Sozialer Wohnungsbau Was Freising wirklich braucht

60 bis 70 Millionen Euro, so befürchtet die SPD, könnte am Ende die Sanierung des Asamkomplexes kosten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Freising muss bei seinen Plänen Abstriche machen, sagen SPD-Vertreter. Bis zu 70 Millionen Euro könnte die Sanierung des Asamkomplexes kosten, 27 Millionen kostet der Umbau der Innenstadt. Oben auf der Liste muss hingegen der soziale Wohnungsbau stehen.

Von Kerstin Vogel, Freising

Die SPD in Stadt und Landkreis Freising bleibt dabei: Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist die große Herausforderung für die Zukunft in der Region. Landkreisweit würden 500 bis 700 Sozialwohnungen fehlen, sagte Kreisrat Anton Neumaier am Dienstag bei einer Pressekonferenz zum Jahresbeginn. Die Sozialdemokraten plädieren deshalb für ein entsprechendes "Aktionsprogramm", bei dem alle an einem Strang ziehen. Gleichzeitig erneuern sie ihre Forderung nach einer Weiterentwicklung der landkreiseigenen Wohnbaugesellschaft.

Für die Stadt Freising kündigte Ortsvorsitzender Markus Grill einen erneuten Anlauf zur Einführung eines Mietspiegels an. Stadtrat Peter Warlimont forderte, die in den kommenden Jahren geplanten Investitionen noch einmal genau zu prüfen, um eventuell Geld für den dringend notwendigen sozialen Wohnungsbau locker machen zu können.

Auf Freising kommen Kosten in ungewisser Höhe zu

Bei der Sanierung des Freisinger Asamkomplexes könnte man am Ende bei Kosten von 60 bis 70 Millionen Euro landen. Die Zuschussfrage sei noch völlig ungeklärt, gleiches gelte für den Umbau der Innenstadt, der nach jetzigem Stand gut 27 Millionen kosten dürfte, listeten die Genossen auf. Hinzu kämen die Pflichtaufgaben im Bereich der Schulen und Kindergärten - und auch die Kreisumlage dürfte in den kommenden Jahren auf ihrem jetzigen Niveau nicht mehr zu halten sein, wie Neumaier warnte.

Für das dringend erforderliche Aktionsprogramm zur Schaffung von bezahlbaren Wohnungen müssen nach Einschätzung der Genossen möglicherweise Abstriche gemacht werden. Es sei eine gemeinsame Aufgabe der Freisinger Stadträte, sich dem zu stellen und zu bekennen, was machbar ist und was nicht, so Warlimont. Die SPD kann sich dabei offenbar vorstellen, die geplante Öffnung der Stadtmoosach zeitlich wenigstens nach hinten zu schieben. Weitere Posten, die zur Disposition stehen, sind für die Sozialdemokraten etwa der geplante Bau des Radwegs von Freising nach Sünzhausen - oder der Umbau der Unterführung am Bahnposten 15, wie Stadtrat Helmut Weinzierl aufzählte.

"Bevor die Kommunen Obdachlosenunterkünfte bauen müssen, sollten sie lieber in Sozialwohnungen investieren"

Zusätzlich verschärft werde die Situation auf dem Wohnungsmarkt in der Region durch die Asylthematik, sagte Kreisrat Neumaier: "Auf uns rollt eine Anerkennungswelle zu." Seine Befürchtung: Asylbewerber, die bleiben dürfen, benötigten in den kommenden Jahren ebenfalls bezahlbaren Wohnraum, andernfalls würden sie obdachlos. Neumaiers Schlussfolgerung: "Bevor die Kommunen dann Obdachlosenunterkünfte bauen müssen, sollten sie lieber gleich in Sozialwohnungen investieren." Das allerdings gehe nur, wenn der Staat Geld locker mache. In der Stadt Freising koste der Bau einer einzigen Sozialwohnung bereits an die 200 000 Euro, so der SPD-Kreisrat, in der Summe gehe das "in die Hunderte Millionen". Und bei allen Anstrengungen für die Asylbewerber dürfe man zudem "unsere eigenen Leute nicht vergessen, sonst entsteht hier massiver sozialer Sprengstoff", warnte Neumaier.

Ganz klar mit in der Pflicht sieht die SPD beim Thema Wohnungsbau die großen Arbeitgeber in der Region, namentlich die FMG und die Lufthansa. Zwar habe die Flughafengesellschaft angekündigt, 600 Wohnungen bauen zu wollen, so der Kreisrat, anscheinend gebe es aber auch dafür keine Grundstücke. "Aber wer immer die dritte Startbahn im Kopf hat, soll sich erst einmal mit um bezahlbaren Wohnraum kümmern", so Neumaiers Forderung: "Wenn das alles sonst niemand sagt, müssen es eben die Sozialdemokraten tun."