Trauriges Kapitel Gedenkstele erinnert an KZ-Außenlager

Johann Pleßl hat ein Teil einer Baracke vom Neufahrner Außenlager des Dachauer Konzentrationslagers in einer Scheune aufbewahrt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Heimat- und Geschichtsverein weiht Ende April ein Mahnmal am südlichen Ortsrand von Neufahrn ein - genau 72 Jahre nach der Befreiung der Häftlinge, die dort eine Rollbahn errichten sollten

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Es ist ein trauriges Kapitel der Neufahrner Ortsgeschichte und vielen ist es gar nicht bekannt: Am südlichen Ortsrand befand sich einmal ein Außenlager des KZ Dachau. Der Heimat- und Geschichtsverein will daran nun mit einer Gedenkstele erinnern. Diese wird auf dem Gelände des Wasserzweckverbands an der Dietersheimer Straße aufgestellt und am Samstag, 29. April, um 14 Uhr geweiht.

Der Termin ist mit Bedacht gewählt: Am 29. April 1945 hatten die amerikanischen Truppen Neufahrn besetzt. Gegen 14 Uhr waren die Panzer von Eching kommend nach Neufahrn vorgerückt. "Die letzten KZ-Bewacher machten sich aus dem Staub, und eine Stunde später öffneten die Befreier den Häftlingen vor 72 Jahren die Tore des Lagers", weiß Ernest Lang. Der Historiker, Journalist und Vorsitzende des Heimatvereins setzt sich seit Jahren intensiv mit der Geschichte Neufahrns auseinander.

Das KZ-Außenlager Neufahrn war erst in den letzten Kriegswochen errichtet worden. Die Häftlinge mussten mit Pickeln und Schaufeln in der Garchinger Heide eine Ersatzrollbahn für den oft bombardierten Flugplatz in Schleißheim bauen. Lang verweist auf Luftaufnahmen der US-Airforce, die am 20. April 1945 aufgenommen wurden: "Darauf sind sowohl das KZ-Außenlager als auch die im Bau befindliche Rollbahn in der Garchinger Heide gut zu erkennen." Nach der Befreiung versuchten die meisten Häftlinge, möglichst schnell in ihre Heimat zurückzukehren. Die Polen seien aber von den Amerikanern an die Russen ausgeliefert worden, "das war eine ganz bittere Sache", berichtete Otto Steinberger einmal. Der zweite Vorsitzende des Heimatvereins ist auf einem Bauernhof an der Dietersheimer Straße aufgewachsen und hat die Geschehnisse selbst miterlebt. Häftlingssprecher Josef "Jupp" von der Bank ist in Neufahrn geblieben.

Die 18 hölzernen Häftlingsbaracken wurden bereits im Frühsommer 1945 abgerissen und von der Gemeinde an örtliche Landwirte verkauft. Auch auf dem Hof der Familie Pleßl an der Echinger Straße wurde so eine Baracke aufgestellt. Sie hätten das Dach, das nur aus dünner Teerpappe bestand, ausgebessert und dort Maschinen untergestellt, erzählte Johann Pleßl senior vergangenes Jahr im Gespräch mit der SZ. Nach sieben oder acht Jahren sei das Holz aber kaputt gegangen, es wurde Brennholz daraus gemacht und der Unterstand schließlich beseitigt: "Da hab ich ein Stück Giebel auf die Seite gestellt und mir gedacht, das kann man ja mal aufheben." Lange lag das Teil auf dem Heuboden. Doch dann unterhielt sich der Fürholzener Heimatforscher Ernst Keller mit Pleßl, das Gespräch kam auf das Barackenteil und inzwischen ist es sogar in einem Film zu sehen: Johann Pleßl erzählt davon in der Dokumentation "Als der Luftkrieg in unsere Heimat kam". Auf dem Gelände an der Dietersheimer Straße stehen inzwischen ein Hotel und das Verwaltungsgebäude des Wasserzweckverbands. Die kirchliche Weihe des Mahnmals dort nehmen die evangelische Pfarrerin Anna Hertl und der katholische Pfarrer Otto Steinberger vor. Ansprachen halten der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten Karl Freller, Bürgermeister Franz Heilmeier und Ernest Lang für den Heimat- und Geschichtsverein.