Markt Schwaben Gemeinster Menschenfang

Seit 1989 heißt das Gymnasium Markt Schwaben nach Franz Marc. Die Glaswand zeigt ein Porträt des 1916 im Ersten Weltkrieg gefallenen Malers.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Zum 100. Todestag von Franz Marc eröffnet das Markt Schwabener Gymnasium eine Ausstellung

Von Rita Baedeker, Markt Schwaben

"John war darunter und Jim war dabei. Und George ist Sergeant geworden. Doch die Armee, sie fragt keinen, wer er sei und marschierte hinauf nach dem Norden. . .", heißt es in dem "Kanonensong" von Bert Brecht, den Kurt Weill vertont hat. Auch der Maler Franz Marc war dabei, als es ans Marschieren ging. Am 4. März 1916 ist er im Alter von nur 36 Jahren bei Verdun gefallen.

Zum Gedenken an den Künstler, der zusammen mit Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, August Macke und anderen 1911 die wegweisende Künstlervereinigung "Blauer Reiter" gegründet hat, veranstaltet das Franz-Marc-Gymnasium in Markt Schwaben am Donnerstag, 3. März, eine Ausstellung zum 100. Todestag. Schüler des P-Seminars Jugendliteratur werden aus Marcs "Briefen aus dem Feld" lesen. Gezeigt werden mehrere Text- und Bildtafeln zu Geschichte und Kunstschaffen. Zu sehen ist außerdem eine großformatige Replik des berühmten Gemäldes "Kämpfende Formen" aus dem Jahr 1914. Das "Friedensgedicht" von Adelbert von Chamisso, ein Film, eine Ausgabe der Schülerzeitung zum Thema ergänzen das Programm. Frederic Jost, Susanne Meedt und Alois Rottenaicher werden zum Thema Krieg und Tod passende Lieder aufführen, neben dem Kanonensong von Kurt Weill Franz Schuberts "Liebe Farbe" aus dem Zyklus "Die schöne Müllerin" und Robert Schumanns Ballade "Die Grenadiere", auch dies ein dramatisches Lied von Leid und Tod im Feld. "Bei der Würdigung Franz Marcs haben wir uns auf die letzte Zeit vor seinem Tod beschränkt", sagt Elfi Jung-Strauß, die Fachschaftsbetreuerin Geschichte und Sozialkunde, die zusammen mit ihrem Kollegen Severin Zebhauser von der Fachschaft Kunst die Ausstellung organisiert hat. "Franz Marc war anfangs vom Krieg begeistert, er glaubte an die reinigende Kraft, dachte, der Krieg würde den Weg ins Abstrakte öffnen. Dann aber vollzog sich ein Wandel in seiner Einstellung; den wollen wir an dem Abend dokumentieren", sagt die Lehrerin. Der Auswahl der Texte haben Lehrer und Schüler die 2015 erschienene Marc-Biografie von Brigitte Roßbeck "Franz Marc. Die Träume und das Leben" (Siedler Verlag) zugrunde gelegt. In ihrem Buch schildert die Autorin ausführlich Marcs Haltung zum Krieg. "Um Reinigung wird der Krieg geführt und das kranke Blut vergossen", hatte der 1914 in einem Essay geschrieben. Gründe, warum er - und viele Künstlerkollegen, etwa August Macke - freiwillig zu den Kanonen eilten, sei weniger Patriotismus als Überdruss und Weltekel gewesen. Roßbeck beschreibt, wie sich diese Begeisterung angesichts der realen Kriegsgräuel, der Gewalt und des zigtausendfachen Sterbens im Schützengraben in Resignation verwandelte. In einem Brief an die Witwe August Mackes bezeichnete Marc den Krieg als "gemeinsten Menschenfang". Zu Beginn des Jahres 1916 beantragte er vom Kriegsdienst freigestellt zu werden, was abgelehnt wurde. Wenig später fiel er während eines Erkundungsritts 20 Kilometer östlich von Verdun. Es heißt, er sei von einem Granatsplitter getroffen worden. Beigesetzt wurde er zunächst im Schlosspark des Ortes, in dem er starb. 1917 wurde sein Leichnam nach Kochel am See überführt.

"Wir arbeiten zweigleisig", sagt Jung-Strauß. "Kunst und Krieg sind das Thema. Grundgedanke der Ausstellung aber ist die Versöhnung."

Die Ausstellung zum 100. Todestag des Malers Franz Marc im Franz-Marc-Gymnasium Markt Schwaben mit szenischer Lesung und Musik wird am Donnerstag, 3. März, um 19.30 Uhr eröffnet.