Ebersberg "Plötzlich durfte ich nicht mehr wickeln"

Wie man sägt, ohne sich zu verletzen, zeigt Bastian Ober hier einigen Jungs. Allerdings seien männliche Erzieher auch für Mädchen da, sagt er.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Bastian Ober schwärmt von seinem Beruf - beklagt aber auch eine gewisse Stimmung des Misstrauens

Von Friederike Hunke

Bastian Ober leitet seit 2011 die aus Krippe und Kindergarten bestehende Einrichtung "Kleine Hände - große Taten" von "Kinderland Plus" in Poing. Der 34-jährige Erzieher wünscht sich "authentische Männerrollen" für die Kinder. Mit Themen wie Missbrauch oder Geschlechterunterschieden geht er sehr sensibel um.

SZ: Hätten Sie gerne mehr Männer in Ihrer Einrichtung?

Bastien Ober: Wenn es in jeder Einrichtung einen Mann gäbe, wäre es ja schon ein Fortschritt. Wir haben aktuell einen FSJler, einen Erzieher im Anerkennungsjahr und mich im Haus, also zehn Prozent der Mitarbeiter. Das ist überdurchschnittlich. Insgesamt ist es personell oft sehr knapp, da muss dringend etwas getan werden.

Macht es für Ihr Team einen Unterschied, dass Männer dabei sind?

Für mich selbst spielt das keine Rolle, wobei ich ja nur gemischte Teams kenne. Es kommt eher auf die Persönlichkeiten an. Die Kinder genießen es aber sehr, wenn auch mal Männer da sind, egal ob Erzieher, Kinderpfleger oder Praktikant.

Gehen Männer denn anders mit Kindern um als Frauen?

Es gibt definitiv Unterschiede, auch wenn sie kulturell konstruiert sind. Männer bringen oft andere Schwerpunkte ein. Sie haben eher eine Affinität zu Bewegung, also zum Beispiel das berühmte Fußballspielen oder die handwerkliche Schiene. Männer sind übrigens nicht nur für die Jungs da, sondern auch für die Mädels! Die Mädchen mögen es auch, wenn sie in der Kita einen männlichen Ansprechpartner haben, denn manchmal ist der Papa nicht so viel daheim oder wohnt woanders, weil die Eltern getrennt leben.

Haben Sie eine Idee, warum es so wenige männliche Erzieher gibt?

Der Hauptgrund ist wahrscheinlich das Geld. In mindestens zwei Dritteln der Familien sind die Väter die Hauptverdiener. Ich habe ein kleines Kind, und wenn ich keine Leitungsstelle hätte, wäre es schon schwierig, von diesem Beruf eine Familie zu ernähren. Wir haben immer wieder männliche Schülerpraktikanten, die sagen: "Ja, das macht Spaß und ist interessant, aber da verdient man ja nichts!" Zum anderen ist es eine Ansehensfrage. Manchen erscheint gerade der Kindergarten wenig herausfordernd - was natürlich nicht stimmt.

Sind Ihnen in Ihrer Laufbahn schon Vorbehalte begegnet?

Jeder, der in dem Beruf arbeitet, hat schon Vorurteile erlebt. Als SPS-Praktikant, also im ersten Teil meiner Ausbildung, habe ich in einer heilpädagogischen Tagesstätte gearbeitet. Nach einem halben Jahr durfte ich plötzlich, von einem Tag auf den anderen, nicht mehr wickeln und die Mädchen nicht mehr auf die Toilette begleiten. Woran das lag, wurde mir nicht erklärt. Vielleicht hatte es mit der Fachlichkeit zu tun, schließlich war ich noch nicht fertig ausgebildet, aber irritiert hat mich das schon.

Wie geben Sie als Einrichtungsleiter mit Vorurteilen um?

Hier im Haus habe ich das noch nicht erlebt. Ich würde in so einem Fall klarstellen, dass sowieso alle Mitarbeiter überprüft werden und zum Beispiel ein Führungszeugnis abgeben müssen. Außerdem bringt die Arbeit in Teams eine soziale Kontrolle mit sich. Es ist aber schwierig, solchen Vorurteilen zu begegnen. Denn warum sollte ich einen Erzieher speziell im Auge behalten, nur weil er ein Mann ist?

Was, wenn das Misstrauen begründet ist?

Ganz klar: Missbrauch darf nicht passieren. Wir schauen genau hin, bei Männern wie bei Frauen, denn auch sie üben Gewalt aus, wenn auch eher psychisch. Das Thema Prävention ist - Gott sei Dank - in aller Munde, aber es erzeugt auch eine gewisse Stimmung des Misstrauens. Ich denke aber, dass nur einige wenige wirklich diese Ängste haben. Wenn jemand ein Kind in eine Einrichtung gibt, ist das immer Vertrauenssache. Indem wir dieses Vertrauen aufbauen, können wir Vorbehalte nehmen.