Vertragsende mit "One Eins Management" Anna Lena verlässt den Klum-Kosmos

Knebelverträge bei Pro Sieben? Nach Ansicht von Anna Lena Schuberts Rechtsanwältin war dies der Fall. Sie kämpfte dafür, dass die Topmodel-Kandidatin aus den Verträgen herauskommt. Jetzt spricht die Erdingerin über ihre Zukunftspläne.

Von Sarah Ehrmann

Erst Alisar, dann Jana, jetzt Anna Lena: Die Erdinger Ex-Anwärterin auf den Titel von Germany's Next Topmodel ist nicht mehr unter Vertrag bei Pro Sieben und der Heidi Klum GmbH Tochter One Eins Management.

Sie galt als heimliche Favoritin, doch ihre manchmal rüde Ausdrucksweise führte bei Model-Mama Klum nicht selten zu einer hochgezogenen Augenbraue und Ermahnungen. Letztlich landete die zierliche Brünette mit dem Milchkaffee-Teint in der sechsten Staffel der Pro-Sieben-Show auf Platz 4 - um fortan darum zu kämpfen, aus den beiden Verträgen herauszukommen, in die sie allein durch die Showteilnahme gerutscht war. Am Freitag gab ihre Anwältin bekannt: Anna Lena Schubert ist frei.

Meiner Ansicht nach handelt es sich um sittenwidrige Knebelverträge", sagt Anna Lenas Rechtsanwältin Susan Burmeister von der Münchner Kanzlei Paproth, Metzler, Dr. Ertel und Partner. "Die Verträge halte ich für eine unangemessene Benachteiligung der Models in ihrer Berufsausübung." Die Gegenseite, in diesem Fall zum einen Pro Sieben, zum andern One Eins Management habe die Vorwürfe zwar bestritten, dennoch mussten die Parteien nicht vor Gericht ziehen: Anna Lenas Vertrag lief am 31. August 2011 aus. Vom einseitigen Optionsrecht auf Verlängerung, das die beiden Firmen innehatten, machten sie dann keinen Gebrauch mehr. Sonst hätte Anna Lena bis zum 31. Mai 2013 im Vertrag bleiben müssen.

Dabei war sie schon im Juni, eine Woche nach dem Finale, unglücklich mit ihrem Ex-Topmodel-Status und der Agentur. "Die sagen mir nicht Bescheid, ich bekomme keine Castings", behauptete Anna Lena damals. Später sagte sie, dass sie nicht als "Rampensau auf irgendeiner Alm in der Kuhscheiße irgendwas moderieren" wolle. Laut Vertrag musste sie Pro Sieben für Sendungen zur Verfügung stehen; wenn sie selbst für Mode-Castings aktiv wurde, hatte bei One Eins Management Papa Klum das letzte Wort, berichtet Anwältin Burmeister.

Anna Lena erinnert sich gut, wie sie sich während der Dreharbeiten in Los Angeles mit Alisar Ailabouni, Siegerin der fünften Staffel, bei Facebook anfreundete. Die schrieb ihr nach dem Rauswurf "Gott sei Dank, bist du nicht unter den Top Drei", und schwärmte ihr vom Arbeiten außerhalb des Klum-Kosmos vor. "Alisar sagte, ich hätte das Potential für eine Karriere, und das solle ich nicht bei einer Agentur verschwenden, die sich nicht kümmert", sagt Anna Lena. Die Österreicherin Alisar ist inzwischen bei Eskimo Models Paris unter Vertrag.

Daran, dass sie in Erding ein kleiner Star ist, auf dem Herbstfest und im Café um Autogramme und Fotos gebeten wird, hat sie sich inzwischen gewöhnt. Nach Stationen in Aßling, London, Grafing kam sie vor zwei Jahren nach Erding, sie schätzt die Ruhe im Stadtpark und die Freundlichkeit der Menschen. Denn klar, sei auch sie nett, sagt Anna Lena, auch wenn es in der Serie manchmal anders gewirkt habe. "Ich fand selbst, dass ich schlecht rüberkam, aber wenn aus einer Woche nur mein Fluchen zusammengeschnitten wird, sieht das eben so aus."

Inzwischen hat die 21-Jährige ihre Balance wiedergefunden. Sie hat die Erfahrungen aus der Topmodelvilla etwas abgeschüttelt und ist erwachsener geworden. Gerade hat sie ihr erstes Casting ohne Agentur hinter sich: bei Puma. In den kommenden Wochen will sie den Vertrag mit einer Münchner Modelagentur unterschreiben. Und dann so schnell es geht ins Ausland, Amerika fände sie toll. Dort hofft die Erdingerin, den Topmodels-Ruf als Zicke und Ghettogöre abstreifen zu können und endlich das tun zu können, für das sie vor fast einem Jahr zum Topmodel-Casting fuhr: Topmodel werden, international.