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Wissenschaftlerin informiert über Glyphosat und seine Wirkung

Das Thema Glyphosat bewegt derzeit viele Menschen. Das zeigte sich auch bei einer Veranstaltung im Gasthof Hamberger in Eglharting am Montagabend. Schon vor Beginn der Veranstaltung war der Saal gut gefüllt, später mussten noch zusätzliche Stühle herbei geschafft werden. Der Grund: Johann Spitzl, Biobauer aus Straußdorf, war es gelungen, eine international bekannte Expertin auf diesem Gebiet für einen Vortrag zu gewinnen. Monika Krüger ist emeritierte Direktorin des Instituts für Bakteriologie und Mykologie der veterinärmedizinischen Fakultät an der Universität Leipzig. Veranstaltet wurde der Abend von der Interessengemeinschaft für gesunde Tiere, dem Arbeitskreis Gentechnik des Bundes Naturschutz und dem Bund deutscher Milchviehhalter.

Die Referentin zitierte zu Beginn aus der Enzyklika "Laudatio si" des Papstes Franziskus, wo die Verschmutzung der Erde durch Düngemittel und chemische Spritzmittel angeprangert wird, um dann auf die biochemischen und physiologischen Zusammenhänge von Glyphosat einzugehen - keine leichte Kost für die meisten Zuhörer. Anschaulich erläuterte Krüger aber danach die wichtigsten Wirkungsmechanismen von Glyphosat: Zum einen binde das Gift lebenswichtige Spurenelemente an sich, so dass diese dem Organismus nicht mehr zur Verfügung stünden. Zum anderen töte Glyphosat nicht nur Pflanzen, sondern sei auch toxisch für lebenswichtige Bakterien im Magen-Darmtrakt. Dadurch könnten sich krank machende Mikroorganismen wie Salmonellen stark vermehren.

Krüger belegte das anhand ihrer Forschungen an dem bisher offiziell als unerklärlich geltenden Rindersterben. Missbildungen von Ferkeln, die sie in Dänemark untersucht habe, seien verschwunden, wenn die Muttersauen Glyphosat-freies Futter bekommen hätten, sagte die Wissenschaftlerin, die auch Fotos von den Erkrankungen und Missbildungen der Tiere zeigte. Sie wies auch darauf hin, dass in Argentinien, wo Glyphosat in viel stärkerem Maße als in Deutschland eingesetzt werde, ganz ähnliche Missbildungen bei Babys und Föten auftreten würden.

Im zweiten Teil ihrer Ausführungen erläuterte Krüger die Ergebnisse der jüngst abgeschlossenen weltweit größten Urin-Untersuchung auf Glyphosat. Von den Proben der etwa 2000 Versuchsteilnehmer seien nur weniger als ein halbes Prozent frei von Glyphosat gewesen. Bei etwa 80 Prozent der Probanden sei die Giftkonzentration fünf- bis zweiundvierzigfach höher als der Rückstandshöchstwert für Pestizide in Trinkwasser gewesen. Laut Krüger läge damit in Deutschland flächendeckend eine erhebliche Belastung der Bevölkerung mit Glyphosat vor. Für krebserregende beziehungsweise hormonschädigende Substanzen gebe es aber keine Grenzwerte. Das Alarmierende sei, dass die Urinproben von Kindern und Jugendlichen die höchsten Messwerte ergeben hätten.

An die fast zweistündigen Ausführungen schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Die Probleme der konventionell arbeitenden Landwirte, die Möglichkeit, bei Glyphosat-Belastung das Gift aus dem Körper zu leiten und die Debatten über die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat standen dabei im Mittelpunkt.