Musik Singing, Swinging, Scating

Die "Vocal Night" mit Kenny Washington und Roberta Gambarini am Samstag ist ein Höhepunkt des Jazzfestivals in Ebersberg. Die SZ verlost Tickets

Von Anja Blum, Ebersberg

Jazz ist bekanntlich ein Genre, das sehr gut ohne Gesang auskommt. In dem die Band nicht nur Beiwerk, sondern Hauptsache ist. Nichtsdestotrotz beschert EBE-JAZZ dem Publikum nun erstmals auch einen Abend, an dem das ureigenste menschliche Instrument im Mittelpunkt steht: die Stimme. Wie nichts anderes kann sie in ihrer persönlichen Direktheit ein Fenster zur Seele sein - das werden am Samstag, 21. Oktober, zwei internationale Stars unter Beweis stellen: Roberta Gambarini und Kenny Washington. Im April sangen die beiden gemeinsam in New York zum hundertsten Geburtstag von Ella Fitzgerald, den die Legende selbst freilich leider nicht mehr erleben durfte, nun geben Gambarini und Washington ein Doppelkonzert auf der Bühne des Alten Speichers in Ebersberg.

Zwei Stars aus den USA werden am Wochenende beim Ebersberger Jazz-Festival zeigen. Einer von ihnen ist Kenny Washington.

(Foto: Veranstalter)

Im Internet gibt es ein Livevideo eines berührenden Duetts: Gambarini und Washington singen den Standard "Almost like being in love" und zeigen dabei deutlich, was sie können. Timing, Intonation, melodischer Einfallsreichtum - nichts lässt hier zu wünschen übrig. Diese Sänger verfügen über glasklare Stimmen mit einer scheinbar grenzenlosen Range sowie eine atemberaubende Technik. Dementsprechend bravourös beherrschen sie auch das sogenannte Scating - abgeleitet von to scat, "hasten, jagen": das improvisierte Singen von rhythmisch und melodisch frei aneinandergereihten Silben ohne Wortbedeutung. So werden lautmalerisch instrumentale Phrasen nachgeahmt. Doch nicht nur das virtuose Können der beiden Stars überzeugt: Washington wie Gambarini glänzen als Meister der feinen, gefühlvollen Töne - ein hoher Gänsehautfaktor ist bei dieser "Vocal Jazz Night" also garantiert.

Den Opening Act bestreitet Kenny Washington begleitet von einem Trio aus Paul Kirby am Piano, Martin Zenker am Bass und Kim Minchan an den Drums. Der US-amerikanische Vocal-Virtuose, geboren 1957 in New Orleans, begann als Gospel-Sänger in einer baptistischen Kirche seiner Heimatstadt. Sein Interesse am Jazz wurde geweckt, als er während seiner Highschool-Zeit den Klarinettisten Alvin Batiste erlebte. Also studierte Washington Musik und trat mit verschiedenen Jazz-, Rhythm-and-Blues- und Pop-Bands auf. Mitte der 1980-er Jahre ging er zur Kriegsmarine, wurde Mitglied der U.S.-Navy-Band, mit der er in den folgenden Jahren als Sänger und Saxofonist in den USA, Russland, Asien und Australien auftrat. 1995 ließ sich Washington in der Region von Los Angeles nieder. Unter anderem trat er in Roy Nathansons Jazztheater-Produktion "Fire at Keaton's Bar & Grill" mit Elvis Costello, Deborah Harry und Nancy King in New York und London auf; 2000 erschien ein Album des Projekts.

Die in den USA lebende italienische Sängerin Roberta Gambarini zeigt im Alten Speicher die Bandbreite des Swing - begleitet von der hochkarätigen Rhythmus-Section des Startrompeters Roy Hargrove. Und wer weiß, vielleicht kommt der Chef selbst auch noch mit, bei EBE-JAZZ, so scheint es, ist ja fast alles möglich.

Die in den USA lebende italienische Sängerin Roberta Gambarini zeigt im Alten Speicher die Bandbreite des Swing.

(Foto: Veranstalter/oh)

Das Auftreten der Italienerin, deren Geburtsdatum unbekannt ist - "um 1972 in Turin" - kann wohl mit dem schönen Wort "Grandezza" umschrieben werden. Würdevoll und elegant, aber keinesfalls arrogant beherrscht die zierliche Sängerin die Bühne, zieht die Blicke auf sich. Roberta Gambarini wurde von ihrem Vater, einem Amateur-Saxofonisten, früh an den Jazz herangeführt. Sie begann zunächst mit Klavier und Klarinette und nahm klassische Gesangsstunden, mit 17 Jahren debütierte sie in Jazzclubs. Bald zog sie nach Mailand, um eine Jazz-Karriere zu starten, für eine akademische Ausbildung fehlte wohl das Geld. Bald trat sie in Clubs und auf Festivals in ganz Italien auf. 1998 ging Gambarini mit einem Stipendium in die USA und wurde Dritte im Thelonious-Monk-Gesangswettbewerb. Kurz darauf zog sie nach New York. 2006 erschien ihr amerikanisches Debüt-Album "Easy to love", das sogleich für den Grammy nominiert wurde, weitere Auszeichnungen folgten. "Gambarini ist eine wahre Nachfolgerin von Ella Fitzgerald, Sarah Vaughan und Carmen Mc Rae", urteilte der "Boston Globe". Doch obwohl diese Vorbilder hier und da durchscheinen, ist Roberta Gambarini immer ganz sie selbst: rasant swingend und melodisch überraschend.

Die Ebersberger SZ verlost im Rahmen ihres Jubiläums zum 40-jährigen Bestehen Karten für das Jazz-Festival. An diesem Donnerstag gibt es dreimal zwei Tickets für die "Vocal Night" am Samstag, 21. Oktober, zu gewinnen. Die Hotline ist von 10 bis 10.10 Uhr unter (08092) 82 66 12 zu erreichen. Ansonsten gibt es Tickets unter www.ebe-jazz.de.