Verkehrspolitik Ring und Spange

Die Planung der Verbindung von Erding zur Bahnstrecke nach Mühldorf ist fast fertig

Von Florian Tempel, Erding

Es gibt ja zurzeit laufend neue Meldungen: Der erste Abschnitt des Ringschlusses ist genehmigt, am Flughafen wird schon der S-Bahntunnel Richtung Osten erweitert; die Planungsunterlagen für Gleise, Tunnel und einen unterirdischen Bahnhof in Erding sind fertig und bei der Genehmigungsbehörde eingereicht; der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der Bahnstrecke München - Mühldorf ist so gut wie durchgeplant und sogar gesichert durchfinanziert; an der Neufahrner Kurve werden an diesem Wochenende die Weichen eingebaut, damit zum Fahrplanwechsel im Dezember die ersten Züge aus Regensburg und Landshut direkt zum Flughafen fahren können. Und was ist mit der Walpertskirchener Spange? "Ich war selbst etwas überrascht", sagt Josef Seebacher, Pressesprecher der Autobahndirektion Südbayern, "aber die Planungen sind tatsächlich schon ziemlich weit, fast fertig."

Auch wenn es sich ein bisschen abwegig anhört, ist die Autobahndirektion für die Planung des Erdinger Ringschlusses und der Walpertskirchener Spange zuständig. In der Abteilung 4 der Autobahnbehörde gibt es dafür extra das Fachgebiet Schieneninfrastruktur. Dessen Leiter Thomas Graf war vor einigen Wochen bei einer Konferenz des IHK-Regionalausschusses Erding-Freising im Hotel Victory in der Therme Erding. Graf blieb zurückhaltend, sagte aber auf eine Frage zum geplanten Tunnel in Erding und der Walpertskirchener Spange, "es kann sein, dass beides zeitgleich gebaut wird." Das ließ aufhorchen.

Die Walpertskirchener Spange ist ein ganz wesentliches Verbindungsstück in der Gesamtplanung zur besseren Erschließung des Münchner Flughafens. Das Zukunftskonzept sieht vor, dass später einmal werktags alle halbe Stunde Regionalzüge aus Salzburg oder Mühldorf kommend über Dorfen, die Walpertskirchener Spange und Erding zum Flughafen fahren. Hierbei werden etwa 6000 Fahrgästen pro Tag prognostiziert. Die Hälfte der Züge sollen als sogenannter Überregionaler Flughafenexpress (ÜFEX) nach dem Flughafen weiter über die Neufahrner Kurve und Freising nach Landshut bis Regensburg fahren. Die Walpertskirchener Spange ist gewissermaßen das Gegenstück zur Neufahrner Kurve im Osten.

Beginnen wird die Walpertskirchener Spange zwischen den zur Gemeinde Bockhorn gehörenden Weilern Bernau und Schwarzhölzl, die direkt an der Bahnlinie liegen. Die Einwohner in Schwarzhölzl sind die Leidtragenden: statt einer bislang noch geradezu beschaulichen Bahnstrecke, werden sie später einmal dreimal so viele Züge von zwei Seiten ertragen müssen. Die Planungen sehen zudem vor, dass die Gleise mit einem "Überwerfungsbauwerk ausgeschleift werden", sagt Pressesprecher Seebacher. Die Züge werden also zum Abbiegen über eine Brücke fahren. Auf den ersten Kilometern geht es dann ebenerdig über Äcker und Felder, südlich an Breitasch und nördlich an Papferding vorbei. Zwischen Neukirchen und Flanning geht es durch ein FFH-Naturschutzgebiet auf einer Brücke über die Strogen, dann parallel an der Staatsstraße Richtung Erding entlang an Ammersdorf vorbei bis zum Schollbächlein. Hier beginnt der tiefergelegte Abschnitt, der als Gleistrog beginnt und dann an der Erdinger Stadtgrenze zum Tunnel wird. Unter dem Keltereiberg geht es zum neuen Tiefbahnhof, der im Südwesteck des dann aufgelösten Fliegerhorsts entstehen wird. Alles in allem sind es gut 7,5 Kilometer von der Bahnline München - Mühldorf bis nach Erding.

"Unser Ziel ist, die Unterlagen für die Planfeststellungs bis Ende des Jahres einzureichen", sagt Seebacher - für den Abschnitt bis zur Stadtgrenze. Die Planungen für den Trog- und Tunnelabschnitt in Erding brauchten noch etwas mehr Zeit, seien jedoch auch schon sehr weit.

Die bayerische Staatsregierung hat die Planungen für die Walpertskirchener Spange schon vor vielen Jahren an sich gerissen, damit überhaupt etwas vorwärts ging. Der Bund hätte die Spange einfach noch ein paar Jahre oder Jahrzehnte liegen lassen. Bayern zahlt die Planungen "zu hundert Prozent" sagt Seebacher und die Autobahndirektion führt die Arbeit aus: "Auf uns lastet ein hoher politische Druck, dass wir die Planungen zu Ende bringen." Dabei arbeitet man mit vielen Externen zusammen. Elf Ingenieurbüros, Fachplaner und Gutachter haben die verschiedenen Aufgaben wie Umweltprüfungen, Baugrunduntersuchungen oder Wasser- und Hochwasserproblematik übernommen.