Fall Teresa Z. Münchner Prügel-Polizist kommt zurück

Der Polizist, der Teresa Z. verprügelt hat, soll bald wieder als Ordnungshüter arbeiten. Der Münchner Polizeipräsident will ihm eine zweite Chance geben.

Von Thomas Schmidt

Eine zierliche junge Frau liegt gefesselt in einer Zelle, ein Polizeibeamter schlägt ihr - mindestens einmal - ins Gesicht, bricht ihr Nasenbein und Augenhöhle. Über ein Jahr ist er nun her, der gewaltsame Übergriff eines damals 33 Jahre alten Polizeihauptmeisters auf die 23-jährige Teresa Z.

15 Monate lang war der inzwischen rechtskräftig verurteilte Beamte aus der Au, Frank W., vom Dienst suspendiert. Jetzt, am Mittwoch, wurde die Suspendierung aufgehoben. Frank W., so teilt es die Pressestelle der Polizei mit, werde seinen Dienst "demnächst" wieder aufnehmen.

Polizeipräsident Hubertus Andrä habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, betont sein Pressesprecher Wolfgang Wenger. Die Forderung habe im Raum gestanden, Frank W. aus dem Dienst zu entfernen. Aber der Mann habe Familie, Kinder, die Entscheidung hätte eine "enorme Auswirkung auf sein Leben", sagt Wenger. Das Vertrauen in den Beamten sei "zerrüttet, aber nicht zerstört". Also entschied Polizeipräsident Andrä letztlich, Frank W. eine zweite Chance zu geben.

Opfer wartet noch immer auf Schmerzensgeld

Mit einem Faustschlag brach ein Polizist Teresa Z. Nasenbein und Augenhöhle. Die Frau wartet weiterhin auf das Schmerzensgeld, das der Münchner Polizeipräsident ihr in Aussicht gestellt hat. Der verurteilte Beamte ist suspendiert - und bekommt weiter sein Gehalt. Von Susi Wimmer mehr ...

Der Polizist muss trotzdem mit einem deutlichen Karriereknick rechnen. Nach Abschluss des Strafverfahrens hat das Präsidium das Disziplinarverfahren wieder aufgenommen und beim Verwaltungsgericht die Degradierung des Polizeihauptmeisters beantragt. Auf welchen Rang er zurückfällt, liege allein im Ermessen des Gerichts, erklärt Wenger. Zudem müsse Frank W. mit einer fünfjährigen Beförderungssperre rechnen.

Weil das Präsidium vorerst vermeiden will, dass Frank W. als Polizist in Kontakt mit Bürgern komme, werde er in den Innendienst versetzt. Künftig werde er sich mit Dingen wie Einsatzplanung und Personalverwaltung beschäftigen. Frank W. müsse sich jetzt bei seiner neuen Dienststelle melden und klären, wann er wieder antritt. Es sei eine Frage von Tagen, sagt Wenger.

Der Beamte zeigte weniger Reue

Im August 2013 war Frank W. zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt worden. Polizeipräsident Andrä schrieb daraufhin einen Brief an Teresa Z., entschuldigte sich. Sein Beamter zeigte weniger Reue, legte Berufung ein und beharrte auf der Version, er habe aus Notwehr gehandelt. Doch auch das Landgericht sah keine Anzeichen für eine Notwehrsituation und verwarf die Berufung im März dieses Jahres. Gleichzeitig nahm das Polizeipräsidium das Disziplinarverfahren wieder auf.

Bei der Entscheidung, Frank W. nicht aus dem Dienst zu entfernen, habe man sich nun an dem Urteil des Strafverfahrens orientiert, erklärt Polizeisprecher Wenger. Das Gericht habe eine "positive Sozialprognose" erstellt, sei von einem "Augenblicksversagen" ausgegangen. Man habe sorgfältig abgewogen, sagt Wenger.

Außerdem habe das Präsidium nun eine erste Überweisung an die "Geschädigte" in Auftrag gegeben, berichtet der Sprecher. Es geht um Schmerzensgeld. Teresa Z.'s Anwalt fordert 17 500 Euro für den "traumatisierenden Vorfall". Wie viel sie jetzt bekommt, das will Wenger nicht sagen. "Über Summen reden wir nicht." Wenn ihr die Überweisung nicht reiche, müsse man neu verhandeln.