Vaterstetten Lobgesang auf das Leben

Thomas Pfeiffer präsentiert sich als neuer Leiter der Chorgemeinschaft Vaterstetten mit einem umjubelten Debüt in der Pfarrkirche Maria Königin.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Chorgemeinschaft gelingt mit Thomas Pfeiffer eine bewegende Aufführung von Haydns "Die Schöpfung"

Von Rita Baedeker, Vaterstetten

Wenn Astronauten über ihren Ausflug ins All berichten, dann ist oft die Rede von Empfindungen wie Liebe, Demut und Dankbarkeit angesichts der zerbrechlichen blauen Murmel, als die sich die Erde aus der Ferne zeigt. In seinem Oratorium "Die Schöpfung" hat schon Joseph Haydn diese Empfindungen auf wunderbare Weise in Klangmalerei übersetzt. Und man wünschte sich, seine Musik würde alle Winkel dieser Erde, alle Herzen erreichen. So wie in der voll besetzten Kirche Maria Königin in Baldham, wo der Chorvereinigung Vaterstetten, begleitet von drei Vokalsolisten und einem Orchester, eine bewegende, heftig bejubelte Aufführung gelang. Die Leitung hatte der Kirchenmusiker und Pianist Thomas Pfeiffer, der mit diesem Konzert seinen Einstand als neuer Leiter des Ensembles feierte.

Ob man die Schöpfung im biblischen oder naturwissenschaftlichen Sinne versteht: Am Anfang steht das Nichts, die ewig unbegreifliche Leere. Dem trägt auch die Musik in der "Vorstellung des Chaos" Rechnung. Ein Paukenschlag, gefolgt von schwebenden Klängen, lässt erschauern, einzelne Motive irrlichtern durch den Raum, werden zu Harmonien, zu chromatischen Tonfolgen. Das Nichts, es verwandelt sich in Sein, die Finsternis in Licht. Aus Unisono-Klängen brechen erhabene Akkorde wie ein Lichtblitz aus schwarzen Wolken. Der erste Tag entsteht. "Und eine neue Welt entspringt auf Gottes Wort.

Ein Jahr lang hat die 50-köpfige Chorgemeinschaft geprobt. Als "guten Rohbau" bezeichnet Thomas Pfeiffer den Stand der Proben, als er den Chor im Mai übernahm. "Ich habe nur noch an Details gearbeitet", sagt er. Die häufigen Wechsel zwischen Solisten, Chor und den einzelnen Stimmen erforderten sehr viel Konzentration. Mit dem Ergebnis sei er nun mehr als zufrieden.

Die Ende des 18. Jahrhunderts entstandene Haydn'sche Originalbesetzung umfasste bis zu 400 Sänger und Musiker. Zum Orchester in Maria Königin gehören 30 Instrumentalisten aus dem Landkreis. Für die Partien der Erzengel Gabriel, Raphael und Uriel sowie Adam und Eva wurden renommierte Konzert- und Opernsänger verpflichtet: die Sopranistin Priska Eser, der Tenor Michael Birgmeier und der Bass Bernhard Spingler. Der Text des Oratoriums, übersetzt nach einem englischen Original, ist eine Mischung aus der Genesis und Auszügen aus John Miltons "Paradise Lost", ein episches Gedicht, das von Höllensturz und Sündenfall handelt.

Haydn lag jedoch mehr daran, die Wunder der Natur zu besingen. Wenn Raphael den sich windenden Strom beschreibt, mäandert in langen Bögen auch die Melodie. Der rauschende Bach im stillen Tal wiederum klingt hochromantisch, volksliedhaft Gabriels Arie auf das frische Grün untermalt von Hörnerklang. Priska Eser singt die Arie mit zarter Inbrunst. Eine der schönsten Stellen des Oratoriums ist der Moment des Sonnenaufgangs. Vom Orchester wird das Ereignis mit erhaben anschwellenden Klängen begleitet. Der "leise schleichende" Mond dagegen hat seine musikalische Entsprechung in zarten Streicherkantilenen. Und der Chor, in allen Stimmen souverän, mit feinen klanglichen Abstufungen, verkündet unermüdlich die Ehre Gottes.

Haydn hat allen Geschöpfen eine Stimme gegeben, vom Gurren der Taube bis zum Gebrüll des Löwen, und auch Walfisch und Insekten nicht vergessen. Aber fehlt da nicht noch wer? Der Mensch ist es, der das Werk bewundern soll. Als er schließlich geschaffen ist, der "König der Natur", ist des Preisens kein Ende. Doch sogleich weist Raphael hin auf den bald folgenden irdischen Zyklus von Leben und Sterben. "Du nimmst den Odem weg, in Staub zerfallen sie." Doch noch ist das Menschenpaar im Paradies, und der Himmel hängt voller Rosenwolken. Uriel warnt: "O Glücklich Paar, und glücklich immerfort, wenn falscher Wahn euch nicht verführt, noch mehr zu wünschen als ihr habt, und mehr zu wissen, als ihr sollt!" Wie man inzwischen weiß, wurde seine Warnung in den Wind geschlagen.