Brandanschlag auf Asylbewerberheim Germering unter Schock

Ein Teil des Flüchtlingsheims in Germering ist nach dem Brandanschlag zerstört.

Nach dem Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft in Germering sind die Einwohner geschockt. Wie es nun weitergehen soll.

Von Andreas Ostermeier und Kevin Schrein

Der Brandgeruch liegt am Nachmittag noch in der Luft. Die gesamte Front der Holzfassade eines Gebäudes der Asylbewerberunterkunft im Südwesten von Germering ist von Flammen zerstört worden, der Dachstuhl ist ausgebrannt. Arbeiter beseitigen verkohlte Holzplanken, schwarz gefärbte Styroporplatten und zerplatzte Dachschindeln. Am Boden vor dem Haus sind noch Reste des Löschschaums zu sehen, die verkohlten Holzbalken liegen auf mehreren Haufen.

Der Verwaltungstrakt der Asylbewerberunterkunft, ein Teil des mittleren der drei Gebäude, ist von einem Feuer zerstört worden, das ein bislang unbekannter Brandstifter in den Morgenstunden des Mittwochs gelegt hat. Gesehen wurde ein etwa 30 Jahre alter Mann gegen drei Uhr früh sowie später noch einmal.

In dem angezündeten Gebäude wohnen auch zehn Asylbewerber. Sie konnten vor den Flammen ins Freie flüchten. Im gesamten Komplex leben 60 Bewohner. Die Feuerwehr konnte die Ausbreitung der Flammen auf die Zimmer der Asylbewerber verhindern. Der Schaden wird auf 200.000 Euro geschätzt.

Oberbürgermeister Andreas Haas zeigte sich im Gespräch geschockt. "Eigentlich hatten wir noch Glück im Unglück. Es ist dem engagierten Mann, der seine Mitbewohner aufgeweckt hat, zu verdanken, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist."

Treffen und darüber reden

Zu Spekulationen über einen möglichen fremdenfeindlichen Hintergrund der Brandstiftung wollte er sich nicht äußern. In den kommenden Tagen will Haas sich mit den Bewohnern treffen, um über die Vorkommnisse zu sprechen. Bei seinem Besuch der Unterkunft wenige Stunden nach dem Brandanschlag hatte er dazu keine Gelegenheit.

Auch Landrat Thomas Karmasin, der mit Haas zu dem angezündeten Haus gefahren war, zeigte sich im Gespräch mit der SZ betroffen. Er wurde am Morgen von Mitarbeitern informiert. "Ich war natürlich erschrocken, als ich davon erfahren habe." Karmasin sagte, dass es in Germering bislang keinen Ärger wegen des Asylbewerberheims gegeben habe. Die Polizei habe ihm gesagt, dass es "momentan keine Anzeichen einer fremdenfeindlichen Tat wie den Einsatz von Brandbeschleunigern oder Beschmierungen zur Übermittlung einer Botschaft gegeben hat".

Schockiert reagierten auch andere Kreispolitiker. So nannte es Jan Halbauer, Kreissprecher der Grünen, "erschreckend, zu was Menschen fähig sind". Zum Glück sei niemand verletzt worden. Halbauer weiter: "Rechtsextremismus und sonstiger gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit müssen wir mit allen geeigneten demokratischen Mitteln entgegentreten!" Er forderte, im Landkreis müsse noch "einiges an Aufklärungsarbeit, umfassender Bildungsarbeit, engagierter Unterstützung und Absicherung zivilgesellschaftlicher Initiativen gegen Rechts getan werden".

Markus Rainer, Fraktionschef der Grünen im Kreistag, sagte, er sei "entsetzt und schockiert über diesen widerlichen Anschlag". Er forderte, die Tat "umgehend aufzuklären". Zunächst gelte es, die Arbeit der Polizei und der Staatsanwaltschaft abzuwarten. "Sehr bestürzt" über die Nachricht, dass an der Asylbewerberunterkunft ein Feuer gelegt wurde, zeigte sich auch der Germeringer CSU-Stadtratskandidat Oliver Simon. "Hoffentlich wird diese Tat schnell aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen."

