Kritik am Schafhof Streichelzoo statt Kunstspektakel?

Aus Sicht der Freien Wähler locken die teuren Kunstspektakel im Schafhof zu wenig Besucher an.

(Foto: Marco Einfeldt)

Kaum Besucher und jedes Jahr teurer: Die Freien Wähler stellen das Schafhof-Konzept infrage und irritieren damit Kollegen im Bezirkstag. Die Pachtausschreibung des ansässigen Cafés bleibt strittig.

Von Christian Gschwendtner und Anna Dreher, Freising

Die Aufregung um den Schafhof reißt nicht ab. Der Bezirk Oberbayern, dem das Künstlerhaus in Freising gehört, muss sich weiter massive Kritik gefallen lassen. Erwiesenermaßen hat er das Café am Schafhof im November 2015 neu ausgeschrieben - ohne jedoch den Vertrag mit dem jetzigen Pächtertrio aufzukündigen. Dieser läuft noch bis 30. April 2017. Der Moosburger Bezirkrats Johannes Becher (Grüne) sieht noch immer erheblichen Erklärungsbedarf und ist nicht der Einzige, der seinen Unmut über die Lage äußert.

Im Bezirksrat sind ihm die Freien Wähler beigesprungen, die sogar noch einen Schritt weiter gehen: Neben der Kritik an der Ausschreibungspanne stellen sie das künstlerische Gesamtkonzept des Schafhofs prinzipiell infrage. Sie weisen darauf hin, dass der Kunstbetrieb auf dem Hügel seit Jahren großzügig vom Bezirk bezuschusst werde, die Ausgaben aber immer weiter ansteigen. So ist etwa für das laufende Jahr ein Zuschuss von 454 200 Euro im Bezirkshaushalt eingeplant. Aus Sicht der Freien Wähler zu viel Steuergeld für ein Kunstspektakel, das angeblich zu wenige Besucher anlockt.

Ihre Idee zu einem Streichelzoo hat Bezirksrätin Heigl nicht aufgegeben

"Das Defizit steigt pro Jahr um fünf bis zehn Prozent, auf Dauer ist das untragbar", sagt Fraktionschef Rainer Schneider. Noch schlimmer: Man habe es versäumt, ein massenkompatibles Angebot für Familien auf die Beine zu stellen. Auch die Zollingerin Marianne Heigl teilt die Einschätzung ihres Parteikollegen. Das Kunstprogramm im Schafhof findet sie zu elitär. "Schade, dass es kein Konzept gibt, das alle Bürger im Landkreis anspricht", sagt Heigl. Vor Jahren hat die Bezirksrätin deshalb die Idee eines Streichelzoos auf dem Schafshügel ins Spiel gebracht, war damals aber ausgebremst worden. Ganz aufgegeben hat Heigl ihren Vorschlag noch nicht.

Der Grünen-Bezirksrat Becher sieht hingegen keine Veranlassung zu einer Grundsatzdebatte über das Künstlerhaus. "Wer etwas anders haben will, muss ein konkretes Konzept vorlegen", sagt er. Mit dem jetzigen Programm ist er ebenso zufrieden wie Simon Schindlmayr, sein CSU-Kollege im Bezirksrat. Schindlmayr kann nicht nachvollziehen, warum die Freien Wähler plötzlich die roten Zahlen des Schafhofs kritisieren, wo sie doch dem Bezirkshaushalt bisher immer zugestimmt haben. Kultur sei nun mal ein "Draufzahlgeschäft", dafür stellen Künstler aus ganz Europa ihre Projekte im Schafhof aus.

Auch Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) zeigte sich überrascht über die Äußerungen der Freien Wähler. "Wir haben das doch in den Gremien diskutiert, der Haushalt für 2016 wurde einstimmig verabschiedet", sagt Mederer. "So etwas bringt doch öffentlich nichts, wir sollten uns auf unsere Arbeit konzentrieren und Ruhe in die Sache bringen." Was an dem Konzept des Schafhofs falsch sein solle, könne er nicht nachvollziehen. "Wir führen Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen und tragen so zur Völkerverständigung bei. Das ist gerade jetzt wichtig und eine schöne Aufgabe."

