Zorneding Zirkus um den Zirkus

Etwa 50 Tiere reisen mit dem Zirkus durch Deutschland, darunter auch Trampeltiere und Dromedare.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Auf Facebook regen sich zahlreiche User über den Zirkus Baldoni Kaiser auf, der mit vielen Tieren nach Pöring kommt. Es gibt zwar keinen konkreten Vorwurf, dennoch wird zum Boykott aufgerufen.

Von Valentina Antonucci, Zorneding

Laute Musik, ein großes Zelt, verkleidete Artisten und Clowns mit bunt geschminkten Gesichtern. Dazwischen fröhliche Familien mit Kindern, die staunend mit strahlenden Augen die verschiedenen Tiere bewundern. So oder so ähnlich stellen sich viele die Welt des Zirkus vor. Andere hingegen sind überzeugt davon, dass kein Tier freiwillig Kunststückchen macht - in den sozialen Netzwerken regt sich deshalb nun großer Protest gegen das Gastspiel des Zirkus Baldoni Kaiser in Pöring, das an diesem Mittwoch beginnen soll.

"Du bist aus Zorneding, wennst" heißt die Seite auf Facebook, in der die Diskussion entbrannt ist. Eine Userin postete das Werbeplakat des Zirkus mit der Überschrift (Du bist aus Zorneding, wennst) "nicht in den Zirkus mit den vielen Tieren (!!!) gehst! Kann man das nicht verbieten?" Zusätzlich wurde Bürgermeister Piet Mayr (CSU) in dem Beitrag markiert, eine Antwort von ihm gab es auf Facebook jedoch nicht.

Auf SZ-Nachfrage erklärt er, dass ein Verbot des Zirkus' nicht möglich sei, da sich dieser auf einem Privatgrund befinde und gegen keine Regeln verstoße. Persönlich Stellung beziehen will der Bürgermeister jedoch nicht. Zum einen wolle er keinen Ärger mit dem Zirkus aufgrund einer geschäftsschädigenden Aussage, zum anderen wolle er auch nicht die Wut der Tierschützer auf sich ziehen, sagt er.

Auf Facebook geht es jedoch auch ohne eine Wortmeldung Mayrs weiter hoch her. Ein Zirkus sei nicht mehr zeitgemäß, das Reisen setze den Tieren zu sehr zu und außerdem sei es nicht tragbar, dass Tiere zur Belustigung Kunststücke aufführen müssten, heißt es da. Andere User sind der Meinung, dass solche Aussagen rufschädigend seien und jeder Haushalt selbst in der Lage sei, sich eine Meinung zu bilden und zu entscheiden, ob er Gastspiele von Zirkusunternehmen unterstützen wolle oder nicht. Doch im Grunde sind sich die Teilnehmer der Diskussion einig - einen Zirkus wollen sie nicht.

Eine engagierte Dame fordert die Gemeinde auf, den Zirkus zu boykottieren und verbieten zu lassen. Als Beispiele führt sie hierzu einige erfolgreiche Verbote von Zirkussen seitens anderer Kommunen in Bayern auf. Diese Verbote beziehen sich jedoch laut der Tierschutzorganisation Peta auf solche mit Wildtieren, sprich Löwen, Tigern oder ähnlichem.

Laut eigener Angabe hat der Zirkus Baldoni Kaiser etwa 50 Tiere, jedoch handle es sich hierbei nicht um Wildtiere, sondern um Pferde, Esel, Lamas, Dromedare, Kamele, Ziegen, Hühner, Enten und Gänse. Die Tiere seien einwandfrei versorgt, man kümmere sich von früh bis spät um sie und alle Richtlinien des Veterinäramts würden eingehalten werden, versichert Zirkuschef Anton Kaiser. "Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche, aber wir leben wirklich mit unseren Tieren - es geht ihnen gut", sagt er. Rechtlich gebe es keine Probleme, jegliche Diskussionen mit Tierschützern verweigern die Verantwortlichen - weil sie sich, wie sie sagen, nicht auf eine Stufe mit ihnen stellen wollten.

Ansonsten komme der Zirkus in der Bevölkerung immer noch sehr gut an, berichtet Kaiser. Bei der jüngsten Aufführung seien sogar 300 Leute gekommen, um sich das Spektakel anzusehen. Denn die Aufführung bestehe schließlich nicht nur aus den Darbietungen mit den Tieren, sondern sei sehr vielfältig. Das Programm reiche von Akrobatik bis hin zur Clownerie. Der Zirkus sei, sagt Kaiser, ein traditionelles Familienunternehmen in der fünften Generation. Tiere habe es von Anfang an gegeben, auf diese sei immer gut geachtet worden - und so solle es auch weiterhin bleiben.

Wer sich selbst ein Bild vom Zirkus Baldoni Kaiser machen möchte, kann dies vom 9. bis 13. August in Pöring tun. Das Zelt ist an der Eglhartinger Straße aufgebaut. Für Familien gibt es viele Vergünstigungen. Die Vorstellungen finden täglich um 16 Uhr statt. Die letzte Aufführung am Sonntag beginnt schon um 11 Uhr.