Warnung vor den Laien Invasion der Imker-Anfänger im Landkreis Ebersberg

Denn sie wissen nicht was sie tun: Ein Schutzanzug macht noch lange keinen Imker.

(Foto: dpa)

Die Bienenzuchtvereine verzeichnen einen enormen Mitglieder-Zuwachs. Die vielen Laien bringen jedoch auch Probleme.

Von Franziska Langhammer, Ebersberg

Wer genug hat vom Herabschauenden Hund oder der Skorpionhaltung im Handstand, findet sich vielleicht schnell in einem Hobby wieder, das in den vergangenen Jahren immer mehr zum Trend geworden ist: Imkern ist das neue Yoga. Auch im Landkreis Ebersberg - wo 2018 das "Jahr der Biene" zelebriert wird - erfreut sich das Honigmachen einer immer größeren Anhängerschaft, manche Imkervereine werden von Neumitgliedern schier überrannt.

Bis vor fünf Jahren hatte beispielsweise der Imkerverein Münchner Osten/Haar-Vaterstetten 38 Mitglieder vorzuweisen, heute sind es mehr als 160, berichtet Otto Hilpoltsteiner. "Das ist im wahrsten Sinne des Wortes Wahnsinn", sagt er. Einerseits bewertet er den Zuwachs an interessierten Hobby-Imkern natürlich positiv: Die flächendeckende Bestäubung der Kultur- und Wildpflanzen sei wichtig.

Andererseits seien unter den Anfängern auch einige schwarze Schafe zu finden, sagt Hilpoltsteiner: "Es gibt leider auch einige Leute, die finden es toll, ihr eigenes Bienenvolk in ihren Garten, auf die Garage oder auf das Flachdach ihres Carports zu stellen - und dann kümmern sie sich nicht mehr."Im Herbst nach der Ernte würden sich diese etwa nicht um die - zugegebenermaßen aufwendige - Pflege der Bienen gegen die Varroamilbe kümmern. Ein ordentlicher Imker, so Hilpoltsteiner, behandle seine Bienen mit biologischen Mitteln gegen die Parasiten. Wer das nicht tue, gefährde auch die Bienenvölker in der Nachbarschaft.

Zum "Jahr der Biene" wird es im Landkreis Ebersberg wohl summen wie schon lange nicht mehr. Die professionellen Imker - wie hier in Zorneding - bekommen Verstärkung durch immer mehr Laien.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Ein weiterer häufiger Laien-Fehler sei, dass einige wenige Imker die Fluglöcher der Bienenwohnungen offen lassen. Wenn ein Bienenvolk stirbt, müssen die Kästen gesäubert werden. In dieser Zeit sollen sich keine neuen Völker dort einnisten; so steht es auch in den geltenden Hygienevorschriften. "Bei so einem Verstoß gegen das Tierseuchengesetz müsste man eigentlich die Veterinärbehörde aufmerksam machen", sagt Hilpoltsteiner, "aber das machen wir nur in extremen Fällen." In den 50 Jahren, in denen er als Imker aktiv ist, sei das genau einmal nötig gewesen. "In der Regel muss man die Leute nur darauf ansprechen und ihnen das alles bewusst machen", so Hilpoltsteiner.

Auch Walter Götz, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Hohenlinden, ist nicht nur erfreut von den neuen Hobby-Imkern: "Viele steigen begeistert ein, und nach den ersten Rückschlägen hören sie schon wieder auf, bevor drei Jahre herum sind." Imkern sei halt momentan "ein bissl populär". Dabei lasse sich das Erlernen der Imkerei nicht unbedingt auf eine bestimmte Zeit festsetzen, sagt Götz: "Manche kommen schnell rein und manche lernen es auch in zehn Jahren nicht." Als er vor 18 Jahren mit der Imkerei begann, gab es neun Mitglieder in seinem Verein, heute sind es an die 23. Dies seit jedoch eine konstante Zahl; im Verein selbst gibt es wenig Fluktuation.

Viele jagen einem Hype hinterher und verlieren schnell die Lust"

Götz ärgert sich über Hobby-Imker, die sich nicht richtig auskennen und nicht belehren lassen wollen. So mancher meine beispielsweise, den Bienen etwas Gutes zu tun, wenn man bei der Behandlung gegen die Milben weniger Ameisensäure verwende als vorgegeben. Dann jedoch überleben die Milben. "Das ist eine Gratwanderung", erklärt Götz, "wenn man zu wenig verwendet, ist es schlecht; wenn man zu viel rein macht, ist es auch schlecht." Die richtige Dosis der Mittel zur Behandlung gegen die Milben sei wissenschaftlich geprüft und vorgeschrieben. Warum sich manch Unerfahrener nicht daran halte, verstehe er nicht, ärgert sich Götz.

"Imkern hat einen In-Faktor, weil es in den Medien angepriesen wird", sagt Michael Irl vom Imkerverein Poing-Anzing, "außerdem ist es ein Hobby, das Spaß macht und gut für die Umwelt ist". Auch in seinem Verein sei ein gewisser Zuwachs zu verzeichnen: In den vergangenen Jahren ist er um weitere acht bis zehn Mitglieder gewachsen. "Viele jagen einem Hype hinterher und verlieren schnell die Lust", sagt Irl. Unter den Hobby-Imkern, die neu bei ihnen anfangen, würde er jedoch die Erfolgsquote auf über 95 Prozent schätzen.

Von einem sehr hohen Zuwachs, vor allem auch von Menschen aus den umliegenden Kommunen, kann auch Peter Klippel vom Bienenzuchtverein Ebersberg berichten. "Das liegt vor allem daran, dass anderswo derzeit nicht so viele Schulungen angeboten werden", sagt Klippel. In Ebersberg gebe es ein komplettes Schulungsprogramm, bestehend aus zwei theoretischen Abenden und fünf praktischen Vormittagen. "Wir begleiten die Leute durch die Wintermonate", sagt Klippel, "da lernen sie das Imkern von der Pike auf."Imkern, das bestätigt er, sei momentan trendy und sexy.

Viele würden nicht mit Vernunft an das anspruchsvolle Hobby herangehen, sondern sich im Internet informieren. "Das halte ich für gefährlich", sagt Klippel, "die wenigsten erfahren zum Beispiel, dass es vom Gesetz her verpflichtend ist, den Standort eines Bienenvolkes zu melden." Wer sich wirklich für das Imkern interessiere und wer nur auf der Jagd nach einem schmückenden Zeitvertreib sei, das zeige sich jedoch meistens sehr schnell, so Klippel - spätestens dann, wenn es um die Kosten der Schulung gehe.