Medienkompetenz Smartphones im Unterricht erwünscht

Die Realschule Poing nimmt an einem bayernweiten Projekt zur Digitalisierung an Schulen teil. Nicht nur Minicomputer spielen dabei eine Rolle

Von Valentina Antonucci, Poing

Der Umgang mit den digitalen Medien kommt in vielen Schulen nach wie vor zu kurz, obwohl dabei Kompetenzen vermittelt werden, die von den Kinder im Berufsleben später zwingend benötigen werden. So sieht das jedenfalls Georg Eisenreich, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Bildungspakt Bayern: "Der Umgang mit IT muss heute als vierte Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen stehen", sagt er. Um dieser Vision näher zu kommen hat die Stiftung das bayernweite Projekt "Digitale Schulen 2020" ins Leben gerufen.

An 20 sogenannten Modell- und Netzwerkschulen im Freistaat, unter anderem an der Dominik-Brunner-Realschule in Poing, wird nun versucht, Schülern den Umgang mit digitalen Medien spielerisch näher zu bringen, ihnen wichtige Kompetenzen zu vermitteln und die Digitalisierung der Schulen allgemein weiter voranzutreiben. Ein anderes Ziel ist außerdem, ein Konzept zu entwickeln, das zeigt, wie der Mehrwert der digitalen Medien für alle Unterrichtsfächer gewinnbringend eingesetzt werden kann und das schließlich auch anderen Schulen als Anleitung dienen soll.

Das Projektteam der Poinger Realschule mit Rektor Matthias Wabner, Andreas Heimbucher, Anja Neßlauer, Christoph Brunk und Ferdinand Wicht (von links) stellt das digitale Klassenbuch vor.

(Foto: Privat)

Dass ausgerechnet die Realschule Poing, eine von fünf Netzwerkschulen in Oberbayern, ausgewählt wurde, erklärt sich Rektor Matthias Wabner damit, dass man sich bereits seit der Gründung der Schule im Jahr 2010 intensiv mit der Digitalisierung auseinandergesetzt und diese vorangetrieben habe. Damit sei die Schule Vorreiter im Landkreis, aber auch bayernweit gewesen. Seit Beginn dieses Schuljahres nimmt die Dominik-Brunner-Realschule an dem Projekt teil und hat seitdem bereits einige Apps entwickelt, die momentan in der Praxis erprobt werden.

Schon 2012 entwickelte die Realschule mit der Hilfe von Firmen eine eigene "SchulApp". Diese ermöglicht es, schnell Nachrichten an Eltern, Lehrer und Schüler zu verschicken. Dank der Lesebestätigung, die der Empfänger der ursprünglichen Nachricht an den Sender zurückschicken kann, erübrigt sich unnötiger Papierverbrauch. Die Erklärungen zum Wandertag beispielsweise, die meist unterschrieben wieder mit in die Schule gebracht werden sollten, in der Realität allerdings oft im Schulranzen vergammeln, können nun einfach über die App verschickt werden. Außerdem können Umfragen durchgeführt oder auf den Vertretungsplan sowie den Lernblog zugegriffen werden. Dabei ist die App natürlich nicht frei zugänglich, sondern passwortgeschützt.

Der "Calliope"-Minicomputer ist nichts weiter als ein rohes Motherboard, ähnlich groß wie ein Handy, das aus zwei Batterien mit Energie gespeist wird.

(Foto: Privat)

Der Lernblog ist eines der Projekte die nun neu in Angriff genommen wurden. Es ist eine Plattform, auf die Lehrer Unterrichtsmaterialien hochladen können. Es finden sich dort beispielsweise die Hausaufgaben, Arbeitsblätter, aber auch deren Lösungen und Hefteinträge. Dabei gibt es verpflichtende und freiwillige Angebote, wer möchte, kann sich also auch noch vertiefend mit einem Thema beschäftigen. Somit eignet sich der Lernblog bestens zur Vor- und Nachbereitung des Unterrichts. "Aber nicht nur für zuhause ist der Lernblog von Nutzen, auch im Unterricht kann er gut verwendet werden, denn er eröffnet neue Möglichkeiten und macht den Unterricht anschaulicher und lebendiger", erklärt Ferdinand Wicht, der Zuständige für die Gestaltung und Verwendung von Apps im Projektteam der Realschule.

Ein Projekt, das sich zurzeit noch in der Planungs- und nicht in der Umsetzungsphase befindet, ist der Umgang mit den "Calliope"-Minicomputern. Diese werden den teilnehmenden Schulen jeweils in Klassensätzen zur Verfügung gestellt. Bei einem sogenannten Minicomputer handelt es sich in der Tat um ein winziges Gerät, das kaum so groß wie ein Handy ist und auf das Wesentliche reduziert wurde. Es besteht aus einem rohen "Motherboard", das aus zwei Batterien seine Energie bezieht. Zudem besitzt es einen USB-Anschluss, einen Lautsprecher, zwei Knöpfe und einen Lagesensor, der es dem Gerät ermöglicht festzustellen, in welchem Winkel es gehalten wird. Da es keinen eigenen Speicher besitzt, ist es auf Daten aus dem Internet angewiesen und kann nur verwendet werden, wenn es an einen Computer angeschlossen wird. Dann aber kann mit Hilfe kinderfreundlicher Programmiersprache für die Schüler ein Einstieg in die Informatik gefunden werden. "Sie können beispielsweise einen Würfel programmieren, der sich dank des Lagesensors auch werfen lässt. Dies kann dann beispielsweise mit dem Statistikunterricht im Fach Mathematik verknüpft werden", erklärt Andreas Heimbucher, Systembetreuer und Physiklehrer an der Realschule.

Neben den bereits genannten Projekten laufen allerdings noch einige andere. Beispielsweise wird gerade das "Digitale Tagebuch", die Onlineversion des konventionellen Klassenbuchs, erprobt. Zudem veranstaltet die Realschule schulinterne Fortbildungen für Lehrer, um sie mit den neuen Programmen bekannt zu machen und ihnen die Vorteile vorzuführen. Bei einem großen Bildungskongress am 21. November für alle Schulen aus dem Landkreis sowie Realschulen aus dem Aufsichtsbezirk Oberbayern-Ost will die Realschule Poing anderen Schulen ihr Wissen zukommen lassen, ihre Erfahrungen in Workshops teilen und somit anderen auf dem Weg der Digitalisierung mit einigen Anregungen zur Seite zu stehen, damit diese Entwicklung weiterhin vorangetrieben wird.