Eichenau Protest für eine bessere Pflege

Gemeinsam mit dem Personal demonstrieren die Bewohner des Eichenauer Pflegezentrums für bessere Bedingungen.

(Foto: Voxbrunner Carmen)

Vor rund 100 Teilnehmern fordert Dirk Spohd, der Leiter des Pflegezentrums Eichenau, mehr und besser ausgebildetes Personal sowie Wertschätzung.

Von Peter Bierl, Eichenau

Für mehr und gutes Pflegepersonal haben am Mittwoch etwa 100 Menschen in Eichenau demonstriert. Sie versammelten sich am Mittag auf dem Rondell vor dem Pflegezentrum am Bahnhof mit Plakaten, auf denen ein Altern in Würde gefordert wurde. Der Leiter des Hauses, Dirk Spohd, forderte von den Politikern, die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte zu verbessern. "Wir brauchen eine Auseinandersetzung darüber, was für eine Pflege wir brauchen und was sie kosten soll."

Wie drastisch die Situation ist, zeigt sich daran, dass längst Headhunter auf qualifiziertes Personal angesetzt werden. Spohd berichtete von zwei Fällen, die ihm bekannt sind, in denen Mitarbeitern des Hauses bis zu 12 000 Euro geboten würden, wenn sie den Job wechselten. Und er freut sich, weil fünf Mitarbeiter in den vergangenen Jahren wieder zurück kamen.

Ein Personalschlüssel von 1:2,4 sieht auf dem Papier nicht schlecht aus, allerdings im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr, abzüglich von Krankheitsfällen und Urlaub. Deshalb sind in einer Station mit 34 Bewohnern in der Frühschicht nur vier Pfleger anzutreffen, beim Spätdienst drei und in der Nacht ein Mitarbeiter, sagte die Pflegedienstleiterin Susanne Brenner. Dabei ist die Stationsleitung einberechnet, die Zeit für die ganze Büroarbeit braucht.

Spohd kritisierte die Nachtwachenquote, die die bayerische Sozialministerin Melanie Huml (CSU) überstürzt eingeführt habe, als unflexibel: Pro angefangene 40 Bewohner müsse eine Pflegekraft anwesend sein. Falle eine Mitarbeiterin kurzfristig wegen Krankheit aus, sei kein Ersatz vorhanden, aber die Häuser müssen 25 Euro Strafe pro Bewohner bezahlen. Insgesamt bietet das Heim in Eichenau 186 Plätze in fünf Stationen und einer Kurzzeitpflege mit 75 Pflegekräften, von denen die Hälfte Fachkräfte sind.

In seiner Rede vor den Mitarbeitern und Bewohnern des Hauses, forderte Spohd Verbesserungen in drei Bereichen. Wichtig sei zuallererst eine gesellschaftliche Aufwertung der Pflegeberufe. "Wir wünschen uns Kampagnen, in denen die Wertschätzung des Personals im Mittelpunkt steht", sagte Spohd. Der zweite Aspekt seien attraktivere Arbeitsbedingungen. Die Personalausstattung müsse sich am Bedarf orientieren und nicht an der Beitragsstabilität der Pflegeversicherung und an der Kassenlage der Sozialhilfeträger.

Das Einstiegsgehalt für eine Pflegerin bei der Diakonie liege bei 3200 Euro brutto, wenn man alle Zulagen einbeziehe. "Das ist nicht so schlecht bezahlt, aber wer mehr Verantwortung übernimmt, wer etwa eine Station leitet, der muss mehr bekommen", verlangte der Heimleiter, aber nicht zu Lasten der Bewohner, diese müssen sich die Pflege schließlich noch leisten können.

Kosten für Maßnahmen zur körperlichen und psychischen Entlastung des Personals müssten refinanziert werden, außerdem brauche es verlässliche Arbeitszeiten, um Familie und Beruf vereinbaren zu können. "Bei uns fängt die Frühschicht um 6 Uhr morgens an, aber um die Zeit hat in Eichenau noch kein Kindergarten geöffnet", sagte der Heimleiter.

Schließlich verlangte Spohd eine bessere Ausbildung. Einfach bloß Personal im Ausland anzuwerben oder gar Asylbewerber einzusetzen, gehe nicht an. Die Pflegeberufsreform müsse zügig umgesetzt und die Finanzierung müsse klar geregelt werden, dürfe aber nicht zu Lasten der Träger oder der Bewohner gehen.

Spohd berichtete, dass das Pflegezentrum in Eichenau derzeit zehn Schüler ausbilde. Nächstes Jahr würden weitere sieben anfangen. Man achte darauf, dass diese Azubis nicht als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. "Bei uns gibt es Freistellungen für eine gezielte Anleitung, so dass am Ende echte Fachkräfte abschließen", betonte er. Diese Ausbildung sei nicht umsonst, sondern die Kosten müssten auf die Bewohner umgelegt werden, weshalb die Eichenauer Einrichtung etwas teuerer sei als andere Einrichtungen. "Wir werden für unsere Ausbildung auch noch bestraft", rügte Spohd.