Unbekannter zündet Asylbewerberheim an

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Teile des Dachstuhls müssen abgerissen werden

Betroffen reagierten auch Passanten, die im Lauf des Tages an der Unterkunft vorbeikamen. Eine Frau, die in der Nähe wohnt, hatte von dem Brand in der Nacht nichts mitbekommen. Sonst höre sie die Sirenen der Feuerwehrfahrzeuge immer, sagte sie. Am Nachmittag schaute sie bei der Unterkunft vorbei, weil sie Arbeiter auf dem Dach gesehen hatte. Als sie die verbrannte Fassade sah, erschrak sie. Die Frau und ihr Begleiter fragten, wie es den Bewohnern gehe, und wollten wissen, ob der Täter schon bekannt sei.

Währenddessen flickten einige Arbeiter einen Teil des Daches mit den Schindeln, die noch zu gebrauchen waren. Den Teil des Daches über dem Verwaltungstrakt deckten sie mit einer Plane notdürftig ab. Dieser Teil des Dachstuhls muss aber wohl abgerissen werden. Er besteht nur noch aus verkohlten Balken. Damit er nicht einstürzt, stützten die Arbeiter diesen Teil des Dachs ab, indem sie neue Balken einzogen.

Auch die Räume des Verwaltungstrakts darunter sind nicht mehr zu gebrauchen. Die Mitarbeiter müssen nach Auskunft der Regierung von Oberbayern, die das Heim verwaltet, neue Räume beziehen. Die zehn Asylbewerber, die im hinteren Teil des Gebäudes untergebracht sind, können zumindest vorerst in ihren Wohnungen bleiben. Die Arbeiter wurden von Kindern beobachtet, ansonsten ließ sich am Nachmittag kaum ein Bewohner des Heims sehen.

Fahndung nach dem Täter

Der vermeintliche Täter machte sich nach Informationen der Polizei vermutlich gegen 2.45 Uhr in der Früh an der Holzfassade zu schaffen. Einer der zehn Asylbewerber will ihn dabei beobachtet haben. Den Täter beschreibt er der Polizei als etwa 30 Jahre alten, zirka 1,75 Meter großen Mann. Die Polizei geht davon aus, dass der Brandstifter durch den Asylbewerber gestört wurde. Denn erst gegen 4.45 Uhr bemerkte ein heimkehrender Asylbewerber den Brand an den Holzlatten.

Daraufhin weckte er die Bewohner im Gebäude auf und rettete so deren Leben. Auch der Lebensretter gibt an, den Brandstifter gesehen zu haben, der sich daraufhin aus dem Staub machte. Die Polizei geht davon aus, dass beide Zeugen den gleichen Mann gesehen haben. Um 4.49 Uhr ging bei der Feuerwehr der Alarm los. Mit Zügen aus Unterpfaffenhofen und Geisenbrunn eilten sie zum Brand, den sie rasch unter Kontrolle brachten. Gegen 6.30 Uhr hatten sie das Feuer gelöscht.

Die Brandermittler der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck untersuchten am Vormittag den Brandort und hatten einen Spürhund dabei, um den möglichen Einsatz eines Brandbeschleunigers herausfinden zu können. Doch der Hund konnte laut Polizei keine Reste eines Beschleunigers erschnüffeln.

Die Asylbewerberunterkunft in Germering besteht seit 1993. Derzeit leben dort vor allem Flüchtlinge aus Afrika und dem Nahen Osten sowie aus Afghanistan. In den Jahren seit dem Bestehen der Unterkunft ist es nach Angaben der Regierung von Oberbayern zu keinen ausländerfeindlichen Vorfällen im Zusammenhang mit der Unterkunft gekommen.