Doppelmord in Notzing Täter soll versucht haben, Leichen zu verbrennen

Der Ablauf des Notzinger Doppelmords ist geklärt: Der mutmaßliche Täter soll im Beisein der Tochter des ermordeten Ehepaars zunächst versucht haben, die Leichen zu verbrennen, dann an einem Weiher zu vergraben. Erst danach sollen sie die Toten im eigenen Garten verscharrt haben. Ob die Tochter aus Verängstigung oder unter Druck handelte, ist noch unklar.

Von Florian Tempel

Zwei Tage nach der Entdeckung des Doppelmords von Notzing haben die Ermittler den Ablauf der Tat weitgehend geklärt. Die Angaben des geständigen Christoph W., Ex-Freund der 17-jährigen Tochter des ermordeten Ehepaars Franz R., 60, und Heidi R., 54, deckten sich mit der Spurenlage und objektiven Beweismitteln, sagte Oberstaatsanwalt Georg Freutsmiedl von der Staatsanwaltschaft Landshut. Definitiv klar sei mittlerweile, dass die Tochter nicht am Mord beteiligt war. Sie war zum Tatzeitpunkt in der Berufsschule. Sie hat aber mitgeholfen, die Leichen ihrer Eltern verschwinden zu lassen.

Unter diesen zwei weißen Planen wurden die Leichen des ermordeten Ehepaars gefunden.

(Foto: dapd)

Dazu gab es neue Details: Bevor die Ermordeten in ihrem heimischen Garten verscharrt wurden, versuchte Christoph W. im Beisein der Tochter die Leichen in einer noch im Rohbau befindlichen Doppelhaushälfte in seinem Heimatort Lengdorf zu verbrennen. Als das nicht funktionierte, fuhren sie die Leichen in einem Auto zum Notzinger Weiher, um sie dort zu vergraben. "Auch das klappte nicht", sagte Freutsmiedl. Erst im dritten Anlauf wurden die Mordopfer schließlich in ihrem eigenen Garten vergraben.

Bei der Klärung des "kaum nachvollziehbaren Motivs" des mutmaßlichen Mörders "sind wir noch nicht weiter", sagte Freutsmiedl. Klärungsbedürftig sei zudem die Frage, in wie weit die Tochter mit eigenem Willen, aus Verängstigung oder unter Druck beim Vertuschen der Tat mitgemacht habe. "Der Ablauf am Tattag, dem Freitag, ist jedoch wohl eindeutig gesichert."

Demnach ist der 21-jährige Christoph W. kurz vor 8 Uhr in das Haus von Franz und Heidi R. eingedrungen, in dem zu diesem Zeitpunkt niemand anwesend war. Die Mutter war bei ihrem Aushilfsjob als Reinigungskraft, der Vater fuhr die Tochter mit dem Auto zur Berufsschule nach Erding. Als der Vater kurz nach 8 Uhr wieder heim kam, lauerte ihm sein Mörder auf und erstach ihn mit einem Messer, das er wohl aus der Küche des Hauses genommen hatte.

Nach dem ersten Mord muss Christoph W. mehrere Stunden abgewartet haben, bis die Mutter zwischen 10 und 11 Uhr nach Hause kam, und er auch sie mit mehreren Messerstichen umbrachte. Die Tochter fuhr nach der Schule zwischen 16 und 17 Uhr mit dem Bus nach Hause und traf dort auf Christoph W. und die Leichen ihrer Eltern.

Was sich darauf zwischen den beiden im Haus abspielte, dazu wollte Freutsmiedl keine Auskunft geben. Nur so viel: Nach übereinstimmenden Angaben haben sie gemeinsam "versucht, die Leichen zu beseitigen". Am Samstag und Sonntag hielten sie sich wohl zeitweise, aber nicht durchgehend im Haus auf. Der 24-jährige Sohn der Ermordeten habe am Wochenende mehrmals mit seiner Schwester telefoniert, die ihm "falsche Auskünfte" über den Verbleib ihrer Eltern gegeben habe.

Christoph W. muss bei einer Verurteilung am Landgericht Landshut mit einer lebenslange Freiheitsstrafe rechnen. Die Tochter der Opfer wird sich - wenn überhaupt - wegen Strafvereitelung wohl nur in einem Jugendverfahren am Amtsgericht Erding verantworten müssen.