Firmengründer Männlich, risikobereit, erfolgreich

Bei Start-ups geht es oft etwas unkonventioneller zu.

(Foto: Bloomberg)

Eine Studie zeigt, dass Berlin die "Gründerhauptstadt" ist - doch Start-ups aus München behaupten sich öfter erfolgreich am Markt. Die Vorteile in der Landeshauptstadt: Die Nähe zu Investoren und zu qualifizierten Mitarbeitern.

Von Fabian Trau

Mut gehört dazu. Risikobereitschaft. Und, na klar, eine Idee. Ein Unternehmen aufzubauen, das sei wie eine Achterbahnfahrt, so hat Veit Blumschein es mal in einem Fragebogen beschrieben. Vor sechs Jahren ging sie für ihn los, die Achterbahnfahrt. Blumschein entwickelte eine Reisesuchmaschine, eine Internetplattform, mit der man Angebote von Verkehrsmitteln wie Bahn, Flug, Fernbus und sogar Mitfahrgelegenheiten vergleichen kann. Seine Seite heißt fromatob.de, von A nach B. Blumschein baute sein Geschäft zunächst in Aachen auf, zog dann aber nach München. "In anderen Städten wird Geld in Start-ups gepumpt, ohne das Unternehmenskonzept zu hinterfragen", sagt der Gründer. "In München wartet man, bis man größere Kredite aufnimmt. Hier wird nachhaltiger gegründet."

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Was Blumschein aus eigener Erfahrung weiß, hat nun eine Studie des Bundesverbands Deutsche Start-ups bestätigt. Zwar ist Berlin als "Gründerhauptstadt" unangefochtener Spitzenreiter bei der Zahl der Neugründungen: Knapp 39 Prozent der deutschen Start-ups sind in Berlin ansässig, nur acht Prozent stammen aus München. Dafür sind die Gründer an der Isar erfolgreicher. 94,4 Prozent der Unternehmen behaupten sich, überleben am Markt. In Berlin scheitert einer von zehn und hat im vergangenen Geschäftsjahr keinen Umsatz mehr erzielen können.

Gründer mit Erfolg

"Münchens Vorteil ist die Verfügbarkeit von hochqualifizierten Mitarbeitern und die Nähe zu Investoren", sagt Unternehmensgründer Blumschein. Inzwischen arbeiten 28 Mitarbeiter für ihn. Die Internetplattform erwirtschafte einen sechs- bis siebenstelligen Umsatz. "Europas führende Reisesuchmaschine", lautet die Werbung. Das Geschäft läuft offenbar. Laut Statistik sitzen in München die meisten Start-up-Unternehmen, die sich mindestens schon fünf Jahre halten konnten.

Scheitern in München ist teuer, weil auch das Leben hier mehr kostet, als in fast allen anderen deutschen Städten. "Trial and error" - Versuch und Irrtum - muss man sich hier leisten können. In Berlin, sagt Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Startups, sei das hingegen gängige Praxis. "Nirgendwo ist es so billig zu scheitern, wie in der Hauptstadt." Auch wenn die Münchner Unternehmensgründer höhere Risiken eingehen, ihre Umsätze sind laut der Studie im Durchschnitt besser als in allen anderen Regionen: Fast 56 Prozent der Jungunternehmer erzielten hier einen Umsatz von 250 000 bis zehn Millionen Euro. In Berlin schafften das immerhin noch vier von zehn Start-ups. Der Bundesdurchschnitt liege noch niedriger bei knapp 39 Prozent. Gemessen an den ganz großen Gewinnern hänge die Hauptstadt München allerdings wieder ab. In München erwirtschaften laut der Studie etwa drei Prozent der Start-ups einen Umsatz von mehr als zehn Millionen Euro - in Berlin schafften das sogar rund zehn Prozent.

Münchner Gründer bedienen Privatkunden

Während sich viele Gründer in Berlin, Hamburg und der Rhein-Ruhr-Region vor allem auf Geschäftskunden konzentrieren, bedienen auffällig viele Münchner Start-ups Privatkunden. Münchner Start-ups, die es geschafft haben, sind neben fromatob.de beispielsweise das Fernbusunternehmen Flixbus und die Versicherungsvergleichswebseite finanzchef24.de.

Auffällig ist außerdem der hohe Anteil an Geisteswissenschaftlern unter den Münchner Gründern. Jeder Zehnte habe laut der Studie einen entsprechenden Abschluss. Im Bundesdurchschnitt gelte das nur für fünf Prozent der Start-up-Unternehmer. Die Mehrheit habe mit 35 Prozent ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen.

Der typische Unternehmensgründer ist nicht nur kreativ und risikobereit, er ist vor allem auch ein Mann. 89 Prozent der deutschen Gründer sind männlich, in München sind es 91 Prozent. Die meisten Start-up-Unternehmen sind - wie auch Veit Blumschein - im Internet-Servicebereich tätig, bundesweit sind es laut Statistik 21,1 Prozent. Weitere 12,3 Prozent betreiben Handel über das Internet. Und auch auf Platz drei folgt eine Branche, die ihr Geld in der digitalen Welt verdient: Immerhin 10,5 Prozent aller Start-up-Unternehmen in Deutschland programmieren Handy- und Web-Applikationen.