Schwabener Sonntagsbegegnung Alles nicht so einfach

Thomas Ehring (links) und Dieter Frey sorgen sich in Markt Schwaben um die psychische Gesundheit, auch von US-Präsident Donald Trump.

(Foto: Christian Endt)

Im Rahmen der Gesprächsreihe in Markt Schwaben beschäftigen sich zwei Psychologen damit, was ihre Disziplin kann - zum Beispiel in Bezug auf Donald Trump

Von Karin Kampwerth, Markt Schwaben

Wenn Psychologie so einfach wäre, dann würde US-Präsident Donald Trump spätestens, nachdem zwei Gerichte sein Einreiseverbot für Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern abschmetterten, einen Arzt aufsuchen. In diesem Fall einen Psychologen, denn der Präsident müsse als narzisstisch veranlagte Persönlichkeit doch sehr darunter leiden, dass ihm die Bewunderung entzogen wurde. Allem Anschein nach ist der Leidensdruck aber noch nicht groß genug. Diese natürlich nicht ganz ernst gemeinte Diagnose stellten die beiden Münchner Universitätsprofessoren Thomas Ehring und Dieter Frey, die bei der Markt Schwabener Sonntagsbegegnung zu Gast waren.

Ehring ist Lehrstuhlinhaber für Klinische Psychologie, Frey leitet das Institut für Sozialpsychologie. Ehring beschäftigt sich mit der Therapie und im besten Fall Heilung von psychischen Störungen. Freys Spezialgebiet liegt in der Wirtschaft, er konzentriert sich auf Unternehmensstrukturen, Führungskräfte und deren Mitarbeiter.

Die Sonntagsbegegnungen feiern in diesem Jahr Jubiläum, vor 25 Jahren hatte Markt Schwabens Altbürgermeister Bernhard Winter die Gesprächsreihe ins Leben gerufen und seitdem viel Prominenz aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben nach Markt Schwaben geholt. Altbundeskanzler Gerhard Schröder war schon da, Kabarettist Dieter Hildebrandt gab sich die Ehre genauso wie Fußballstar Thomas Hitzlsperger, um nur einige Namen zu nennen, die die Bandbreite der Reihe unterstreichen. Bei der Themenauswahl für die Dialoge geht es immer um Denkanstöße, manchmal aber auch um Lösungen. Und es wäre natürlich ein fantastisches Geburtstagsgeschenk gewesen, wenn Winter mit der Auftaktveranstaltung ins Jubiläumsjahr an diesem Sonntag und der Frage "Was kann Psychologie?" mal eben schnell die Welt gerettet hätte.

Doch Psychologie, das stellte der Therapeut Ehring klar, kann leider - oder auch glücklicherweise - nicht voraussagen, wie sich ein Mensch verhalten wird. Und die Disziplin erreiche längst nicht jeden mit einer psychischen Störung oder Auffälligkeit. Dazu gehören Narzissten wie Trump, "denn die Neigung zu Größenwahn kann in einem bestimmten Konsens zu Erfolg führen", sagte Ehring. Und wer erfolgreich ist, geht nicht zum Arzt.

Weil das ein Phänomen sei, das sich auch in den Führungsetagen ganz normaler Unternehmen finde, schlägt Sozialpsychologe Frey eine andere Herangehensweise vor. "Jede zweite Führungsperson in der Wirtschaft ist eine Fehlbesetzung", sagte Frey. Deshalb instruiere er die Mitarbeiter, wie sie sich gegen einen Chef wehren können, dem die menschliche Komponente fehle. Eigentlich müsste man die betroffenen Mitarbeiter so ausbilden, dass sie bei ihrem Chef aufgrund seiner psychischen Abweichungen einen Leidensdruck auslösten, der dessen Wunsch nach einer Therapie wecke.

Dabei könnten es Vorgesetzte so leicht haben, wenn sie es mit Goethe hielten. Den zitierte Frey mit den Worten: "Behandle andere Menschen so, wie du sie haben willst." Doch weil weder der Mensch noch die Psychologie einfach ist, brauche es mehr, um unsere offene humanistische Gesellschaft zu erhalten. "Die schweigende Mehrheit muss aufstehen", sagte Frey. Man müsse Menschen, die alternative Fakten als Wahrheit betrachten, weil sie nur mit Gleichgesinnten interagieren, zeigen, dass es eine andere Auffassung gibt. "Wir müssen lernen, konstruktiv zu widersprechen."

Ob das gelingen könne, wenn die meisten gar nicht mehr in der Lage seien, sich auf komplexere Themen zu konzentrieren, wollte ein Gast wissen. Die Antwort kam von Professor Ehring, quasi als Jubiläumspräsent: Wenn man das richtige Format schaffe, sei das kein Problem. Das habe Bernhard Winter bewiesen, der seit 25 Jahren immer wieder so viele Menschen für die Sonntagsbegegnungen begeistern könne.