Fan-Projekt: Löwen-Fans gegen Rechts Ganz falsche Freunde

Alles hat seine Grenzen - auch im Fußball. Und für Herbert Schröger ist diese Grenze nun erreicht. Der ärgert sich über Neonazis im Fußballstadion - und wehrt sich nun dagegen.

Von Franz Kotteder

Eigentlich sollte Fußball ja ein Hobby sein, das Spaß macht. "Aber dann geht man ins Stadion und muss sich dauernd mit Nazis 'rumärgern", grantelt er, "während sich die Verantwortlichen schön heraushalten und nichts tun." Herbert Schröger ist zwar Kummer gewöhnt, er ist ja seit 40 Jahren Anhänger des TSV 1860 München, aber alles hat seine Grenzen. Wobei man wirklich nicht sagen kann, dass er nur schimpft. Er tut auch was gegen seinen Ärger. Indem er zum Beispiel einige Arbeit hineinsteckt in das Fan-Projekt "Löwen-Fans gegen Rechts".

Der 52-Jährige, der den versierten Astrid-Lindgren-Leser äußerlich ein wenig an Karlsson vom Dach in Groß erinnert, hat eigentlich Wichtigeres zu tun, wie er findet. Von Beruf her ist er Übersetzer und Schriftsteller. Zusammen mit der Autorin Katharina Gerwens hat er mehrere Niederbayern-Krimis rund um den fiktiven Ort Kleinöd im Piper-Verlag veröffentlicht (zuletzt "Rufmord in Kleinöd").

Momentan aber ist er mit einer Ausstellung beschäftigt. "Tatort Stadion" heißt sie, wurde vom bundesweiten "Bündnis aktiver Fußballfans" konzipiert und ist derzeit im "Farbenladen" des Feierwerks an der Hansastraße 31 zu sehen (bis zum 23. Juli, montags bis samstags von 15 bis 20 Uhr). Schröger macht Führungen für Schulklassen, es finden auch acht Veranstaltungen statt, die - schönes Detail - alle "um 18.60 Uhr Giesinger Zeit" beginnen, also landläufig um 19 Uhr.

Es geht dabei um RechtsradikaleT und Rassismus im Fußball, um Diskriminierung und Sexismus im Stadion. Für München war es notwendig, eine eigene Tafel mit dem Titel "Münchner Gschichtn" einzufügen. Da geht es auch um das gehäufte Auftreten von Neonazis bei den Sechziger-Spielen. Das hat wieder zugenommen, sagen die "Löwen-Fans gegen Rechts".

Seit etwa 15 Jahren hat die lose verbundene Fangruppe - es gibt keine Vorsitzenden oder dergleichen - gut zu tun, erzählt Schröger. "Das kam mit dem ersten Umzug in größere Stadien", erzählt der 52-Jährige, "zuvor, während der Zeit in der Bayernliga, war die Situation im kleinen Grünwalder Stadion noch überschaubar. Da haben sich die Nazis nicht so recht getraut." Jetzt aber, in der Allianz-Arena, wo sich die verbliebenen Sechziger-Fans im riesigen Rund fast verlaufen, treten sie wieder geballt auf.

Im inzwischen schon einschlägig bekannten "Block132" versammeln sich bei den Heimspielen der Löwen bis zu 100 Rechtsextreme und stadtbekannte Neonazis - jene Aktivisten etwa, die das sogenannte "Heldengedenken" auf dem Marienplatz abhalten, oder solche aus dem Umkreis von Martin Wiese und der berüchtigten "Kameradschaft Erding".

Mit solchen Leuten möchten auch eher unpolitische Löwen-Anhänger verständlicherweise nichts zu tun haben. Und weil seit den letzten Turbulenzen um den Verein aus Frust immer weniger Alt-Fans in die Arena kommen, "machen sich jetzt die Nazis wieder breit". Die Vereinsführung ignoriert das Problem noch, findet Schröger, es sei ihr natürlich unangenehm, wenn der TSV mit Nazis in Verbindung gebracht werde. Bisher habe sie dann meist auf die "Löwen-Fans gegen Rechts" verwiesen, und als die Gruppe vor zwei Jahren den Julius-Hirsch-Preis des DFB für Fanprojekte gegen Rassismus gewonnen hatte, war man auch im Präsidium mächtig stolz. "Da hatte der Verein plötzlich was Vorzeigbares", sagt Schröger, "ohne dass er irgendwas dazutun musste." Denn außer einer Änderung der Stadionordnung, die den Nazis wenigstens das Tragen von Nazi-Kluft und einschlägiger Transparente verbot, sei wenig passiert.

In der Zukunft sieht es nicht unbedingt besser aus. Bislang hat sich auch die "Cosa Nostra" darum gekümmert, dass die Rechten nicht überhand nahmen. Die "Cosa Nostra" ist bei den Sechzigern der sogenannte "Ultra-Fanclub", der unter den Fans für ein bisschen Ordnung und Struktur sorgt. Nach den Turbulenzen um den Verein und den Einstieg des Investors Ismaik hat sich die "Cosa Nostra" eine "Denkpause" verordnet. Schröger fürchtet nun, dass die Rechtsextremen dieses "Machtvakuum im Stadion" ausnutzen könnten.

In diesem Fall würde auch er, Sechziger-Fan seit 1972, nicht mehr gern mit seiner Frau ins Stadion gehen, wie es sonst geradezu Pflicht ist bei den Heimspielen. Auch sein Engagement kennt natürlich Grenzen, denn er findet: "Wenn so ein Verein jetzt eine Firma sein will, dann muss sich aber langsam auch mal die Firmenleitung um diese Sache kümmern. Wir sind da eigentlich gar nicht zuständig."