Vorzeitiger Abschied Zornedings Pfarrer tritt nach Morddrohungen zurück

Die Ostergottesdienste will Olivier Ndjimbi-Tshiende noch halten, danach verlässt er Zorneding.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Olivier Ndjimbi-Tshiende wurde nach seiner Kritik an der Zornedinger CSU massiv bedroht. Nun verlässt er die Pfarrei auf eigenen Wunsch.

Von Carolin Fries, Zorneding

Zornedings katholischer Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende wird die Pfarrei Sankt Martin verlassen. Der gebürtige Kongolese, der seit 2005 in Deutschland lebt und die Zornedinger Pfarrei 2012 übernahm, hat in den vergangenen Monaten fünf Morddrohungen erhalten, weil er sich klar gegen die rechtspopulistischen Äußerungen der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher positioniert hatte. Auch Nachstellungen hatte er aus diesem Grund erfahren. Über seinen Weggang zum 1. April hat der Pfarrer die Gemeindemitglieder im Gottesdienst am Sonntagvormittag informiert.

Sein Rücktrittsgesuch wurde vom Erzbischöflichen Ordinariat München und Freising Anfang der vergangenen Woche angenommen, die Gremien der Pfarrei hat er am Freitag über seine Entscheidung in Kenntnis gesetzt. Ndjimbi-Tshiende, der am 18. März 67. Geburtstag feiert, wird wohl eine neue Stelle als Pfarrvikar antreten.

Anders als viele Politiker hatte der Zornedinger Pfarrer klare Worte gegen einen Beitrag der damaligen CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher im Parteiblatt "Zorneding Report" gefunden. Darin hatte Boher, die unter Druck zwar als CSU-Vorsitzende zurücktrat, aber nach wie vor im Gemeinderat vertreten ist, Flüchtlinge unter anderem als "Invasoren" beschrieben. Der Pfarrer kritisierte die fremdenfeindlichen Äußerungen scharf und appellierte an die Zornedinger CSU, dem christlichen Glauben Rechnung zu tragen. Die Situation spitzte sich zu, als der Pfarrgemeinderat die Report-Redaktion aufforderte, das Logo der Kirchtürme künftig nicht mehr zu verwenden. "Der muss aufpassen, dass ihm der Brem (Zornedings Altpfarrer, Anm. d. Red.) nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt, unserem Neger", sagte Johann Haindl, Gemeinderat und Bohers Stellvertreter im CSU-Ortsverband daraufhin über den Pfarrer aus dem Kongo. Er entschuldigte sich später für die Äußerungen und legte sein Gemeinderatsmandat nieder.