Bildbearbeitung Die Verwandlung

Der Puchheimer Frank Werner erklärt auf den Fürstenfelder Naturfototagen den "Workflow", den ein Bild auf dem Weg in den Vortragssaal durchläuft

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Es kann schon ein wenig frustrierend sein, all die perfekten, großformatigen Tieraufnahmen zu sehen, wie sie auch bei den Internationalen Fürstenfelder Naturfototagen zu sehen waren. Denn um so etwas hinzubekommen, das wissen auch die sehr ambitionierten Fotografen unter den zahlreichen Besuchern, benötigt man nicht nur eine exzellente Kameraausrüstung und das Knowhow über die richtigen Lichtbedingungen und die optimale Zeit-Blenden-Kombination, Perspektive sowie viel Geduld. Die nächste Klippe gilt es bei der Präsentation zu überwinden. Denn reine Fotoausstellungen sind im privaten Bereich die Ausnahme, die Bilder von der Bergexpedition oder der Fotosafari im Urlaub werden vorzugsweise am Computerbildschirm gezeigt oder per Beamer an die Wand geworfen. Wie so etwas in Perfektion aussehen kann, haben erneut namhafte Fotografen von Freitag bis Sonntag bewiesen - darunter Stammgast Bernd Römmelt ("Abenteuer Alaska"), der den Veranstalter Udo Höcke 2001 den Umzug mit den Naturfototagen von Rosenheim nach Bruck empfohlen hatte.

Wie aber entsteht eine digitale Diaschau? Frank Werner aus Puchheim, Chef der Firmen Extreme visual Media und Pixelcomputer, steht in der Tenne und gibt den Besuchern Tipps. Seit mehr als 15 Jahren ist er als Digital Imaging Consultant in Europa und den USA unterwegs und arbeitet für Agenturen, Firmen wie Ebay, Corbis Images, Swarovski, Lufthansa oder das ZDF. Der 51-jährige Chef von zwölf Angestellten kombiniert seine Ausbildung als Fotograf mit dem Studium der Wirtschaftsinformatik. Ebenso wie bei Mitbewerbern können auch engagierte Hobbyfotografen bei mehrtägigen Workshops in seiner Imaging School beispielsweise den gesamten Workflow vom Drücken des Auslösers bis hin zur Multivisionsshow lernen.

Fotos, Fotos, Fotos - eines eindrucksvoller als das nächste. Das gilt auch für die Siegerbilder des Glanzlichter-Wettbewerbs (links: "Heidelbeerstrauch-Spiegelung" von Ewald Neffe, 2002, und "Drei Spatzen" von Friedrich Matthes, 2001).

(Foto: Günther Reger)

Und so könnte s aussehen: Wer, wie heute üblich, viele Hundert Fotos mit nach Hause bringt, sollte erst einmal die nicht so gelungenen Aufnahmen löschen - viel mehr als 250 sollten es für einen Abendvortrag nicht sein. Alle anderen Fotos lassen sich in der Regel "an einem Sonntag" nach grundsätzlichen Einstellungen größtenteils automatisiert bearbeiten und katalogisieren. Zum Einsatz kommen kann dabei Adobe Lightroom. Das Programm ist deutlich günstiger als das bekannte Profi-Programm Adobe Photoshop und bietet trotzdem in einigen Bereichen mehr Möglichkeiten. Wer sehr hohe Ansprüche hat und auch Texte und Videos einblenden will, kann zu Programmen wie Wings Platinum oder M.Objects greifen.

Grundsätzlich empfiehlt Werner, Fotos im originalen RAW-Format, also als "digitales Negativ", aufzunehmen, weil dadurch alle Bildinformationen nachträglich für die Bearbeitung zur Verfügung stehen. Dann können Weißabgleich, Belichtung, Verzerrung, Farbe und Ausschnitt korrigiert werden und viele Einstellungen für eine Stapelverarbeitung angewendet werden - "während man sich ganz gemütlich einen Tatort ansehen kann", so Werner.

Es geht auch zwei Nummern kleiner: Wer erst einmal mit dem Handy experimentieren will, für den gibt es Apps wie "Pro Camera" für ein paar Euro, mit denen man ebenfalls RAW-Dateien produzieren und viele Einstellungen vornehmen kann.

Der Puchheimer Frank Werner an seinem Stand.

(Foto: Extreme visual Media)

Frank Werner selbst schwört auf Mittelformat, wenn er Ballbesucher in Venedig porträtiert. Und wenn er in die Berge geht, hat er eine handliche Kamera mit fest eingebautem Zoom dabei.