Erwartungen übertroffen Glühendes Eis

Das "Meccore String Quartet" verschaffte den Zuhörern am Sonntagabend ein hin- und mitreißendes Konzerterlebnis, das jedes Eis zum Schmelzen brachte.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

"Meccore String Quartet" begeistert im Martinstadl

Von Ulrich Pfaffenberger, Zorneding

Das Staunen geht weiter. Wieder bringt der Kammermusikzyklus des Kulturvereins Zorneding-Baldham ein international hoch angesehenes Ensemble in den Martinstadl und wieder gelingt es, die Erwartungen in einem Grad zu erfüllen, der Maßstäbe setzt für alle, die dort auftreten und zuhören. Mit Fug und Recht darf das Publikum von einem mitreißenden Konzerterlebnis sprechen. Oder, wie Vereinsvorstand Karl-Ludwig Judt es in drei Worte fasste: "Ich war fasziniert."

Das Ensemble: In Fachkreisen gilt das Meccore String Quartet als das beste polnische Streichquartett. Wenn auch den Anwesenden vermutlich Vergleichsmöglichkeiten fehlen, spricht alles dafür, eine Spitzenposition für einen größeren Raum zu reklamieren. Es gibt europaweit verschwindend wenige Quartette, die in so jungem Alter auf so hohem Niveau musizieren. Vier Stilisten, die ihre Sturm-und-Drang-Phase hinter sich gelassen haben und sich in den gewählten Kompositionen voller Leidenschaft und zugleich mit filigraner technischer Feinheit bewegen, die gleichwohl Raum für emotionale Akzente lässt.

Der Stil: Jarosław Nadrzycki ist ein erster Geiger. Tonangebend, aber nicht dominierend; mitreißend, aber nicht emotionsüberladen; gedankenvoll, aber nicht zögernd. Auf das meisterliche Niveau, mit dem Wojciech Koprowski an der zweiten Geige, Michał Bryła an der Viola und Karol Marianowski am Cello durchgängig musizieren, setzt er die Krone. So gehört Streichquartett, dafür wurde es erfunden.

Die Werke: Mit Karol Szymanowskis Streichquartett C-Dur op. 37 und Kryzstof Pendereckis Streichquartett Nr. 3 "Blätter eines nicht geschriebenen Tagebuches" bringen die Meccores zwei doppelte Klassiker zu Gehör. Die beiden polnischen Komponisten zählen zur Avantgarde der modernen europäischen Musik, die beiden Streichquartette zu ihren herausragenden Werken in dieser Disziplin. Wer sich auf diesem Feld bewegt, muss an ihnen sein Können beweisen. Das Streichquartett g-Moll op. 27 des Romantikers Edward Grieg nach der Pause kontrastiert nicht nur auf stilistischer Ebene mit den beiden vorhergehenden Stücken. Es gibt dem Quartett auch Gelegenheit, seine Aufrichtigkeit und Klarheit im Verständnis eines Komponisten zu demonstrieren. Haben die Vier zu Beginn des Konzerts das Eis zum Glühen gebracht, lassen sie es nun lebenspendend schmelzen - und bleiben doch jederzeit ganz bei sich.

Das Publikum: Ob sich einige nicht auf das Glatteis moderner Komponisten begeben oder die Rutschgefahr auf den eisigen Straßen im Landkreis meiden wollten, wird sich nie ganz klären lassen. Der lang anhaltende und von Bewunderung und mit "Das werde ich nie vergessen"-Noten durchzogene Applaus jedenfalls machte die leergebliebenen Reihen im Saal völlig vergessen.