"Es geht nicht darum Gewinn zu machen", sagt Schafhofleiter Berg

Der künstlerische Leiter des Schafhofs, Aike Berg, ist gleichzeitig der Statthalter des Bezirks Oberbayern in Freising und betont als solcher immer wieder, wie vielfältig das Kunstprogramm inzwischen geworden sei. Anders als die Freien Wähler behaupten, seien die Besucherzahlen in den vergangenen Jahren klar gestiegen. Bisher habe sich noch nie jemand persönlich bei ihm beschwert, sagt Berg. Und außerdem: "Es geht auch nicht darum Gewinn zu machen, sondern darum, dass der Bezirk seinen kulturellen Verpflichtungen nachkommt". Anfang April hat Berg jedenfalls die Möglichkeit, die Freien Wähler an Ort und Stelle von seien Ideen zu überzeugen. Dann wollen die Politiker nach Freising kommen, um im Schafhof ihre Fraktionssitzung abzuhalten.

Was die ungültige Pachtausschreibung betrifft, so ist noch immer strittig, ob Berg der Zollinger Firma "Muskat Catering Partyservice" im Rennen um das Schafhof-Café eine inoffizielle Zusage erteilt hat. Entgegen anderslautender Verlautbarungen hat der Bezirk das stets dementiert. Einige der Mitbewerber fühlten sich damals systematisch ausgebootet. Es kursieren eine ganze Reihe kurioser Geschichten: Eine Bewerbung soll etwa unter den Tisch gefallen sein, weil im Schafhof-Briefkasten eine Meise nistete und dieser deshalb vorübergehend ignoriert wurde.

Die Bezirkstags-Grünen wollen derlei Pannen für die Zukunft verhindern. Sie wollen einen Antrag in den Kulturausschuss einzubringen, der den Bezirk zu rückhaltloser Aufklärung und mehr Transparenz verpflichtet. Ein entsprechender Beschluss soll in einer Fraktionssitzung am Wochenende fallen.

Kommentar: Bitte elitär bleiben Die Verwandlung des Künstlerhauses Schafhof in einen Streichelzoo oder etwas ähnlich Banales wäre ein Verlust für Freising und den Bezirk. Von Peter Becker Aufregend ist es, sich mit einem Nachtsichtgerät vor Augen durch ein dunkles Tonnengewölbe zu tasten. Plötzlich flackert ein Infrarot-Video auf mit Szenen aus dem syrischen Bürgerkrieg. Der Bulgare Petko Dourmanas hat diese Bilder vor zwei Jahren im Schafhof, dem Europäischen Künstlerhaus des Bezirks in Freising, in Szene gesetzt. Zugegeben, diese beklemmende Art von Kunst ist nicht jedermanns Sache. Es muss auch nicht immer Hardcore sein: Die Holografien, die jüngst im Schafhof zu sehen waren, lieferten faszinierende Bilder. Dem wollen die Freien Wähler im Bezirkstag nun ein Ende bereiten. Zu teuer, zu elitär, so die Kritik am Schafhof-Konzept. Statt futuristischer Ausstellungen, wie es sie in dieser Art oft nur in Metropolen wie New York oder London zu sehen gibt, wollten sie schon vor Jahren einen Streichelzoo installieren. Vorwitzige Kitzlein und wiederkäuende Schafe, die dem ehrwürdigen Gebäude einst seinen Namen verliehen, sollten Besucher anlocken. Dazu würden vielleicht noch Hühner gackern - ganz verabschiedet hat man sich von dieser Idee offenbar nicht. Ob das mehr Leute dazu animieren würde, den Hügel zum Schafhof zu erklimmen, ist fraglich. Schon das Bauernmuseum, dass dort in den Neunzigerjahren residierte, musste mangels Interesse geschlossen werden. Familien mit Kindern braucht der Schafhof nicht extra anzulocken. Schon jetzt tummeln sich die Kleinen auf dem Freigelände oder im Gebäude, während ihnen die Eltern bei Kaffee und Kuchen zusehen. Die Verwandlung des Künstlerhauses in einen Streichelzoo oder etwas ähnlich Banales wäre ein Verlust für Freising und den Bezirk. Gerade osteuropäische Künstler, die dort ausstellen, verlassen ausgetretene Pfade und regen die Fantasie an. Kultur bleibt ein Zuschussbetrieb, da nehmen sich 454 000 Euro Miese pro Jahr bescheiden aus. Besser sollte sich der Bezirk Gedanken machen, wie er auf dem Schafhof Einnahmen generieren kann, um das Defizit zu mindern.