Bürokratie in Puchheim Vertragskegeln

Rudolf Fuchs kegelt gern, dazu nutzt er regelmäßig die Anlage im Puchheimer Sportzentrum an der Bürgermeister-Ertl-Straße. Als er vor kurzem wieder eine Bahn reservieren wollte, teilte ihm der Wirt mit, er müsse sich an die Stadtverwaltung wenden. Ein paar Tage später fand Fuchs in seinem Briefkasten einen großen Umschlag: einen Vertrag in doppelter Ausführung, allerlei Paragrafen mit den Konditionen. Für Fuchs ein klarer Fall überbordender Bürokratie.

Von Peter Bierl

Kegelbahn in der Pfarrei Sankt Anna

(Foto: Stefan Salger)

Kegeln ist ein feiner, unkomplizierter Sport. Man trifft sich mit netten Freunden zum Wettkampf in gemütlicher Runde und spielt. Rudolf Fuchs nutzt dazu regelmäßig die Anlage im Puchheimer Sportzentrum an der Bürgermeister-Ertl-Straße. Als er vor kurzem wieder eine Bahn für einen Kegelabend reservieren wollte, teilte ihm der Wirt mit, er müsse sich an die Stadtverwaltung wenden, was Fuchs per E-Mail auch tat. Ein paar Tage später fand Fuchs in seinem Briefkasten einen großen Umschlag, der eine Überraschung enthielt: einen Vertrag in doppelter Ausführung. Auf drei Seiten sind allerlei Paragrafen mit den Konditionen aufgeführt sowie der Hinweis, dass spätestens am Vortag des Kegelabends die Miete von 24,60 Euro in der Stadtkasse eingegangen sein muss. Für Fuchs ein klarer Fall überbordender Bürokratie: "Da wiehert der Amtsschimmel."

Im Rathaus verteidigt man das Vorgehen. "Das ist nicht der klassische Fall, wo ein Wirt eine Kegelbahn vermietet", sagt Kämmerer Harald Heitmeir. Es handele sich vielmehr um eine Sportkegelbahn, die bestimmten Qualitätsanforderungen entspreche und unabhängig von der Gastronomie betrieben werde. Zwar haben frühere Wirte die Kegelbahn eigenhändig vergeben, dann habe man diese Aufgabe an einen Verein "outgesourct", der die Bahn hauptsächlich nutzt. "Aber reibungsloser funktioniert es, wenn wir das machen", versichert der Kämmerer. Immer wieder mal sei die Bahn doppelt vergeben worden. Jetzt führe die Stadtverwaltung einen exakten Belegungsplan. Außerdem müsse die Miete direkt an die Kommune abgeführt werden.

Darum erhalten seit Jahresanfang alle Interessenten einen solchen Vertrag zugeschickt, egal ob Verein oder Privatperson. "Der Vorteil ist, da steht alles drin", sagt Heitmeir. Er räumt aber ein, dass man "einige Teile des Vertrags" bei Privatleuten weglassen könnte. Und es sei auch denkbar, dass irgendwann einmal der Wirt der Sportgaststätte, die seit einem knappen Jahr einen neuen Pächter hat, die Kegelbahn wieder in Eigenregie führen dürfe.

Fuchs findet es jedenfalls unmöglich, für vier Stunden Kegeln einen solchen Aufwand zu treiben. "Eine derartige Verschwendung von Zeit und Steuergeldern seitens der Stadt verschlägt einem schier die Sprache."