Neuer Fanclub des FC Bayern Rot für die Welt

In Pliening haben sich etwa sechzig treue Unterstützer des Rekordmeisters zusammengetan. Mit dem Münchner Publikum wollen sie nicht in einen Topf geworfen werden

Alexandra Leuthner

Pliening- Zumindest können Markus Uffinger und seine Freunde vom "Fanclub Rot für die Welt" halbwegs entspannt in diesen Samstagnachmittag gehen. Die Herbstmeisterschaft ist ihrem FC Bayern bereits sicher, ganz gleich, ob die Schwarz-Gelben aus dem Ruhrpott ihre Roten zum sechsten Mal in Folge als Verlierer vom Rasen schicken, oder ob der Rekordmeister diesen Dortmunder Möchtegerns endlich mal wieder zeigt, wo der Hammer hängt.

Uffinger ist der Vorsitzende des Fanclubs mit Sitz in Pliening, seit Januar offiziell mit dem Zusatz e.V. und beim FC Bayern gelistet - dafür seien mindestens 25 Mitglieder nötig, erklärt Uffinger. Rot für die Welt habe inzwischen um die 60 Mitglieder, zwischen vier und 82 Jahren, viele kämen, so wie er selbst, aus Pliening, Viele aber auch aus München, wo die Wurzeln des 13. im Landkreis gemeldeten Bayern-Fanclubs liegen.

Gemeinderat Uffinger ist echter Fan. Kein ererbter, der schon mit einem halben Jahr in den Bayern-Strampler gesteckt wurde. Sein Vater habe mit Fußball gar nichts am Hut gehabt, sagt er. Dabei sei das erste große Fußball-Spiel, das er gesehen habe, eines der Löwen gewesen. 1860 gegen Kickers Offenbach, 4:0 ist es ausgegangen, daran könne er sich erinnern, darüber hinaus aber hatte sich dem Buben nur das Olympiastadion eingeprägt. Vielleicht hat ihn das ja bewogen, wieder zu kommen, um dann an den Bayern hängen zu bleiben.

Damals habe man sich noch kurz entschlossen eine Karte kaufen können, für fünf Mark, "und dann war man mitten drin im Fanblock", erinnert sich Uffinger. Heute ist das nicht mehr ganz so einfach. "Der FC Bayern ist so professionell, es ist alles so reglementiert, an Karten zu kommen, da besteht die Gefahr, dass die Fankultur wegbricht," sagt Uffinger. Was einer der Gründe war, dass er und einige Freunde den Fanclub gegründet haben. Fast zwei Jahrzehnte ist es her, da traf man sich noch vor den Spielen im Vereinsheim des FC Teutonia, gleich beim Olympiastadion. Gemeinsam mit dem FC Bayern zogen sie 2005 nach Fröttmaning, fanden eine neue Bleibe beim ESV Freimann. Schon früher waren sie gemeinsam zu Auswärtsspielen in der Champions-League gefahren, nicht nur des Fußballs, auch der Kultur wegen, und immer wieder zu Pokalendspielen nach Berlin. Man knüpfte Kontakte zu jenem Verein, für den das Herz schlug, und manchmal, wie 1999 im Mai, auszusetzen drohte, als das unglaubliche 1:2 im Champions-League-Finale gegen Manchester United auf der Anzeigetafel des Camp Nou in Barcelona erschien. Und sehnte sich danach, in diesem Mai, noch einmal zu jubeln wie 2001, als Bayern-Kapitän Stefan Effenberg den Henkeltopf in den Mailänder Nachthimmel reckte. Woraus bekanntlich nichts wurde.

So eine Niederlage wie die gegen Chelsea am 19. Mai wirft echte Fans zwar vorübergehend aus der Bahn, erzählt Uffinger, echte Fans aber bleiben treu. Mit dem gern geschmähten Münchner Erfolgspublikum wollen die Fanclub-Mitglieder jedenfalls nicht in einen Topf geworfen werden. Die Zeiten, in denen er mit Sticker besetzten Jacken ins Stadion pilgerte, sagt Uffinger, Jahrgang 1967, seien zwar auch für ihn vorbei, "aber die Damen mit ihren Stöckelschuhen und die Herren im Anzug - das passt einfach nicht ins Fußballstadion." Auf der anderen Seite müsse man einräumen, dass sie Geld in die Kasse brächten, von dem der Verein "dann eben auch Spieler kaufen kann, von denen andere nur träumen." So wie Javi Martínez oder Manuel Neuer. Der im Übrigen, findet Uffinger, von den Bayern-Fans reichlich ungerecht behandelt werde. "Ich würde mir auch kein Neuer-Trikot kaufen", der Schalke-Vergangenheit wegen, "aber jetzt ist er ein Spieler von uns und sollte seine Chance kriegen". Eine solche Chance sollen nach dem festen Willen der Fanclub-Mitglieder auch andere bekommen. Mindestens die Hälfte aller Mitgliedsbeiträge und Spenden geht laut Satzung an soziale Einrichtungen. "Das wollen wir." Ebenso wie einen Sieg der Bayern über Dortmund. Endlich.