Eichenau Fortbestand als Förderer

Der PC-Stammtisch ist eines der Angebote in der Seniorenbegegnungsstätte des Kranken- und Altenpflegeverein.

(Foto: Günther Reger)

Nach 57 Jahren zieht sich der Kranken- und Altenpflegeverein Eichenau aus der Betreuung zurück und überlässt die ambulante Pflege und die Seniorenbegegnungsstätte der Caritas. Die soll mit finanziellen Zuwendungen auch weiterhin mehr als den Standard anbieten können

Von Erich C. Setzwein, Eichenau

Der seit 1960 in Eichenau bestehende Kranken- und Altenpflegeverein (KAV) gibt die Verantwortung für die ambulante Pflege und die Trägerschaft für die Seniorenbegegnungsstätte an die Caritas ab und wird ein Förderverein. Das hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung vor wenigen Tagen beschlossen und gleichzeitig den Rücktritt von Pfarrer Martin Bickl als Erster Vorsitzender angenommen. Die Geschäfte führt der Zweite Vorsitzende, Ignaz Fischer-Kerli, bis zu Mitgliederversammlung mit Vorstandsneuwahl im kommenden Frühjahr.

"Wir wollen die Leistungen in der Kranken- und Altenpflege auf dem himmlischen Niveau halten, wie es die Eichenauer gewohnt sind", sagt Ignaz Fischer-Kerli zur Änderung des KAV in einen Förderverein. Mehr als 600 Mitglieder gehören dem vom katholischen Pfarrer Otto Jorek vor 57 gegründeten Verein heute an, der Erhalt als Verein könnte also gesichert sein. Voraussetzung dafür ist aber, dass sich in den kommenden Monaten Bewerber für die Vorstandsarbeit finden. Denn Ignaz Fischer-Kerli will nicht mehr kandidieren. "Ich trete nicht mehr an", sagte er auf Nachfrage.

Mit der Satzungsänderung macht der Kranken- und Altenpflegeverein wahr, was sich seit der Übernahme der Betriebsführung für die ambulanten Pflege und das Personal durch das Caritas-Zentrum Fürstenfeldbruck vor fünf Jahren schon abzeichnete. Dass Ehrenamtliche allein die Aufgaben in der Pflege nicht mehr verantworten können. Ein ähnliche Situation macht der Eichenauer Sozialdienst Nachbarschaftshilfe derzeit durch. Der KAV hatte zuletzt einen Jahresumsatz von einer halben Million Euro und war, wie Fischer-Kerli es ausdrückte, einem mittelständischen Unternehmen gleichzusetzen - bis auf die ehrenamtliche Führung.

Alle ehrenamtlich Tätigen in Eichenau hat die Caritas nach den Worten von Silvia Dörr übernommen. Dörr leitet die Fachdienststelle "Leben im Alter" und kennt als Stellvertreterin der inzwischen ausgeschiedenen Geschäftsführerin Claudia Ramminger die Sozialstation Eichenau sehr gut. Die bislang schon von der Caritas mitbetreute Seniorenbegegnungsstätte soll weiter aufgewertet werden. Dörr verweist auf das umfangreiche seniorenspezifische Angebot der Caritas. Dass der Kranken- und Altenpflegeverein nun als Förderverein auftritt, begrüßt Dörr. "Es gibt uns mehr Möglichkeiten, etwas für die Menschen zu tun, die wir betreuen, und auch für unsere Mitarbeiter. Immerhin werden etwa 100 Menschen in Eichenau gepflegt, und im Vergleich zur ebenfalls von der Caritas betriebenen Sozialstation in Fürstenfeldbruck könne der Förderverein die Arbeit finanziell besser ausstatten. "Das ist schön für die Menschen."

Dass es bei der Übernahme der Mitarbeiter ein wenig zu Unruhe gekommen ist, kann Silvia Dörr nachvollziehen. Grund dafür seien neue Vorgaben des Pflegegesetzes gewesen. "Es ging um den zugelassenen, niederschwelligen Dienst", sagt Dörr. Dieser Helferkreis habe viele Auflagen bekommen. Den Eichenauer sei angeboten worden, in den niederschwelligen Betreuungsdienst Fürstenfeldbruck zu wechseln. In Eichenau habe man mit geringfügig Beschäftigten Arbeitsverträge auf 450-Euro-Basis geschlossen. Damit seien sie auch sozialversichert. Die Caritas bezahle, bezogen auf die geringfügige Beschäftigung, mehr als den Mindestlohn. Wie jedem anderen Arbeitsvertrag auch, hätte die Bewerber aber Unterlagen, wie etwa einen Lebenslauf, beibringen müssen. "Auch ein polizeiliches Führungszeugnis, denn die Mitarbeiter betreten ja fremde Wohnungen." Dass dies Menschen im Rentenalter nicht gefallen habe, könne sie durchaus verstehen, sagt Dörr.