Theatererlebnis

Ensemble ohne Regisseur: Julia Ströhle, Alexander Schmiedel, Patrick Meier, Michael Vögele und Kerstin Krefft (von links).

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Neue Bühne Bruck führt "Die Firma dankt" von Lutz Hübner auf. Es ist ein Stück über ein verlorenes Individuum in der modernen Arbeitswelt. Für die Inszenierung haben sich die fünf Schauspieler etwas Besonderes einfallen lassen

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Wenn die Neue Bühne Bruck zu einer Inszenierung einlädt, dann wartet oft eine Überraschung, die die Grenzen konventioneller Aufführungsideen gekonnt durchbricht. Dieses Mal also haben die fünf beteiligten Schauspieler beschlossen, dass sie mal ohne Regisseur inszenieren wollen. Und so haben sie ein demokratisch organisiertes Kollektiv gegründet, dass seit vergangenen September einmal pro Woche gemeinsam geprobt hat. Allerdings war die Entscheidung keine reine Überwindung gängiger Theaterpraxis, sondern auch ein pragmatischer Entschluss, wie Alexander Schmiedel, einer der beteiligten Schauspieler, erklärt: "Wir fünf sind aktuell alle zeitlich zu unflexibel, sei es wegen Kindern, Uni oder Beruf, um wie bei einer klassischen Probe fünf Wochen am Stück mit einem Regisseur zu arbeiten. Also haben wir Harald Molocher überzeugt, uns diesen Weg ausprobieren zu lassen".

Ob dieses Experiment gelungen ist, können die Besucher von diesem Freitag, 26. Februar, an selbst beurteilen, wenn "Die Firma dankt" von Lutz Hübner Premiere feiert. "Wir haben das Stück ausgesucht, weil es gut zu unserem Konzept passt. Es sind nie alle Schauspieler gleichzeitig auf der Bühne, so dass die anderen Zeit haben, um zuzuschauen und Tipps zu geben oder Kritik zu üben", sagt Schmiedel. Diese Art des Arbeitens habe überraschend gut funktioniert. "Ich meine sagen zu können, dass wir uns nicht verstecken müssen, mit dem, was wir da auf die Beine gestellt haben." Zu Gute kommt den Schauspielern dabei, dass sie alle sehr erfahren sind und schon zahlreiche Male auf der Bühne standen.

Mit "Die Firma dankt" bringt die Neue Bühne wieder ein Stück eines zeitgenössischen Autoren auf die Bühne. Lutz Hübner wurde 1964 in Heilbronn geboren und hat sich an der Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater zum Schauspieler ausbilden lassen. Schnell hat er dann angefangen, Stücke zu schreiben und zu inszenieren, seit Ende der Neunziger gehört er zu den meistgespielten Gegenwartsdramatikern in Deutschland. Über die Grenzen des Theaters hinaus bekannt wurde er durch die Verfilmung von "Frau Müller muss weg" von Regisseur Sönke Wortmann.

Das Brucker Stück erzählt vom Angestellten Adam Krusenstern, der nach einer Firmenübernahme als einziger Mitarbeiter nicht entlassen wird. Dafür wird er von der neuen Geschäftsführung zu einem Wochenende ins Gästehaus der Firma eingeladen. Das Verhalten der anwesenden Kollegen irritiert ihn, er weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Seine einstigen Tugenden wie Leistung, Loyalität und klare Strukturen scheinen nicht mehr gefragt zu sein. Geplagt von der Frage, wie und ob es überhaupt weiter geht, schlägt er sich so durch die Veranstaltung. "Die Firma dankt" ist die dritte Inszenierung eines Hübner Stücks an der Neuen Bühne nach "Das Herz eines Boxers" 2004 und "Creeps" 2010.

Auch ohne Regisseur sind die Vorbereitungen und Proben des Ensembles strukturiert abgelaufen, berichtet Schmiedel. "Wir haben erst einmal sechs Wochen nur den Text und die Eigenschaften der einzelnen Rollen erarbeitet, bevor wir das erste Mal auf die Bühne sind." Bei der Umsetzung sei ihnen das Stück wieder entgegen gekommen, weil Hübner sehr klare Regievorgaben macht. Und ganz ohne professionelle Hilfe mussten die fünf Schauspieler dann doch nicht auskommen. Zu drei Proben ist jeweils einer der Hausregisseure der Bühne vorbeigekommen, um Tipps zu geben. Und für eine der letzten Proben hat sich auch noch Intendant Harald Molocher persönlich angekündigt.

"Die Firma dankt", an der Neuen Bühne Bruck, Premiere am Freitag, 26. Februar, von 20 Uhr an. Weitere Termine: Samstag, 27. Februar, und Freitag, 4. März, jeweils um 20 Uhr.