A 96 zwischen Eching und Wörthsee Angst vor der Blechlawine

Schon an normalen Tagen staut es sich oft auf der A 96: Doch nun steht die bislang umfangreichste Sanierung an. Wohin die Pendler dann ausweichen sollen, wissen selbst die Planer nicht.

Von Erich C. Setzwein

Der Baustellen-Stau ist programmiert, doch kann sich noch niemand so recht vorstellen, wann und wo der Verkehr im Landkreis Fürstenfeldbruck zum Stillstand kommt. Klar ist nur, dass es bei der bislang umfangreichsten Sanierung auf der Autobahn 96 zwischen Eching und Wörthsee zu Rückstaus im Berufsverkehr kommen wird. Wohin die Autofahrer ausweichen, wissen auch die Planer noch nicht.

Wir erwarten keine Staus von zehn Kilometer Länge wie im vergangenen Jahr", beruhigt Gernot Rodehack von der Autobahndirektion. Er geht von "300 bis 400 Meter" am Beginn der jeweiligen Baustelle aus. Denn anders als 2010, als in den Tunneln von Etterschlag (Landkreis Starnberg) und Eching (Landkreis Landsberg) gearbeitet und die Autobahn auf eine Spur eingeengt wurde, sollen den Autofahrern jeweils zwei Fahrstreifen zur Verfügung stehen.

In Richtung Lindau führt die Route sowohl in Etterschlag als auch in Eching durch eine zweispurige Tunnelröhre, in Richtung München bei Eching auf der ebenfalls zweispurigen Begleitstraße um die Baustelle herum. In Etterschlag muss, wie berichtet, eine komplett neue Straße für die sechsmonatige Tunnelsanierung gebaut werden. Während in Etterschlag zwei Brücken für die Überquerung dieser Behelfs-Autobahn nötig sind, um von Steinebach in den anderen Ortsteil zu kommen und wieder zurück, ist es in Eching nur eine Brücke, die den durch die Autobahn geteilten Ort verbinden soll. Die Reaktion darauf im Echinger Gemeinderat war nach Auskunft Rodehacks alles andere als erfreulich, weshalb die Planung nun abgeändert wird.

Schon jetzt stockt auf dem auch während der Bauarbeiten betroffenen Abschnitt der A 96 Richtung München morgens und abends der Verkehr, teils wegen Unfällen oder teils aus reiner Überlastung. Autofahrer nutzen dann Schleichwege über Kottgeisering und Grafrath auf die Bundesstraße 471. Rodehack glaubt dennoch nicht daran, dass die B 471 zur Entlastungsstrecke wird. "Wir wollen den Schleichverkehr so gering wie möglich halten."

Die Straßenbauer wollen den Autofahrern anscheinend Anreize bieten, die Autobahn nicht verlassen zu müssen. Während in den Tunneln die gesetzlich erforderlichen Sicherheitssysteme nachgerüstet werden, soll der Verkehr einfach vorbeilaufen. "Die Leistungsfähigkeit wird nicht eingeschränkt", sagt Rodehack über die Ersatztrasse, nur die Geschwindigkeit werde "nicht so hoch wie im Tunnel" sein, wo Tempo 100 gilt. Jeweils zwei Richtungsfahrbahnen würden den gesamten Verkehr aufnehmen. Es seien, wie bei vielen anderen Autobahnbaustellen auch, nur Verschwenkungen.

Allerdings mit einem hohen Aufwand: Die Auf- und Abfahrten vor und hinter dem Echinger Tunnel auf die Staatsstraße - die Trasse der alten B 12 - müssen gebaut werden, dazu ein Anschluss Richtung Stegen. Ist dann der Verkehr nach München wieder auf der A 96, wird er wenige Kilometer wieder ausgeleitet und auf einer völlig neu gebauten zweispurigen Straße am Etterschlager Tunnel vorbeigeführt. Denkbar, dass einige den möglichen Stau entgehen wollen und in Inning auf die B 471 ausweichen.

Rodehack und seine Mitarbeiter sind momentan dabei, die Kosten für das zweistellige Millionenprojekt zusammenzuschreiben und den Antrag an den Bundeshaushalt zu formulieren. Gefordert ist, dass die Tunnel bis 2014 einen höheren Brandschutz und extra Fluchttreppen bekommen, dazu ein leistungfähiges Entwässerungssystem, das im Falle eines Feuers die enormen Mengen Löschwasser aufnehmen kann. Die Autobahnbauer gehen von einer halbjährigen Bauzeit in den Sommermonaten aus. Das dafür vorgesehene Baujahr 2013 wird nach Einschätzung Rodehacks aber wahrscheinlich nicht mehr eingehalten werden können, weshalb nun von 2014 die Rede ist.