Vaterstetten "Da fallen Prügel von Ästen in einen Garten, in dem ein Kind spielt"

Wie gefährlich Eschen sind, zeigte sich erst im Februar in Ebersberg. Dort mussten die an einem Pilz erkrankten Bäume entfernt werden.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Günter Krause aus Baldham hat Angst, weil von der Esche des Nachbarn Totholz abbricht. Im Vaterstettener Rathaus weigert man sich, den Baum zu fällen.

Von Theresa Parstorfer, Vaterstetten

Mit einem Rums fällt ein Stück Eisplatte auf die Terrasse vor Günter Krauses Wintergarten. Glücklicherweise ist es diesmal nur gefrorenes Wasser. Es hätte auch ein schwerer Ast sein können. Davor hat Krause Angst. Denn passiert ist das schon öfter. Einmal hat es die Regenrinne seines Gartenhäuschens getroffen. Einmal beinahe seinen sechsjährigen Sohn, als der ihm bei der Gartenarbeit half.

Zumindest erzählt Günter Krause das so und deutet dabei auf den Baum im Garten seines Nachbarn, dessen Wurzeln darüber hinaus auch schon die Mauer seiner Gartenböschung eingedrückt haben sollen. Es handelt sich um eine Esche. Eschen sind bekannt dafür, sogenanntes Totholz zu produzieren, das dann alle zwei bis drei Jahre entfernt werden muss.

Da der Baum allerdings nicht auf Krauses Grundstück steht, wäre eigentlich der Nachbar für die Pflege verantwortlich. Dieser sei jedoch ein Rentner. Es gelang der SZ nicht, ihn zu kontaktieren und dass er kaum erreichbar ist, bestätigt auch die Nachbarin auf der anderen Seite Hildegard Schottenheim. Auch sie würde sich über die Entfernung der Esche freuen, denn auch in ihren Garten wirft der Baum sein Totholz und Laub, das auch ihr regelmäßig einiges an Arbeit in ihrem Garten bereitet. Doch sowohl sie als auch Krause sind sich bewusst, dass es von einem alten Mann, der noch dazu eine kranke Frau zu pflegen habe, kaum zu erwarten sei, sich um den Garten zu kümmern.

Deshalb wandte sich Krause vor mehr als einem Jahr ans Umweltamt der Gemeinde Vaterstetten. Dort könnte man sich doch kümmern, dachte er. Denn der Baum, der sollte weg. Doch nichts passierte, der Baum steht immer noch und Krause ist sichtlich frustriert, gar "erregt" wie er selbst sagt. Die Tatsache, dass die Gemeinde nichts gegen diesen Baum unternimmt, empfindet er als persönliche Demütigung, wo "doch überall Häuser gebaut und Bäume gefällt werden", sagt er.

Im Vaterstettener Rathaus sieht man den Fall ein wenig anders

Im Vaterstettener Rathaus sieht man den Fall ein wenig anders. Man habe Krause bei einer Besichtigung der Esche mitgeteilt, dass man den Baum nicht ganz entfernen werde, da er grundsätzlich "verkehrstüchtig ist", sagt Wolfgang Kuhn, Verantwortlicher im Umweltamt. Totholz sei bei einer Esche nun mal alle paar Jahre ein Thema. "Allerdings haben wir Herrn Krause auch gesagt, dass er ein offizielles Gutachten in Auftrag geben könnte, dass die Verkehrsuntüchtigkeit des Baumes bestätigt."

Das tat Krause auch. Der von ihm engagierte Gutachter Franz Böswald sicherte ihm zu, die Esche sei "eine Zumutung", die entfernt werden sollte. Diese Auskunft wiederholt Böswald auch auf Nachfrage der SZ. "Da fallen ganze Prügel von Ästen in einen Garten, in dem ein kleines Kind spielt. Natürlich ist das gefährlich", sagt Böswald.

Richtig kompliziert wurde es jedoch, als sich herausstellte, dass das Umweltamt Böswalds Aussage in Form eines schriftlichen Gutachtens nicht anerkennen würde. Grund dafür ist, dass Böswald zwar Baumpfleger, aber kein eidesstattlich geprüfter und staatlich anerkannte Baumgutachter ist. "Durch diese Auflagen wollen wir verhindern, dass Gefälligkeitsgutachten von irgendwem ankommen", sagt Kuhn vom Umweltamt. Das habe er Krause auch mitgeteilt. Deshalb gab dieser eine niedergeschriebene Version von Böswalds mündlicher Aussage gar nicht mehr in Auftrag, obwohl er allein für dessen Anfahrt und die Besichtigung des Baums schon 1200 Euro gezahlt hatte. Ein offiziell gültiges Gutachten gibt es also nicht.

Nun sieht Krause es allerdings nicht ein, noch mehr Geld zu investieren, damit ein Baum gefällt wird, der ihm nicht gehört, der für ihn aber eine Gefahr für seinen Sohn darstellt. Zu verhärtet sind für ihn außerdem die Fronten. Zu klar, dass die Gemeinde, sich gegen ihn verschworen hat. Jede Aussage des Umweltamts, auch das Schweigen des Bürgermeisters auf seine offizielle Dienstaufsichtsbeschwerde, macht ihn wütender.

Einen möglichen Ausweg könnte der Frühling bringen und das Stichwort "Eschentriebsterben". Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) berichtet von diesem Pilzbefall im Landkreis. "Sollte der Baum davon betroffen sein, dann könnte er gefällt werden", sagt er. Dafür müsste Krause aber warten, bis die Esche austreibt. Andernfalls steht der Bürgermeister fest hinter seiner Verwaltung. "Ich traue dem Umweltamt zu, dass richtige Entscheidungen gefällt werden", sagt Reitsberger. Vaterstetten wolle eine "grüne Gemeinde bleiben". Das heißt: "gesunde Bäume werden nicht gefällt".

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